Phonovorverstärker Trigon Vanguard III

Damals, gegen Ende des letzten Jahrtausends, konnte der Name Vanguard (deutsch: „Vorhut“), nicht treffender gewählt werden. Die Digitalitis grassierte in den HiFi-Studios, und Vinyl war von vorgestern (ein Phonoeingang somit obsolet), als sich die Audioenthusiasten Rainer Reddemann und Ralf Kolmsee zusammenschlossen, um unter dem Firmennamen Trigon gegen den Strom zu schwimmen. Mit dem kleinen, feinen und formidabel klingenden separaten Phonovorverstärker Vanguard entwickelten sie einen Anachronismus, der seiner Zeit damals weit voraus war.

Es ist nicht eindeutig belegt, dass die Urversion des Vanguard allein zum Erhalt analoger Musikkultur beigetragen hat (man munkelt, auch ein japanischer Plattendreher und seine ekstatisch zappelnden Anhänger hatten Anteil daran), doch ging Ende der Neunziger kaum ein Schallplattenspieler (immerhin einer bis zwei pro Monat) ohne Vanguard über den Tresen des HiFi-Studios, in dem ich damals jobbte.

Trigon Vanguard III Phonovorverstärker

Zwanzig Jahre und zwei Evolutionsstufen später steht nun die aktuelle Version des Klassikers vor mir. Mit Alufront samt Glaseinlage orientiert sich die Vanguard III optisch am seit diesem Jahr erhältlichen Vollverstärker Exxceed (wir warten gespannt auf das Testgerät, mehr in einer der nächsten Ausgaben), zu dem sie natürlich perfekt passen soll. Ein neuentwickeltes Layout in Doppelmono-Aufbau verbessert die Kanaltrennung und hochwertige Operationsverstärker ermöglichen eine ebensolche Weiterverarbeitung von MM- und MC-Signalen. Geblieben sind der Vanguard die reichhaltigen Optionen in Bezug auf die Wahl des Tonabnehmers: Ob Impedanz, Kapazität oder der Faktor für die Signalverstärkung, alles lässt sich in feinen Schritten via DIP-Schalter auf der Unterseite an den gewünschten Tonabnehmer anpassen.

Trigon Vanguard III Phonovorverstärker

Ein respektabler Klotz von Netzteil liefert die nötige Spannung, die sicherheitshalber intern direkt nach Ankunft noch einmal stabilisiert wird. Strom und seine Reinheit stehen für Trigon wohl ganz oben auf der Agenda, da seit Mitte des Jahres sogar die Option besteht, die Dreier mit Strom aus einem externen Akku zu versorgen. Vonseiten des Herstellers heißt es, mit Akku-Versorgung gelinge die Wiedergabe feiner Nuancen noch detaillierter, noch transparenter. Wobei ich mich nicht gerade über mangelnden Detailreichtum beklagen kann.

Stellenweise verblüfft mich die Gnadenlosigkeit, die Strenge, mit welcher die Vanguard III komplexe Brachialaufnahmen (Slayer, Wagner, Ministry) auseinanderdividiert und ohne wärmende Füllstoffe an den Rest der Kette weiterreicht. Mit dieser unerbittlichen Ehrlichkeit muss man umzugehen wissen, Schönfärberei gehört nicht zu den Stärken der Trigon. Dafür glänzt sie mit frappierender Raumausleuchtung, die das Geschehen weit aus der Tiefe aufzubauen scheint. Intime Aufnahmen (Glenn Gould, Karin Kroog, Etta James) scheinen erst zu nüchtern, zu reduziert. Wer dem Ohr aber die nötige Zeit lässt, erwacht aus einem Dornröschenschlaf und erkennt in der Reduktion auf das Wesentliche eine selten vernommene Emotionalität. Die Vanguard eignet sich weniger für schöngeistige Gelegenheits-Vinylisten, dafür agiert sie zu ehrlich und zu direkt. Eigenschaften wiederum, die sie für alle interessant macht, die sich die Zeit nehmen, Musik als emotionale Erfahrung in all ihrer Farbenpracht wirken zu lassen. Sowie natürlich für jene, die lieber die Wahrheit hören wollen.

 

Phonovorverstärker Trigon Vanguard III, umfänglich anpassbarer MM/MC-Phonovorverstärker, Preis: 680 €

 

www.trigon-audio.de

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
Abonnieren Sie den Newsletter und erhalten Sie Informationen rund um das FIDELITY Magazin, exklusive Spezialangebote, Gewinnspiele, neue Features sowie Angebote unserer Partner.