Inklang Advanced Line 13.3 im Test

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Inklang Advanced Line 13.3 – Farbenfrohe Stimmungsaufheller

Inklang: Mit Farbakzent und Wohlfühlklang gegen den herbstlichen Blues

Zur Zeit der automobilen Fließband-Revolution durch Henry Ford war es noch einfach, sich für eine Lackierung zu entscheiden: Man durfte sich jede Farbe aussuchen und bekam am Ende eine Tin Lizzy in Schwarz. Die Hamburger Lautsprechermanufaktur Inklang hingegen bietet eine fast grenzenlose Vielfalt an Möglichleiten, die Farbgebung der eigenen Traumlautsprecher zu bestimmen. Sie haben die Wahl unter sieben Trend- und drei Akzentfarben (zu knapp 70 Euro Aufpreis pro Paar). Sollten Partner(in) oder Innenarchitekt nach mehr Auswahl verlangen: Thomas Carstensen und sein Team werden die perfekte Lösung finden – ob Farben aus dem NCS-System oder von Farrow & Ball, selbst individuelle Mischungen sind nach Rücksprache und homöopathischem Aufpreis von rund 120 Euro möglich. Wer eine noch intimere Beziehung zu „seinen“ Lautsprechern aufbauen möchte, erhält gegen einen Obolus von 200 Euro die Möglichkeit, selbst Hand bei der Endmontage anzulegen, Champagner zur Feier der „Geburt“ inklusive.

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Inklang Advanced Line 13.3 Standlautsprecher

Damit man bei all den Optionen den Überblick behält, hilft Inklangs Online-Konfigurator, den optimalen Lautsprecher zu finden. Man beginnt mit der Raumgröße, definiert den gewünschten Standort zu Hause und wählt das Leistungsspektrum des vorhandenen oder geplanten Verstärkers. Mit jeder Angabe wird die Auswahl der infrage kommenden Modelle weiter verfeinert. So vermeidet akustischen Schiffbruch, wer mit dem Gedanken spielt, Dreiwege-Lautsprecher wie das Topmodell 17.5 (www.fidelity-magazin.de) in eine Dachkammer zu quetschen. Ist das passende Modell gefunden, beginnt die Suche nach der optimalen Farbe. Schon die zehn regulären Farben sollten im Regelfall ausreichen, eine stimmige Lösung zu finden. Wer beispielsweise zu herbstlichen Stimmungsschwankungen neigt, platziert seine senfgelben Boxen wie ich vor apfelgrüner Wand. Weitere sinnvolle Optionen wie Frontgitter, die Wahl zwischen Ankopplung per Spikes oder lieber bodenschonenden Standfüßen, hauseigene Lautsprecherkabel und ein Family-Care-Paket machen die Individualisierung perfekt.

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Inklang Advanced Line 13.3 Standlautsprecher

Die Advanced Line 13.3 wurde mit Fast-Vollausstattung von der Redaktion geordert: Akzentfarbe Senfgelb (70 Euro), Referenz-Upgrade der Frequenzweichen (360 Euro), schwarz eloxierte Sockelplatte und Standfüße (alternativ in Alu natur ohne Aufpreis). Macht alles in allem gut 4000 Euro, eine durchaus ernsthafte Summe zwar, doch in Relation zu gebotener Exklusivität, Verarbeitung und Qualität der Bauteile auch eine reizvolle Versuchung – obwohl die Lautsprecher bislang noch keinen Ton von sich gaben. Das wird sich bestimmt gleich ändern, doch das Auge hat davon unabhängig schon mal ein positives Urteil gefällt.

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Inklang Advanced Line 13.3 Standlautsprecher

An der perfekt in fünf Schichten aufgetragenen Lackierung fällt zuerst auf, was hier für ein Fertigungsaufwand betrieben wurde. Je näher man der Box dann kommt, desto mehr Liebe zum Detail wird sichtbar: Sowohl die Chassis als auch die Montageplatte der Lautsprecheranschlüsse sind bündig in die die seidenmatt glänzende Oberfläche versenkt. Eine vertrauensfördernde Standfläche aus Aluminium fügt sich nahtlos an den Gehäusefuß und verleiht der schlanken Box die nötige Bodenständigkeit. Besonders erfreulich sind die reibungslos laufenden Gewinde der Standfüße, dank derer eine aus-balancierte Aufstellung zum Kinderspiel wird. Die Leidenschaft fürs perfekte Produkt zeigt sich in eben solchen Details und vermittelt das schöne Gefühl, etwas von Dauer erworben zu haben.

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Rückseitig finden sich die Trompeten der Bassreflex-Öffnungen und massive Lautsprecheranschlüsse mit genug Klemmkraft selbst für schwere Kabel und massive Stecker. Die doppelte Ausführung der Klemmen erlaubt sämtliche Varianten an kabeltechnischen Experimenten oder den Antrieb mit gleich mehreren Endstufen.
Auch wenn technisch nichts dagegen spricht, sein Geld in meterweise Boxenkabel oder zusätzliche Endverstärker zu stecken, tendiere ich dazu, hier mehr auf Qualität denn Quantität zu setzen. Zwei Kandidaten boten sich geradezu an: Der frisch eingetroffene Trigon Exxceed erwies sich als die luftigere Option, mein „kleiner“ Einstein konnte dafür eine Schippe mehr Wumms ins Fundament packen. Gemessen an den Einstiegspreisen einiger High-End-Hersteller bietet Inklang in puncto Konstruktion und Verarbeitung einen Aufwand, der in Verbindung mit dem hohen Individualisierungsgrad einzigartig ist – da müssen auch die Mitspieler passen. Teuer muss es ja gar nicht sein, aber gut.

Sehr beeindruckend auch der Aufbau der in Relation zur elegant-schlanken Optik unheimlich schweren Gehäuse – fast einen Zentner bringen beide Boxen auf die Waage. Bis zu vier Zentimeter starkes MDF, zusätzlich intern strömungsoptimiert verstrebt, kommt zum Einsatz, um eine anspringende, direkte Wiedergabe zu garantieren. Die Auskleidung mit Schwerfolie unterdrückt effektiv unerwünschtes Mitschwingen, was der Abbildungspräzision sicher förderlich ist. Damit umhervagabundierende Schallenergie keinen mikrofonischen Einfluss auf die mit Mundorf-Bauteilen höchster Qualität bestückte Frequenzweiche nehmen kann, bewohnt sie eine druckresistente Einliegerwohnung im Erdgeschoss des Gehäuses.

Im Fall unserer senfgelben Schmuckstücke übernehmen mit induktionsfreien Supreme-Kondensatoren, vergossenen Widerständen der audiophilen Spitzenklasse sowie Flachdrahtspulen von Mundorf bestückte Frequenzteiler des Referenz-Upgrades (nach redaktionsinterner Meinung eine erstaunlich günstige und somit unverzichtbare Investition in eine nochmals sinnlichere Wiedergabe) die Aufteilung des Signals auf die einzelnen Chassis. Die typische Anordnung dieser Chassis nach Josef A. D’Appolito mindert üblicherweise auftretende frühe Reflektionen von Decke und Boden und sorgt so für die faszinierende Räumlichkeit der 13.3. Ein Hochtöner mit 29-mm-Kalotte übernimmt dabei die zentrale Position, um die sich zwei Tiefmitteltöner mit zierlich wirkenden 15-cm-Membranen gruppieren. Die Chassis mit ihren charakteristischen Magnesiummembranen liefert der skandinavische Spezialist SEAS nach Hamburg zur Endmontage.

Um trotz überschaubarer Membranfläche standesgemäßen Bass liefern zu können, erlauben die Schwingspulen der Tiefmitteltöner extreme Hübe. Der Phaseplug aus Alu ist somit kein schmückendes Beiwerk, sondern wird dringend benötigt, da bei forcierten Pegeln ein Großteil der elektrisch zugeführten Leistung in Reibungshitze verwandelt wird, die schnellstmöglich von den Schwingspulen abgeleitet werden muss. Zwar ermöglicht die 13.3 dank ihres mechanischen Aufbaus und der ausgeklügelten Chassiswahl eine vorbildlich holografische Raumabbildung, benötigt dazu allerdings einen elektrisch stabilen Spielpartner. 40 Watt reichen der 13.3 prinzipiell, Experimente mit etwas kräftigeren Verstärkern zeigen allerdings, dass es gerne auch dreistellige Watt-Leistungen sein dürfen. Wobei auch hier wieder gilt: Qualität vor Quantität! Derart gerüstet zeigt die 13.3 ihr Potenzial in Form eines – in Anbetracht des schlanken Gehäuses fast absurd tief reichenden – mit knackigem Punch gewürzten Tieftonfundaments.

Im Umkehrschluss heißt das allerdings auch: Diese Lautsprecher wollen atmen. Sie brauchen ein wenig Platz. Stehen sie zu nah zur Rückwand oder gar in die Ecke gedrängt, dickt der Grundton etwas auf. Doch wer versteckt solch edle Blickfänger schon in der Ecke? Niemand, besonders ich nicht. Die 13.3 funktioniert auch auf 15 Quadratmetern, wenn man sich nur ein wenig Mühe mit der Raumakustik gibt – dann wird mein Raum aber zum Musikzimmer. Zwei Stunden später ist ein Großteil der Möblierung diffundierenden sowie absorbierenden Elementen gewichen, das Büro zum Möbellager degradiert, der Sweetspot lokalisiert und die Höhe der Rückenlehne auf den Hochtöner justiert. Auf diese Weise optimiert, gelingt der Inklang 13.3 Advanced Line auf Anhieb das Kunststück, den Schlüssel zu Björks musikalischem Kopfkino während der Arbeit an Dancer In The Dark zu finden. Große, weite Hallen voller Lärm wechseln mit beklemmend engen Korridoren. Überall zischt, flirrt, zirpt, stampft, fiept es, ohne dass der Ursprung des Tons erkennbar wird. Die Lautsprecher verschwinden trotz Signalfarbe akustisch vollkommen. Ganz famos gelingt es der Inklang 13.3, verschachtelte Sounds wiederzugeben, ohne diese in den Vordergrund zu stellen, und ein weiträumiges, luftiges Klangpanorama zu entwerfen, das im wunderbar austarierten Grundton genau die richtige Unterstützung findet. Die eigentlich etwas überdimensionierte Standbox funktioniert verblüffend gut in dem kompakten Raum und beeindruckt mit Tiefgang und Präzision zugleich. Selbst hinterhältige Anschläge auf die Schwingspulen wie Yim Hok-Mans „Poem Of Chinese Drum“ von einem grandios produzierten Burmester-Sampler lassen die Inklang völlig kalt. Das Nachschwingen der Felle nach wuchtigen Hieben steht geradezu physisch im Raum, wenngleich die transportierten Raumabmessungen der Realität vor Ort spotten. Der Großmeister der traditionell-chinesischen Percussion lotet das dynamische Spektrum seines Ensembles in voller Breite aus, was mitunter zu kurzen Schrecksekunden während des Genusses führt. Ein herrliches, da nur selten erlebtes Gefühl bei diesem Stück.

Eigentlich ist die verbaute Referenzweiche ja für die Wiedergabe hochauflösender Quellen prädestiniert, was mich im Alltag nicht darin hindert, hin und wieder neue Musik via Youtube zu verfolgen. Ein grandioser Song ist ein grandioser Song, auch mit 128 Kilobit pro Sekunde. Bestes Bespiel: „Days Like This“ der Australierin Genevieve Chadwick. Man sagt, sie könne das musikalische Erbe Janis Joplins und John Lee Hookers in sich vereinen. Die junge Dame malt allein mit Stimme und Gitarre regenbogenfarbene Stimmungsbögen zwischen Folk und Blues, die ein wenig Sonnenschein in trübe Herbsttage bringen. Die roh und direkt klingende Konserve aus dem Netz erzeugt aktuell mehr Gänsehaut als die zuvor gehörte Aufnahme des Norwegian Radio Orchestra als DSD-File, trotz aller Transparenz und Räumlichkeit, welche die Inklang dabei vermitteln. Aber das ist nicht mehr als eine geschmackliche Präferenz – an den generellen Qualitäten der Inklang 13.3 Advanced Line habe ich längst keinen Zweifel mehr.

Inklang Advanced Line 13.3 Standlautsprecher

Man kann Thomas Carstensen nur zu der Entscheidung gratulieren, ein uniformes, mitunter ästhetisch wenig ansprechendes Produkt wie Lautsprecherkisten als hochindividuelle und wohlproportionierte Designobjekte anzubieten. Dank moderner Gestaltung, einer Vielzahl an attraktiven Farben und den sinnvollen Zusatzoptionen könnte das Konzept des Hamburgers die Ästheten unter uns wohl überzeugen – meine Partnerin jedenfalls hat er alleine der Optik und Farben wegen an der Angel. Klangverliebte verfallen hingegen dem leichtfüßigen, drahtigen Grundton, der sich um luftige, doch klar strukturierte Höhen schmiegt. Die Illusion des akustischen Verschwindens der Lautsprecher hinter der Musik gelingt glaubhaft wie selten in meinem Raum.

Inklang Advanced Line 13.3 Standlautsprecher Navigator

 

Standlautsprecher Inklang 13.3 Advanced Line
Funktionsprinzip: 2-Wege-Bassreflex, passiv, D’Appolito-Anordnung
Impedanz: 4 Ω
Empfohlene Verstärkerleistung: ab 40 W
Frequenzbereich: 45 Hz–25 kHz
Ausführung: auf Bestellung, große Farbauswahl aus dem NCS-System oder von Farrow & Ball
Besonderheiten: optionale Referenz-Frequenzweiche, Zusatzausstattung (Spikes, Design-Frontabdeckungen, Family-Care-Paket)
Maße (B/H/T): 26/102/32 cm
Gewicht: 24 kg
Garantiezeit: 5 Jahre
Paarpreis: ab 3600 € (Testversion 4030 €)

 

www.inklang.de

 

Mitspieler:
Plattenspieler: Scheu Cello, Thorens TD 280, Acoustic Solid Vintage
Tonarm: Scheu Classic Mk II, Thorens TP 28, Acoustic Solid WTB 213
Tonabnehmer: MC Scheu S, Clearaudio Jubilee MM und Charisma V2, Ortofon Quintet Red
Phonovorverstärker: Acoustic Solid Phonovorverstärker, Trigon Vanguard III
CD-Player: Marantz CD 17, Marantz CD 62, Marantz CD 50
Vollverstärker: Einstein The Tune, NAD C 390DD, Trigon Exxceed
D/A-Wandler: Audiolab M-DAC Mini
Endverstärker: Lehmann Black Cube Stamp
Lautsprecher: Audio Physik Seemon, Opera Seconda Mk II, ALR Nummer 2
Kabel: German Highend, Audioquest, T+A, Horn Audiophiles, Black & White, Isotek
Zubehör: Sun Leiste, Steinmusic, Millenium Carbon-Matte, bFly-audio, Simply Analog

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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