Audeze LCD-i4 magnetostatischer In-Ear-Kopfhörer

Audeze LCD-i4 In-Ear-Kopfhörer im Test

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Audeze LCD-i4 magnetostatischer In-Ear-Kopfhörer – Kleiner Mann im Ohr

Klangerfahrungen mit dem großem kleinen Audeze LCD-i4 In-Ear-Hörer können weit in die Zukunft weisen …

Gegensätzlicher können zwei Schallwandler nicht sein, auch wenn sie sich beim Modellnamen lediglich in einem Buchstaben unterscheiden. Die Rede ist von Audezes Luxus-Kopfhörer LCD-4, den ich bereits in FIDELITY Nr. 28 besprechen durfte, und den neuen In-Ears LCD-i4, die sich seit einigen Wochen unmerklich in meine Gehörgänge schmiegen. Dort mit Lammleder besetzte 650 Gramm, hier gummiertes Kunststoff mit je zwölf Gramm pro Seite. Ähnlichkeiten gibt es jedoch beim Preis – das Over-Ear-Modell schlägt mit über 4000 Euro zu Buche, das Fliegengewicht immerhin noch mit knapp 3000 Euro – sowie bei der optimierten Folientechnik, für die Audeze seit längerem berühmt ist und gerühmt wird. Deren Weiterentwicklung hat nun auch einen In-Ear-Hörer mit dieser Technik ermöglicht. Ob sich die beiden Namensvetter trotz scheinbar unterschiedlicher Voraussetzungen auch klanglich ähneln, ermittle ich mittels Mediaplayer Calyx M, der mit einer Playlist voller HiRes-Files bestückt ist und mich auf einigen Bahnreisen begleitet.

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Audeze LCD-i4 magnetostatischer In-Ear-Kopfhörer

Gipfelkreuz

Womit wir auch schon beim eigentlichen Einsatzgebiet der edlen Ohrstöpsel wären, zumindest dem offensichtlichen. Auch wenn mittlerweile der ein oder andere hochwertige Kopfhörer reisetauglich, also klappbar konstruiert ist, bleiben doch immer noch eine Menge Ballast und Umständlichkeiten: Zusatzgewicht, Stauraum, umständliches Aufklappen des Cases an Bord von ICE oder Flieger, das Wiederverstauen … Da kommen zwei Fliegengewichte in einer schicken Lederbox, kaum größer als eine Packung Zigaretten, doch gerade recht, um den gestressten Reisenden zu entlasten. Und mal ganz ehrlich: Haben Sie nicht auch manchmal das Gefühl, Ihre Zeit öfter unterwegs als im heimischen Wohnzimmer zu verbringen? Was spricht dann dagegen, die High-End-Anlage einfach mitzunehmen? Und was dem gestressten Manager sein Power-Napping, das ist uns Audiophilen ein gepflegtes Power-Listening – und seien es nur 15–20 Minuten, die wir uns in die musikalische Welt einer großen Popballade, eines Jazztrios oder eines Sinfoniesatzes hineinbeamen können. Auf längere Fahrten, die uns ganze Wagner-Opern oder epische Rockkonzerte näherbringen, freuen wir uns dann doppelt und dreifach.

Mobile HiRes-Player, die dies ermöglichen, lassen sich mittlerweile nicht mal mehr mit zwei Händen abzählen, bei entsprechenden In-Ears jedoch herrschte bislang Flaute. Klar, Audeze selbst hat die iSine-Linie im Programm, die bereits qualitativ hochwertigen In-Ear-Genuss verspricht, aber auf dem audiophilen Olymp ist das Gipfelkreuz bislang noch nicht eingeschlagen worden. Ein Auftrag für den großen kleinen Audeze. Übrigens sind die hochwertigen Leichtgewichte auch zu Hause, im Büro oder auf dem Balkon eine willkommene Bereicherung. In den heimischen vier Wänden ist es dann auch ein Chord Hugo2, der die Musikdateien eines Linux-Laptops sachgerecht an die LCD-i4 verstärkt und gewandelt weiterleitet. Ich erwähne dies, da uns die adäquate Verstärkung weiter unten noch ausführlicher beschäftigen wird.

Audeze LCD-i4 magnetostatischer In-Ear-Kopfhörer

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Filigranarbeit

Der LCD-i4 wird in einer in Verpackung mit transparentem Deckel und magnetischem Verschluss geliefert. Die an kleine Elefantenohren erinnernden In-Ears sind in exakt passenden Schaumstoffformen gelagert, für das reichhaltige mitgelieferte Zubehör steht gar eine Echtledertasche bereit. Beigepackt sind drei Paare unterschiedlich großer Silikonpassstücke für die Gehörgänge, und das in zwei verschiedenen Ausführungen, womit insgesamt sechs Varianten zur Verfügung stehen. So sollte auch für den verwinkeltsten Gehörgang ein angemessener Luxus-Pfropfen zu finden sein. Zum Lieferumfang gehören des Weiteren zwei unterschiedliche Ohrbügelpaare, die auch die Varianz der menschlichen Gehörmuscheln berücksichtigen. Um die persönlich richtige Kombination zu finden, sollte man sich Zeit nehmen und ganz in Ruhe alles ausprobieren, sowohl ohne Musik, was die reine Passform betrifft, als auch mit Musik, um die Übertragung vom „Klangrüssel“ des LCD-i4 ins Ohr zu optimieren. Der Wechsel der gummierten „Überzieher“ geht dabei locker von der Hand, beim Wechseln der Ohrbügel sollte man selbstverständlich behutsam(er) vorgehen. Diese einfach vom Ohr zu reißen ziemt sich nicht in der Edel-Liga. Die teure Designerbrille schmeißen Sie ja auch nicht achtlos durch die Gegend. Wer sich womöglich am verwendeten Kunststoff des Audeze LCD-i4 stört, sollte bedenken, dass es bei Ohrhörern auf jedes Gramm Gewicht ankommt, schließlich sollen die Wohlklinger doch möglichst unspürbar in den Gehörgängen „andocken“, und da ist verstärkter Kunststoff nach wie vor erste Wahl. Ein möglicherweise schickerer Lederbesatz oder Ähnliches würde nur zusätzliches Gewicht ins Spiel bringen.

Audeze LCD-i4 magnetostatischer In-Ear-Kopfhörer

Leistungshunger

Um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Ein Ohrhörer ist kein geschlossener Kopfhörer. Dies heißt einerseits, dass minimale Geräusche nach außen getragen werden – ein Aspekt, den man beim LCD-i4 getrost vernachlässigen kann –, andererseits lautere Außengeräusche dennoch bis ans Ohr vordringen können. Inwiefern man sich davon gestört fühlt, hängt sowohl von den konkreten Störquellen als auch von der gewählten Musik ab. Gängige Pop/Rock/Electronica-Titel, die in einer mehr oder minder konstanten Lautstärke im mittleren bis höheren Pegelbereich produziert wurden, sind praktisch immun gegen Belästigungen aus der Nachbarschaft; hochdynamische Klassikaufnahmen im Pianissimo oder Kammerjazz à la ECM sind da schon eher gefährdet. Bei Bahnfahrten sind gelegentliche Fahrgeräusche, mehr aber noch gewisse „stimmstarke“ Zeitgenossen in Maßen wahrnehmbar.

Gerade bei dynamischen Aufnahmen wird schnell klar, dass die Magnetostaten im Miniformat eine ordentliche, ja: kräftige Verstärkung benötigen, um ihre herausragenden Qualitäten voll auszuspielen. Bei einigen Titeln agieren Mediaplayer wie Calyx M oder Fiio X7 dann schon am oberen Limit ihrer verfügbaren Lautstärke – und mich beschleicht dabei das Gefühl, dass mir der entscheidende Kick vorenthalten wird, insbesondere bei Klassik- und Jazzaufnahmen. Das dynamische und geradezu holografische Erlebnis, das gut produzierte elektronische Musik – etwa Yellos „Oh Yeah“ vom Album Stella – auch via Calyx M bereitet, das will sich bei Leonard Bernsteins Divertimento for Orchestra in der sensationellen Aufnahme unter Eije Oue (auf Reference Recordings) einfach nicht einstellen.

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Audeze LCD-i4 magnetostatischer In-Ear-Kopfhörer

Da passt es wie die berühmte Faust aufs Auge, dass sich gerade Chords Hugo2 zum Testen im Hause befindet. Der kombinierte DAC und Kopfhörerverstärker kann sich (noch besser als sein kleiner Bruder Mojo) am LCD-i4 nicht nur mit ausgezeichneten Wandlerqualitäten, sondern vor allem mit einer exzellenten Verstärkerleistung in Szene setzen. Hugo2, vom Linux-Laptop per Clementine mit dem „Turkey Trot“ aus Bernsteins Orchestersuite bespielt, sorgt für ein Ereignis der ganz besonderen Art: Der Audeze LCD-i4 kommt der Utopie eines direkt in das Gehirn implementierten Hörchips schon sehr nahe. Schlagwerk und tiefes Blech erzeugen kleine, sensationelle Klangexplosionen, die sich scheinbar unmittelbar im Kopf direkt zwischen den Schläfenlappen ereignen. Dabei entsteht ein imaginärer Raumklang, der exakt im Kopf einrastet und mich geradezu ein Teil des Orchesters werden lässt. Fantastisch!

Sollte dies nur ein Zufallstreffer sein, der womöglich dieser spezifischen Aufnahme geschuldet ist? Mitnichten: Ein 360°-Panoramasound entsteht beim Titelsong von Melanie di Biasios Album A Stomach Is Burning. Dahingeworfene Percussionsounds, mäandernde Flatterzungen im tiefen Querflötenregister und kaum ortbare Klingelsounds umkreisen den Kopf, wobei sich definitiv nicht sagen lässt, ob die Musik von außen auf das Ohr dringt oder doch viel eher im Kopfinneren entsteht. Dies ist eine zunächst leicht irritierende, aber in jedem Fall faszinierende Erfahrung. Hier wird das Grenzenlose eines Klangs transportiert – eine Klangerfahrung, die womöglich in einigen Jahren Standard sein wird und schon die Kybernetik vorwegnimmt, die eines Tages die Grenzen zwischen innen und außen, zwischen Mensch und Maschine verschwinden lassen wird. Und Audezes LCD-i4 lassen heute diese Utopie bereits erfahrbar werden, vorausgesetzt, es findet eine adäquate Verstärkung statt. Hier erweisen sich die In-Ears beinahe so leistungshungrig wie ihr Over-Ear-Pendant LCD-4.

Vier gewinnt

Aber lassen sich beiden „Vierer“ aus den USA überhaupt akustisch miteinander vergleichen? Wenn ich ehrlich bin: nein. So vorzüglich sowohl LCD-i4 als auch LCD-4 sind, in ihren klanglichen Signaturen unterscheiden sie sich doch. Der kleine In-Ear wirkt aufgeräumter, transparenter und auch neutraler. Das On-Ear-Modell erscheint dagegen voluminöser und wärmer abgestimmt, kann auch beim Tiefbass noch eine Schippe drauflegen, aber dieses Mehr an Bass wäre direkt in den Ohren dann doch des Guten zu viel. Erstaunlicherweise vermitteln die LCD-i4 sogar das weiträumigere Panorama – eine Qualität, die bei traditionellen In-Ears in aller Regel konstruktionsbedingt zu kurz kommt, mich hier aber vollends überzeugen kann.

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Ich gebe hiermit zu, mich bislang generell geweigert zu haben, längere Zeit mit kleinen Rüsseln im Ohr Musik zu hören, habe einem klassischen Kopfhörer immer den Vorzug gegeben, aus tragetechnischen, vor allem aber aus klanglich-musikalischen Gründen. Doch die LCD-i4 haben mich dermaßen angefixt, dass meine kleine, aber feine Over-Ear-Kopfhörersammlung über Wochen hinweg arbeitslos geblieben ist. Ein gewisses Suchtpotenzial kann ich Audezes Neuentwicklung daher nicht absprechen. Was mir nach der (vermutlich tränengetränkten) Rückgabe der grandiosen LCD-i4 an den Vertrieb bleiben wird, ist die Erkenntnis, schon jetzt der Zukunft des Musikhörens gelauscht zu haben!

Audeze LCD-i4 magnetostatischer In-Ear-Kopfhörer

Wir meinen

Pures In-Ear-Vergnügen auf allerhöchstem Niveau: maximal offener, direkter und hochdynamischer Klang. Mit adäquater Verstärkung lassen die Audeze LCD-i4 selbst ausgewachsene Hochkaräter weit hinter sich!

Audeze LCD-i4 magnetostatischer In-Ear-Kopfhörer Navigator

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Audeze LCD-i4 magnetostatischer In-Ear-Kopfhörer

Nennimpedanz: 35 Ω
Empfindlichkeit: 105 dB/1 mW
Belastbarkeit: 3 W
Magnettyp: Neodymium N50
Diaphragma: Nano-Scale Uniforce
Kabellänge: 120 cm
Gewicht: 2 x 12 g
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: 2990 €

 

www.cma.audio

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www.audeze.com

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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