SACD-Player Marantz SA-KI Ruby und Vollverstärker PM-KI Ruby – Zuverlässige Genussmittel

Ein höchst nobles Geschenk von Marantz zum Jubiläum: Diese SACD-Player/Verstärker-Kombination spielt ganz weit oben. Und das nur, weil ein highendiges Superhirn seit 40 Jahren in derselben Firma arbeitet.

Stellen Sie sich vor, Sie sind auf der Suche nach einer Oberklasse-Limousine, weil Sie Faktoren wie Komfort, Sicherheit und souveräne Leistung über die Jahre schätzen gelernt haben. Dann bekommen Sie ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können, weil der Verkäufer nur die Hälfte dessen aufruft, was Sie sonst für einen Wagen dieses Kalibers hinlegen müssten. Also zücken Sie die Platin-Kreditkarte und machen sich dann ganz schnell mit dem neuen Schmuckstück davon, ehe der Händler merkt, dass er sich beim Schreiben des Preisschildes vertan hat.

Marantz Vollverstärker PM-KI Ruby und SACD-Player SA-KI Ruby

Ganz ähnlich erging es mir, als ich das Marantz-Duo aus SA-KI Ruby und PM-KI Ruby erstmals aus seinen voluminösen Verpackungen befreite. Die Gene der Marantz-10er-Klasse, der Toplinie, sind unüberseh- und vor allem unüberhörbar. Nur dass die Rubys mit rund 4000 Euro pro Gerät gerade einmal die Hälfte der Flaggschiffe kosten, aber beinahe genauso gut klingen.

Die Monate, in denen die „Zehner“ im FIDELITY-Hörraum standen, werde ich lebenslang nicht vergessen. So muss High End klingen: auf den Punkt, mit weit gespanntem Frequenzgang, riesiger Dynamik und jener Homogenität, die nur per Gehör abgestimmte Geräte haben können. Dass es eine Wahrheit jenseits perfekter Messwerte gibt, dass der Weg ins Klang-Nirwana über ausgedehnte Hörsitzungen und akribische Detailarbeit an den für gut befundenen Schaltungen führt, hat Ken Ishiwata schon lange vor vielen seiner Entwicklerkollegen begriffen. Weil der Mann mit den Goldohren auch Musiker ist und als passionierter Geiger ganz genau weiß, wie Instrumente und Stimmen zu klingen haben.

„40 Years Of Passion“ steht auch auf dem kleinen, den Rubys beigegebenen Faltblatt, in dem Ishiwata erklärt, dass er sein „Rubinjubiläum“ bei Marantz mit einer streng auf 1000 Exemplare limitierten Geräteserie feiert und sich mit den beiden Komponenten gleichsam selbst ein Geschenk macht. Zur Erinnerung: Ishiwata-Sondereditionen haben bei Marantz eine lange Tradition, alle paar Jahre kommen Geräte mit dem magischen „KI“-Kürzel heraus, die der Meister feingetunt und über den Serienstandard hinaus zu echten Ausnahmemaschinen gemacht hat. Manchmal blieb in der Vergangenheit „kein Stein auf dem anderen“, wenn Ken Ishiwata Bauteil für Bauteil auf seine „KI“-Eignung prüfte, hörte, austauschte und wieder hörte – bis ein nicht nur für die jeweilige Preisklasse exzeptionelles Stück Unterhaltungselektronik dabei herauskam. Unvergessen die „Pearls“ von vor ein paar Jahren, die auf dem Gebrauchtmarkt bis heute hohe Preise erzielen und dank ihres ausgezeichneten Rufs nicht nur in klanglicher Hinsicht zu den extrem wertstabilen Produkten zählen.

Zu den Rubys freilich gibt es derzeit zumindest in Europa keine Serien-Gegenstücke. In Japan wurde derweil die 12er-Baureihe vorgestellt, die den Rubys wie aus dem Kupferchassis geschnitten scheint – allerdings ohne die in den Deckel gelaserte Ken-Ishiwata-Signatur, ohne den daneben eingelassenen roten Edelstein und ohne die geprägte Metallplakette auf der Geräterückseite, die bei den beiden der FIDELITY zur Verfügung gestellten Test-Rubys die magische Zahlenkombination 000/999 tragen und damit die ersten Seriengeräte in „freier Wildbahn“ sind. Ob die 12er jemals außerhalb Japans angeboten werden, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest, deshalb empfehle ich Beeilung, um hierzulande noch eine der raren Ruby-Kombis zu ergattern.

Marantz Vollverstärker PM-KI Ruby und SACD-Player SA-KI Ruby

Vergleicht man die amtierenden Marantz-Majestäten der 10er-Linie mit den Rubys, dann bestehen die Unterschiede in erster Linie in der Leistung und in der sehr behutsam reduzierten Ausstattung. Am augenfälligsten äußern sich die Unterschiede bei einem Blick auf die Geräterückseiten, wo sich keine symmetrischen XLR-Anschlüsse wie bei den „Zehnern“, sondern „nur“ vergoldete beziehungsweise (bei Phono- und CD-Eingang) vernickelte Cinchbuchsen der Sorte „für die Ewigkeit gebaut“ finden. Da ich keinen Grund dafür sehe, SACD-Player und Verstärker mit zehn Meter langen Kabeln zu verbinden, hält sich meine Trauer über die XLR-Absenz sehr in Grenzen.

Dass der wie sein großes Gegenstück PM 10 in Schaltverstärker-Technik aufgebaute Ruby-Vollverstärker ein paar Watt weniger Leistung an die bei Marantz allmählich zum Standard in der Premium-Klasse werdenden Edel-Lautsprecherklemmen aus Kupfer liefert, werden wohl auch nur jene merken, die daheim gerne Schwermetall-Hörsessions mit Trommelfell sprengenden Original-Lautstärkepegeln veranstalten und auch die Nachbarn im nächsten Dorf nicht im Unklaren über ihren Musikgeschmack lassen möchten.

Marantz Vollverstärker PM-KI Ruby und SACD-Player SA-KI Ruby

Diese Klientel gibt ihr Geld aber erfahrungsgemäß für anderes Equipment aus. Wer sich die eingangs erwähnte Oberklasse-Limousine gönnt, wird sie in der Regel auch nicht wie einen kompakten Sportwagen bewegen. Auch wenn der Gedanke sehr beruhigend ist, dass das bei Bedarf geht. Eine Einsicht, die sich nahtlos auf die Rubys übertragen lässt, deren Leistung in den meisten Lebenslagen locker ausreichen dürfte.

Dennoch muss klar sein, dass diese wahlweise in „Silbergold“ (so die Marantz-Bezeichnung) oder sattem Schwarz erhältlichen Boliden wie ihr Schöpfer dezidierte Feingeister sind, bei denen die stimmige Wiedergabe feiner Nuancen, subtiler Details und bedeutungstragender Mikrodynamik allerhöchste Priorität genießt. Mit den Rubys kann man leise hören und bekommt dennoch alles serviert, was auf der Silberscheibe oder in der Musikdatei steckt. Ja, Musikdatei: Der Wandler des SACD-Players kann per USB-Anschluss auch Signale aus dem PC verarbeiten, dafür bietet Marantz auf der Firmen-Homepage die passende Software an. So profitieren auch die immer beliebter werdenden nichtphysischen Medien von der überragenden Klangqualität des SA-KI Ruby.

Marantz Vollverstärker PM-KI Ruby und SACD-Player SA-KI Ruby

Und diese Qualität spielt der Player mit der unnachahmlich sanft gleitenden, ungemein stabilen, aber einen Hauch zu flach ausgefallenen Schublade bei jedem Musikmaterial aus. Wer wie ich an sich eingefleischter „Analogo“ ist und digitale Musikwiedergabe erst seit dem Aufkommen der hochaufgelösten Medien als erträglich ansehen konnte, wird über diesen SACD-Spieler sogar mit der herkömmlichen CD versöhnt. Werden deren Daten, deren von der Übertragungsbandbreite her eingeschränktes Format doch sehr sinnreich auf SACD-Niveau hochgerechnet. Das Ergebnis: Besser kann digital eigentlich nicht klingen. Selbst die CD vermag es, den „Wimmelbild“-Eindruck hochaufgelöster Musikwiedergabe zu vermitteln, sinnstiftende Einzelheiten aus den Bits zu saugen, die dem Hörerlebnis sehr zuträglich sind.

Eine überaus nette Zugabe: Wohl weil der verwendete D/A-Wandler mehr als zwei Kanäle „kann“, beherrscht der SACD-Player auch das Auslesen des mehrkanaligen Materials auf SACD, das er dann auf Stereo herunterrechnet. So war es mir möglich, die SACD-Spur einer Händel-Aufnahme von Harmonia Mundi zu hören, deren hochaufgelöster Part nur mehrkanalig gespeichert wurde. Achtung: Wer den „Downmix“ hört, muss die Lautstärke des Verstärkers ein wenig nach oben anpassen, das Ergebnis ist dennoch sehr überzeugend und ansprechend.

Marantz Vollverstärker PM-KI Ruby und SACD-Player SA-KI Ruby

Wie von Ken Ishiwata, dem dezidierten Jazz- und Klassikfan, nicht anders zu erwarten, darf die Abstimmung der Rubys grundsätzlich als sehr gediegen angesehen werden. Dass manches minimal geschönt wird, gehört zum Konzept: Ishiwata wollte sichtlich keine sporadisch nervende, weil auf schlampig produzierte Musik empfindlich reagierende „Abhörlupe“ schaffen, sondern ein zuverlässiges Genussinstrument, das den Augen ebenso wie den Ohren schmeichelt und Musikwiedergabe auf Weltklasse-Niveau garantiert.

Die Technikaffinen freuen sich an Konstruktionsmerkmalen wie verkupferten Chassis inklusive massiver Kupferschrauben, aufwendig geschirmten Wandler- und Verstärkersektionen und supersauberen Platinenlayouts, die Hörfreaks an unbedingter Homogenität und ganz groß dimensionierten Räumen, die sich nicht nur in die Breite, sondern auch in die Tiefe erstrecken. Wie die „Zehner“ stellen auch die Rubys virtuelle Schallquellen extrem klar definiert in den Raum und verschweigen nicht, ob die Musik in einem Studio oder in „natürlicher Umgebung“, also etwa in einer Kirche oder einem Konzertsaal, aufgenommen wurde.

Marantz Vollverstärker PM-KI Ruby und SACD-Player SA-KI Ruby

In der (viel zu kurzen) Zeit, in der die Rubys mein Arbeitszimmer mit ihrer Anwesenheit im wahrsten Wortsinn vergoldeten, wanderten ganz viele Silberscheiben in den Player, außerdem spielte ich einige feine HiRes-Dateien aus dem Privatarchiv zu. Bei den meisten Teststücken kam das Gefühl auf, sie erstmals zu hören – und zuvor nie alles auf die Ohren bekommen zu haben, weil auch sehr hochbegabte Elektronik mir manche Einzelheit vermeintlich gnädig verschwieg. Ein echtes Vergnügen, festzustellen, wie viel Know-how und Herzblut auch und gerade die großen Platzhirsche der Musikindustrie, die „Major Labels“, in der Hochzeit der SACD Anfang der 2000er Jahre in ihre Neu- und Wiederveröffentlichungen investierten. So wurden über zwei Dutzend Produktionen aus der legendären „Living Stereo“-Reihe der RCA von Rechteinhaber Sony wiederveröffentlicht. Weil diese ab den späten 1950er Jahren auf der damals noch recht neuen Langspielplatte herausgebrachten Klassik- und Jazzaufnahmen bis heute Maßstäbe in schierer Klangqualität setzen.

Nach dem Rückzug der Großen aus dem SACD-Geschäft, das nie die erhofften Massenumsätze generierte, haben es kleine Plattenfirmen wie Analogue Productions übernommen, „Living Stereo“ zu neuem Leben zu verhelfen. Hört man sich spektakulären Stoff wie Fritz Reiners Aufnahme der Pini di Roma von Ottorino Respighi in der SACD-Variante über die Rubys an, gleicht das einer Offenbarung: Mit so viel Binnenspannung, so viel Wucht, so viel natürlicher Musikalität und so viel eisernem Formwillen wurde diese farbige Programmmusik davor und danach nie wieder für die Nachwelt festgehalten. Reiner war ein Zuchtmeister, der „sein“ Chicago Symphony Orchestra wie ein multifunktionales Instrument behandelte und mit harter Hand eine Idealbalance der Stimmgruppen erreichte. Das Ergebnis ist kein filmmusikalischer Edelkitsch, sondern emotional zutiefst bewegendes Musiktheater ohne Worte.

Marantz Vollverstärker PM-KI Ruby und SACD-Player SA-KI Ruby

Während noch die letzten Schwingungen der großen Kesselpauke in meinem Arbeitszimmer und meiner Magengegend verhallen, wechsle ich Thema und Tonträger und lasse die neuseeländische Sopranistin Hailey Westenra Both Sides Now (Decca New Zealand) anstimmen. Die massive Aluminium-Fernsteuerung lasse ich dabei liegen, weil es viel zu viel Spaß macht, etwa den satt laufenden Lautstärkesteller des PM-KI Ruby zu bedienen und dabei der fein gerasterten Anzeige im Marantz-typischen Bullauge zuzuschauen. Oder die satt klickende Schubladentaste des Players zu drücken und dann auf das leise Zischen der bestens gedämpften Mechanik zu lauschen, hinter der sich das von Marantz selbst neuentwickelte SACD-Laufwerk SACDM-3 verbirgt. Haileys Jungmädchen-Sopran klingt über andere Anlagen gerne etwas spitz und in den Höhen überbetont. Über die Rubys hat er fein abgestufte Valeurs, Kraft in den Mitten und jenen Charme, der eine außergewöhnliche Sängerin von der Masse abhebt.

Morgen holt die Spedition meine Testgeräte, ich muss mich von der schlichten Perfektion verabschieden, die eine Weile mein highendiges Dasein bestimmte. Selten war ich trauriger, Geräte wieder hergeben zu müssen …

Marantz Vollverstärker PM-KI Ruby und SACD-Player SA-KI Ruby Navigator

 

Vollverstärker Marantz PM-KI Ruby

Funktionsprinzip: Class-D-Vollverstärker
Ausgangsleistung (8/4 Ω): 100/200 W
Frequenzbereich: 5 Hz–50 kHz
Eingänge: 5 x Line (Cinch), Phono MM/MC (Cinch)
Ausgänge: 2 x Rec-Out (Cinch), 1 x LS (Polklemmen), Kopfhörer (6,3-mm-Klinke)
Klirrfaktor: 0,005 %
Dämpfungsfaktor: 500
Besonderheiten: limitierte Auflage „KI“(1000 Stück); Fernbedienung, kupferbeschichtetes Chassis, Bi-Amping und Mehrkanal-Option
Ausführung: Gold, Schwarz
Maße (B/H/T): 44/13/45 cm
Gewicht: 15,7 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: 4000 €

 

SACD-Player SA-KI Ruby

Funktionsprinzip: SA(CD)-Player
Frequenzbereich: 2 Hz–50 kHz
Kompatible Formate: CD, CD-R/RW, SACD, WMA, MP3, AAC
Eingänge digital: 2 x USB (Typ A und B), koaxial (Cinch), optisch (Toslink)
Ausgänge digital: koaxial (Cinch), optisch (Toslink)
Ausgänge analog: Line (Cinch), Kopfhörer (6,3-mm-Klinke)
Signal-Rausch-Abstand: 112 dB
Klirrfaktor: 0,0008 % (1 kHz)
Besonderheiten: Kopfhörerverstärker, Fernbedienung, Abschalt-Automatik
Ausführung: Gold, Schwarz
Maße (B/H/T): 44/13/42 cm
Gewicht: 17,1 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: 4000 €

 

www.marantz.de

 

Mitspieler

Plattenspieler: Clearaudio Innovation Compact
Tonabnehmer: Clearaudio Da Vinci
Tonarm: Clearaudio Magnify
Phonoverstärker: Musical Fidelity M1 LPS, Clearaudio Phono Nano
D/A-Wandler: Musical Fidelity M1 DAC
SACD-Player: Sony SCD 333 ES, Sony SCD 555 ES, Pioneer D9, Marantz SA-14 V1, Marantz SA-15 S1
Vorverstärker: Mark Levinson No. 38s, Trigon Snowwhite, Marantz SC 22
Endverstärker: Mark Levinson No. 27, Marantz MA 22
Vollverstärker: Luxman L 210, Marantz PM-17 Mk II, Sony TA-F 770 ES, Micromega Myamp
Lautsprecher: Infinity Kappa 7.2 II

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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