Münchener Messen High End und hifideluxe 2019 ANALOG

Die Münchener Messen 2019 – Analog

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Eine Messe der Extreme

Während ich diese Zeilen schreibe, fällt mein Blick auf ein gebrauchtes iPhone 4s, vor wenigen Tagen als billiges Backup-Gerät für ganz wenig Geld erstanden – für jene Fälle, in denen ich mein Xlarge-Smartphone nicht mit mir herumtragen kann oder will. Vergleiche ich die beiden „Wischkastln“, wie sie der Bayer nennt, dann fühle ich mich an die gerade zu Ende gegangene Messe im Münchner M.O.C. erinnert: Hier der mit allem Schnickschnack ausgestattete Elektronik-„Luxusschlitten“, da die sinnvoll abgespeckte Kompakt-Variante, die einen an sich ziemlich ähnlichen Leistungs- und Funktionsumfang bietet. Aber dafür beim Komfort – Stichwort Ablesbarkeit des Displays – gewisse Kompromisse verlangt. Zwei Seiten einer Medaille, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.

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So ähnlich ging es mir, als ich durch die vier Messehallen schlenderte (für FIDELITY-Insider: dieses Mal fast ohne Rückenschmerzen), die darüber liegenden Atrien erkundete und mir außerdem einen Abstecher ins Marriott-Hotel gönnte, wo mit der HiFi deluxe die wohlwollend beäugte und von den High End -Gästen mittlerweile auch sehr gut angenommene Parallelmesse über die Bühne ging.

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Analoges allerorten

Der Auftrag war eindeutig, aber dennoch thematisch äußerst weit gespannt: „Schau‘ Dir an, was es in Sachen Analog Neues gibt.“ Plattenspieler und das gesamte Drumherum, logisch. Aber auch Röhrenverstärker. Und passive Lautsprecher. Und ganz viel anderer Kram. Bei insgesamt deutlich über 500 Ausstellern (wenn man die beiden Messen zusammenfasst) muss man über Vollständigkeit gar nicht erst nachdenken. Was man verpasst hat, erfährt man später per WhatsApp, wenn der Stereofreund, der einem gerade noch im M.O.C. über den Weg gelaufen war, aus dem Marriott das Foto appetitlicher Hornlautsprecher schickt, die einem selber nicht aufgefallen waren.

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Den Hang zu Extremen allerdings hat der Berichterstatter sehr wohl vermerkt. Bei Pro-Ject etwa gibt es als Dreingabe zum riesigen Plattenspieler-Portfolio inklusive Sondermodell im Stil des „White Album“ der Beatles auch noch putzig winzige Elektronik. Zum Beispiel einen schnörkellos designten Phono-Vorverstärker, der in einer Männerfaust fast verschwindet. Daran muss man spätestens dann wieder denken, wenn man vor Dan D‘Agostinos inzwischen um einen Vorverstärker erweiterte Top-Linie steht, die Kindersarg-Dimensionen mit sechsstelligen Preisschildern und einem Design kombiniert, das auch Kapitän Nemo in der „Nautilus“ glücklich gemacht hätte. Immerhin klingen diese Titanen auch sehr ordentlich, wenngleich ihr „Wife Acceptance Factor“ sich wohl in Grenzen hält.

Gigantomanie vs. Zwergformat

Auch anderswo findet man Giganten: Bei Kuzma etwa steht ein faszinierendes, schon aufs erste Hinschauen überaus aufwendig gemachtes Masselaufwerk, neben dem der Vollholz-Plattendreher, in den man sich gerade verschaut hat, wie ein Zwerg wirkt.

Computer-Audio wird mehr denn je zum Thema. Und deshalb hat so mancher Hersteller mittlerweile Böxchen im Angebot, die locker auf den Schreibtisch neben den Bildschirm passen und dennoch erwachsen klingen. Solche wie die aktive KEF LSX, die äußerlich einer Mini-Version der bekannten KEF LS50 gleicht und ihre Verstärker praktischer Weise ebenso mitbringt, wie Streaming-Fähigkeiten. Huch, jetzt habe ich doch ganz ungewollt im Digital-Terrain meines Kollegen Roland Schmenner gewildert. Was einem gerade bei einem Allround-Hersteller wie KEF schnell passieren kann, denn die Welten von Analog und Digital verschmelzen gerade schneller als gedacht. Vielversprechend erscheint auf jeden Fall die völlig neue R-Serie, die mit ihren Vorgängermodellen nurmehr den Namen gemeinsam hat. Das FIDELITY-Team freut sich schon auf den Test dieser durch ihren koaxialen Mittel-Hochtöner und die D‘Apollito-Anordnung der Chassis sofort erkennbaren Standlautsprecher.

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Pfiffige “Endabschaltung”

Feiner Klang wird auch bei Dynaudio zelebriert. Die Dänen waren zwar nie im Billig-Segment unterwegs, dennoch fällt – übrigens nicht nur bei ihnen – ein deutlicher Preisruck nach oben auf. Die Zeit der Schnäppchen scheint sich dem Ende zuzuneigen.

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Dafür haben clevere technische Lösungen weiter Konjunktur. Neu im Vertrieb von Harald Pensel (MuSiCa NoVa) ist ein Platten-Beschwerungsgewicht, das in Polen erdacht wurde und nicht nur unerwünschte Vibrationen der Vinylscheibe dämpft, sondern zugleich den Tonabnehmer am Plattenende zuverlässig aus der Rille hebt. Nicht einmal 300 Euro soll dieses höchst sinnvolle Zubehör kosten.

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Spitzenklang bei Audio Note UK

Auch Recht. Bleibt mehr für die Primärgeräte übrig. Zum Beispiel für die formidable Röhren-Elektronik von Audio Note UK, die im Marriott-Hotel alle jene widerlegte, die umfunktionierten Hotelzimmern die Fähigkeit absprechen, guten Klang zu beherbergen. Die Kette der Briten, die gemeinsam mit dem deutschen Vertrieb Fair Audio Trade von Stefan Wörmer präsentiert wurde, musizierte einfach mitreißend und nahm uns für längere Zeit in Beschlag. Am spektakulärsten auch in diesem Jahr das Solo des kanadischen Cellisten Vincent Bélanger, der die großen Audio-Note-Kette dazu nutzte, mit sich selbst im Duo zu spielen. Die minimalen Klangunterschiede zwischen Original und Konserve sprechen für das überlegene Niveau der britischen Kette.

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Durchweg gute Vorführungen

Überhaupt klang es in den Vorführungen im Durchschnitt deutlich besser als im vergangenen Jahr. Bei Audia Flight (im Vertrieb von Sieveking Sound) ist der CD-Player inzwischen fertig und tönte sehr ansprechend. Auf seinen SACD-Bruder muss man gleichwohl weiter warten, weil der einen brandneuen DAC bekommen und damit viel besser klingen soll als die ursprünglich geplante Version.

Was ist das nur? Ich schweife ständig ab in die Welt der Nullen und Einsen. Liegt vielleicht daran, dass das Analog-Angebot inzwischen schier unüberschaubar scheint. Allein die Zahl der bei Transrotor ausgestellten, allesamt höchst appetitlichen Modelle übersteigt mein Merkvermögen, obwohl sich an der klaren Struktur des Räke-Programms mancher andere Hersteller eine Scheibe abschneiden könnte. Zurück bei Sieveking entdecke ich Thomas Woschnicks reizvoll rabenschwarze Laufwerke, die passenderweise auf den Namen Raven hören und vor allem im Bass ihrer Farbe alle Ehre machen.

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Aussergewöhlich spannend war es bei Live Act Audio, die eine analoge Raumkorrektur gezeigt, aber leider noch nicht vorgeführt haben. Laut Auskunft sollen sich damit eine Vielzahl von raumbedingten akustischen Problemen lösen lassen – und das alles im rein analogen Umfeld und ganz ohne Zuhilfenahme eines DSP.

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Ebenfalls bei Live Act Audio erspähten wir die wohl derzeit fortschrittlichste, vor allem aber leiseste Plattenwaschmaschine überhaupt. Eine Ultraschallwaschmaschine von Breu, die auch mit Flüssigkeit, und oder Bürste in beliebigen Kombinationen dem Staub in der Rille den Garaus macht. Getrocknet wird nicht durch absaugen, was diese Maschinen immer mehr oder weniger laut werden lässt, sondern durch simple Rotation. Die gereinigte Platte wird “einfach” auf eine ordentliche Drehzahl gebracht und dadurch die Restfeucht weggeschleudert. Der Clou: Zum Reinigen fahrt die Platte von oben mit einem Lift in die Maschine hinein – und am Ende des Waschvorganges natürlich auch wieder raus.

Das Thema Tonbandgeräte scheint sich zumindest gefühlt wieder etwas weiter in den Hintergrund zu bewegen. Natürlich gab es Vorführungen, bei denen eine Tonbandmaschine als Quelle fungierte, jedoch erschien es weniger als in den Jahren zuvor. Bis auf derzeit zwei Ausnahmen ist dieses Thema eher ein Vintage-Thema. Die zwei Ausnahmen sind: Ballfinger und neuerdings auch Thorens, die in einer Kooperation mit Ballfinger eine eigene Maschine an den Start gebracht haben.

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Neben der Bandmaschin hatte Thores noch einen weiteren Knüller im Gepäck: Die Neuauflage des Klassikers TD 124. Der Neue hört auf den Namen TD 124 DD, wobei DD für Direct Drive, also Direktantrieb steht, einer Antriebsvariante des Plattentellers, die man wohl eher im japanischen Umfeld vermutet hätte. Der TD 124 war eine Vorab-Ankündigung, denn den Liefertermin wollte man nicht verbindlich sagen.

Schön und wie immer “laid back” war die Präsentation von Silbatone aus Südkorea. Michael Chung hat eine große Western Electric Installation auf die Reise um die halbe Welt nach München geschickt, die am ersten Tag, sagen wir historisch, klang. An den darauffolgenden Tage aber zu verblüffender Höchstform auflief. Angetrieben wurde das Sytem von einem Röhrenfrontend seiner Marke Silbatone, das mit teilweise rund 100 Jahre alten Röhren bestückt war.

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Offen und ehrlich

Einstein Audio hatte wie immer zwei Räume plus Vorraum. Heuer haben sie den Vorraum genutzt um geöffnete und teilzerlegte Geräte zu zeigen und dabei Rede und Antwort zu allen Fragen zu stehen. Dabei könnte man sehr viel über die Philosophie der Geräte und den teils aberwitzigen Aufwand erfahren. Ein vorbildliches Beispiel für echte Transparenz.

Zu guter Letzt …

…erspähten wir einen Nagelneue Röhrenmonoblock von Air Tight und noch größere Röhrenmonos von MFE namens “Jericho”, einem Namen, der Erwartungen weckt. Nur aus dem Augenwinkel (weil gar nicht vorgeführt) sahen wir einen neuen Phono-Entzerrer von Genuin und freuten uns über feine, neue Röhreprtiosen von AcousticPlan.

Technologiepreis

Der Technologiepreis der Messe geht in diesem Jahr eindeutig an WBT. Im Rahmen einer Pressekonferent hat der Innhaber von WBT, Herr Wolgang B. Thörner , ein völlig neues Veredelungsverfahren seiner nextgen Steckverbinder bekannt gegeben. Anstatt eines galvanischen Prozesses mit all seinen unvermeidbaren unzulänglichkeiten wie verunreinigungen und auch Umweltaspekten, werden die nextgen Produkte ab sofort im PVD-Plasma-Verfahren gefertigt. WBT nennt es “WBT-Plasma-Protekct”. Anders als bei der Galvanik, bei der auf molekularer Ebene gearbeitet wird, wird im PVD-Plasma-Verfahren auf atomarer Ebene gearbeitet. Die dadurch entstehende Schicht ist deutlich weniger verunreinigt und bildet von sich aus eine kristalline Stuktur. Sie ist abriebfester und auch inniger mit der Trägerschicht verbunden. Wir hatten auf der Messe das Glück mit einem Anwender der neuen Technologie zu sprechen, der vor allem die klanglichen Vorzüge lobte. Wir bleiben selbstverständlich an diesem Thema dran.

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Was noch:

Luftig klingende Röhrenverstärker von Rike, stimmige Ketten bei Fein Audio und am Ende die Erkenntnis, dass Analog noch lange nicht tot ist. Wovon auch der auf zwei im 45er Tempo rotierende Longplayer kündet, auf dem die Remastering-Zampanos von MFSL Miles Davis‘ „Kind of Blue“ umgeschnitten haben. Extrem speziell. Und extrem gut…

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Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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