Cambridge Audio Edge Vor- Endverstärker

Cambridge Audio Edge NQ und Edge W im Test

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Cambridge Audio Edge NQ und Edge W, DAC-Vorverstärker und Endverstärker – Ohne Ecken und Kanten

Fünfzig Jahre Cambridge Audio. Für die Firma war das Jubiliäum ein willkommener Anlass, sich eine verführerische neue Geräteserie zu gönnen.

Eigentlich zählt es zu meinen Vorsätzen, Stereotype zu meiden und nichts, aber auch rein gar nichts in Schubladen zu stopfen. Doch leider spurtet mein Gehirn den guten Absichten immer wieder davon. Wie die meisten Hersteller habe ich Cambridge Audio in einem Séparée meines Denkknochens verstaut, dessen Türchen mit einer Reihe von Attributen versehen ist: HiFi im klassischen Gardemaß, silbern oder schwarz lieferbar, britischer Traditionshersteller und so weiter. Obendrauf klebt ein kleines Schild, das mich ans superbe Preis-Leistungs-Verhältnis der Marke gemahnt. Mir ist einfach noch keine Cambridge-Komponente untergekommen, die ihren Obolus nicht mindestens wert gewesen wäre. Vor allem kleinere Maschinen wie der regelbare DacMagic Plus oder die schwungvollen CX-Geräte bieten einen sensationellen Klang fürs Budget.

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Cambridge Audio Edge Vor- Endverstärker

Im November vorletzten Jahres (2017) wurde diese Ordnung durchgerüttelt. Es kam zu einem spontanen Treffen mit dem Technischen Direktor Dominic Baker, Produktmanager Andy Moore und dem Leiter der deutschen Vertretung Marcel Müller. Ein überaus sympathisches Trio, das mir in entspannter Atmosphäre bei Kaffee und Plätzchen die Zielsetzungen fürs Kalenderjahr 2018 präsentierte. Zugegebenermaßen eine ungewöhnliche Zusammenkunft, doch angesichts des Umstands, dass die 1968 gegründete HiFi-Schmiede vergangenes Jahr ihren 50. Geburtstag feierte, war ich gespannt auf die Jubiläumspläne.

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Eine ganze Weile drehte sich das Gespräch um Kleinkram. Ich erfuhr, dass im Londoner Firmensitz eine Reihe von Konzerten geplant war. Kein Witz, Entwicklung und Marketing sind in einem Gewerbekomplex untergebracht, in dessen Parterre sich ein Showroom samt Live-Club befindet. Damit demonstrieren die Briten ihre Nähe zu handgemachter Musik. Außerdem gab’s einen Satz neuer Visitenkarten, auf denen die Lieblingssongs des Teams verewigt sind. Und schließlich lernte ich noch ein nerdiges Detail über das Firmenlogo: Es zeigt einen Ausschnitt des britischen Union Jack, der so abgewandelt wurde, dass der Winkel exakt 68 Grad beträgt – passend zum Gründungsdatum. Ähm … fein, fein.

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Als ich gerade anfing, ob dieser „Neuigkeiten“ die Stirn zu runzeln, zündete Mr. Moores Gespür für Timing. Er zückte seinen Laptop und zeigte mir Bilder einer düster, ja geradezu mystisch ausgeleuchteten Anlage. Ein verbaler Trommelwirbel wäre wohl übertrieben, denn es handelte sich um eben jene Kombination aus der DAC-Vorstufe Edge NQ und dem Kraftwerk Edge W, die Sie auf diesen Seiten sehen können. Damals war ich paralysiert, denn die Abbildungen passten zu nichts, was ich bis dahin unter Cambridge Audio abgespeichert hatte. Die Briten verkündeten mal eben ihren Sprung in die High-End-Liga. Na klasse, dachte ich, nachdem die erste Begeisterung verflogen war, den Vermerk mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis kann ich streichen. Den Kostenpunkt der Edge-Komponenten wollte der Hersteller im November 2017 noch nicht verraten, mein Gefühl sagte aber, dass es wohl irgendwas im fünfstelligen Bereich sein würde.

Die Optik der Edge-Serie ist neuartig. Nicht nur für Cambridges Verhältnisse. Die massiven Aluminiumgehäuse werden ausschließlich in eloxiertem Dunkelgrau geliefert, und sie werden von einer Reihe massiver, sachgemäß entgrateter Kühlrippen flankiert. Eine äußerst gelungene Symbiose aus sachlicher Schlichtheit und modernem Design. Der Eindruck in natura toppt die Fotos: Die Verarbeitung der Komponenten ist herausragend. Ihre Oberflächen sind makellos glatt und verströmen den wohligen Hauch von Hochwertigkeit. Die Suche nach passenden Materialien beanspruchte viele Monate, wie uns die Briten damals berichteten. Und die Konstruktion ist intelligent: Um das Gehäuse zu öffnen, muss man zwei winzige Inbus-Schräubchen lösen. Schon kann man den Deckel im Ganzen aus seiner Halterung schieben und abheben.

Vor allem bei der Endstufe lohnt sich ein Blick ins Innere – bei aller gebotenen Vorsicht, versteht sich. Sie offenbart einen vorbildlich symmetrischen Doppelmono-Aufbau. Der riesige Ringkerntrafo ist so im Zentrum angeordnet, dass sein Strom sternförmig und auf kürzestem Weg in die Baugruppen gelangt. Bei genauer Betrachtung handelt es sich sogar um einen Doppeltrafo, dessen elektromagnetische Interferenzen durch die gegenphasige Anordnung ausgelöscht werden. Warum ist das eigentlich nicht der Regelfall? Die Masseführung wurde über massive, offen verlegte Kupferschienen realisiert. Mehr Aufwand kann man kaum treiben.

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Cambridge Audio Edge Vor- Endverstärker

Der Clou steckt tief in den Schaltkreisen der Edge W, wie uns Support-Spezialist Reiner Kockot im Verlauf des Tests erläutert. Bereits für die 851er-Serie führte Cambridge eine Verstärkertechnik namens „Class XD“ ein. Das führte zu fehlerhaften Assoziationen mit dem Class-D-Verstärkungskonzept, weshalb die Schaltung für die Edge-Serie in „Class XA“ umbenannt wurde. Zu tiefe Details verrät der Hersteller nicht, es handelt sich aber um einen Kniff, der die Übernahmeverzerrungen der nach Push-Pull-Prinzip arbeitenden Transistoren minimiert. Die Endstufe spielt dadurch so direkt und verzerrungsarm wie ein Class-A-Kraftwerk, besitzt jedoch die Kraft und Leistungseffizienz eines Class-AB-Amps. Ihr Aufbau ist übrigens identisch mit den Kraftzellen des Vollverstärkers Edge A − die beiden Geschwister lassen sich zur perfekten Bi-Amping-Einheit kombinieren.

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Aber kehren wir zurück zum Ausgangspunkt: Von November 2017 bis heute ist reichlich Zeit vergangen, und obwohl die Modellreihe bereits im März 2018 öffentlich gemacht wurde, ist unsere Kette das erste in Deutschland verfügbare Testgespann. Grund dafür ist die Vorstufe, in der ein hochkarätiger D/A-Wandler nebst Netzwerkspieler steckt. Wie heute üblich, unterstützt dieser Streamer eine gehörige Bandbreite an Standards, darunter Chromecast, Airplay sowie Bluetooth. Und deren Lizenzfreigabe kann halt etwas dauern …

Der Netzwerkspieler selbst ist kein Hexenwerk. Er basiert auf jener Soft- und Hardware, die Cambridge schon im Frühjahr 2018 dem CXN V2 spendierte, die analogen Ausgangsstufen des NQ repräsentieren allerdings eine neue Evolutionsstufe. Gesteuert wird der Streamer über die frisch programmierte App „Edge“, die für Android und iOS angeboten wird. Neben üblichen Gimmicks wie UPnP- und DLNA-Streaming sind die flinken Prozessoren fähig, via USB eingestöpselte Festplatten zu indexieren: Man klemme ein Laufwerk an den NQ, warte einige Minuten, und schon ist der separate Massenspeicher (NAS) überflüssig. Der Streamer stellt die Sammlung auch anderen Playern im Netzwerk zur Verfügung. Verarbeitet werden sämtliche Formate bis 24 Bit und 192 Kilohertz, über den USB-Anschluss für Computer dürfen sogar Signale bis 32 Bit und 384 kHz sowie DSD eingespeist werden. Freunde von Streaming-Abos dürfte zudem freuen, dass Spotify und Tidal direkt implementiert wurden. Aber auch alle anderen Dienste lassen sich einbinden. Die hochauflösende Variante von Qobuz zum Beispiel konnte ich vom iPhone aus problemlos via Chromecast in den Edge NQ lotsen.

Cambridge Audio Edge Vor- Endverstärker

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An dieser Stelle sollten wir kurz auf den prinzipiellen Unterschied zwischen Apple- und Google-Standards eingehen: Airplay ist eine Schnittstelle zur Signalübertragung. Die Musik wird im PC oder Portable abgespielt und via WLAN oder LAN an den Edge gesendet. Das Ganze ist limitiert auf 24/44 und klingt bemessen an den Grenzen der Technik recht anständig. Zu meinem Hörparcours gehört seit einiger Zeit der Soundtrack der zweiten Fargo-Staffel. Das brachial-dynamische „Attack On Gerhardts“ rammt das Trommelgewitter des USC Drum Corpse in den Hörraum. Für diese musikalische Entdeckung lieben mich meine Nachbarn sicher schon. Die Auflösung ist via Airplay superb, aber irgendwie wirkt die Darbietung immer etwas flach und zweidimensional. Das ändert sich, sobald man von Airplay auf Chromecast wechselt: Die Feinzeichnung erscheint detaillierter. Man meint, jeden Trommler des riesigen Corps ausmachen zu können. Dynamisch steigert sich der NQ regelrecht ins Explosive. Der Streamer offeriert zudem mehr Abbildungstiefe. Woran das liegt? Nun, Chromecast ist keine reine Signalschnittstelle, sondern ein Übertragungszertifikat: Die Qobuz-App übergibt ihre Abo-Freigabe an den Streamer, der selbst auf das Benutzerkonto zugreift und sich die Musik mit bis zu 24/192 ohne Umwege von den Servern der Franzosen holt. Als Player ist er einem Smartphone haushoch überlegen – da kann Airplay einpacken.

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Das Display der Vorstufe zeigt das Cover der Wiedergabe an und kredenzt rudimentäre Details wie Songtitel und Interpret. Neben dem Bildschirm und einem Power-Taster gibt es keine Bedienelemente – abgesehen natürlich vom unübersehbaren Pegelsteller. Der zählt zu den aufwendigsten Regelwerken, die uns bislang untergekommen sind. Über 50 Teile stecken in der Baugruppe, die in penibler Handarbeit montiert werden. Das Herz bildet ein hochwertiges Alps-Poti, dessen Regelspannung über einen A/D-Wandler namens „MDAC“ digitalisiert wird. Das geschieht mit 16 Bit, der NQ verarbeitet also knapp über 65 000 Pegelstufen. Um Bit-Verluste bei sehr leisen Lautstärken zu vermeiden, ist die Regelung selbst analog umgesetzt: Die 16-Bit-Signale des MDAC steuern ein Widerstandsnetzwerk, das an der Gehäuserückseite, direkt in der symmetrischen Doppelmono-Vorstufe untergebracht ist. Der geriffelte Ring am Schaft des Reglers dient übrigens zur Wahl der insgesamt 14 Signalzugänge.

Ob der sensationelle Klang der Edge-Kombi nun im aufwendigen Pegelsteller, der Stromaufbereitung oder der Signalaufbereitung begründet ist, können wir nicht sagen. Es ist auch unwesentlich. Wer einmal erleben konnte, wie schmelzig, fein und plastisch die Edges Beethovens Violinkonzert (Menuhin, Karajan) in den Hörraum zeichnen, der ist augenblicklich im Bann des britischen Gespanns. Die Kette besitzt eine geradezu unerhörte Musikalität, die nicht nur bei zackig-dynamischem Material zur Geltung kommt. Sie verleiht auch leisen Aufnahmen Charakter, Schwung und Seele. Unter anderem hörten wir Beethovens Siebte Sinfonie (Wiener Philharmoniker, Karlos Kleiber) mit ihrem dramatisch anschwellenden zweiten Satz. Das Allegretto baut sich über Minuten hinweg auf, und vor allem in den ruhigeren ersten 40 Sekunden offenbaren die Edges zahllose Details der Aufnahme. Randnotizen gewissermaßen, die der Darbietung enormes Leben einhauchen: Ein leises Rascheln der Notenblätter, kaum hörbares Räuspern im Publikum, das „Atmen“ des Konzertsaals. Mit geschlossenen Augen wird man körperlich ins Jahr 1976 zurückversetzt, direkt hinein in den Moment der Aufnahme.

Design fällt nicht einfach vom Himmel: Auf dem Rocky Mountain Audio Fest 2017 konnte man die Edges noch in provisorischen Gehäusen sehen. Man Beachte den entblößten  Prototypen des markanten Pegelstellers.

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Dass Cambridge Audio dem Anspruch der High-End-Klasse gerecht werden kann, daran haben wir keinen Augenblick gezweifelt. Schon die Komponenten der 851er-Serie zeigen, wie viel Gespür für Musikalität und ausgewogene tonale Balance sich die Briten erarbeitet haben. Doch die Edge-Kombi bietet viel mehr als das. Technisch ist da vor allem der Streamer herauszuheben, der eine enorme Flexibilität besitzt und mit seinen offenen Übertragungsstandards ungewöhnlich zukunftssicher daherkommt – zumal Cambridge mit der regen Softwarepflege seiner übrigen Netzwerkspieler viel Vertrauen aufgebaut hat. Und um Kratzer im Image eines Herstellers mit exzellentem Preis-Leistungs-Verhältnis sorge ich mich mittlerweile auch nicht mehr: Mit 3000 (Edge W) respektive 4000 Euro (Edge NQ) ist die Kette gemessen an ihrer Leistung geradezu schmeichelhaft budgetiert. Kurz gesagt: Ein durch und durch stimmiges Konzept!

Cambridge Audio Edge Vor- Endverstärker Navigator

 

 

Streaming-Vorstufe Edge NQ

Funktionsprinzip: Vorverstärker mit integriertem Netzwerkspieler und D/A-Wandler
Eingänge digital: 3 x S/PDIF (2 x optisch, max. 24/96; koaxial, max. 24/192), HDMI (max. 24/192), USB Typ B (max. 32/384, DSD256)
Eingänge analog: 1 x symmetrisch (XLR), 2 x unsymmetrisch (Cinch)
Sonstige Quellen: Streamer, 1 x USB Typ A (Sticks und Festplatten), Chromecast (max. 24/192), Airplay (max. 24/44), Bluetooth (aptX-HD) sowie Tidal und Spotify
Ausgänge analog: 2 x Pre-Out (symmetrisch (XLR), unsymmetrisch (Cinch))
Besonderheiten: Fernbedienung, Remote-App „Edge“ (Android, iOS), Farb-Display, WLAN via Dongle, Pegelbegrenzung programmierbar, USB-Medien werden via UPnP im Netzwerk freigegeben
Frequenzgang: 20 Hz–20 kHz
Signal-Rausch-Abstand: 103 dB
Maße (B/H/T): 46/12/41 cm
Gewicht: 10,2 kg
Garantiezeit: 2 Jahre (5 Jahre nach Registrierung)
Preis: 4000 €

 

Endstufe Edge W

Funktionsprinzip: Transistor-Stereoendverstärker
Ausgangsleistung (8/4 Ω): 100/200 W
Frequenzgang: > 80 kHz (+/−1 dB)
Signal-Rausch-Abstand (1 W): 93 dB
Signal-Rausch-Abstand (Vmax): 113 dB
Eingangsempfindlichkeit: 1,09 V
Eingangswiderstand: 47 kΩ
Eingänge analog: 1 x Line symmetrisch (XLR), 1 x Line unsymmetrisch (Cinch)
Maße (B/H/T): 46/15/41 cm
Gewicht: 23,6 kg
Garantiezeit: 2 Jahre (5 Jahre nach Registrierung)
Preis: 3000 €

 

www.cambridgeaudio.com

 

Mitspieler

Datenquelle: Audiodata MusikServer MS II
CD-Player: Ayon CD-3sx
Netzwerkplayer: Lumin D2
Plattenspieler: Clearaudio Innovation mit Universal-Arm, Transrotor Alto, AVM Inspiration 2.3
Phonoentzerrer: Cambridge Audio Duo, Einstein The Phono Amp, Lyric Audio PS10
Endstufe: Audia Flight Strumento No. 4 MK II
Lautsprecher: B&W 702 S2, Wilson Audio Yvette
Kabel: Audioquest, in-akustik, Lehr Audio, Vovox
Zubehör: IsoTek, Solidsteel Racks

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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