Neat Acoustics Ultimatum XLS

Neat Acoustics Ultimatum XLS im Test

English
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Neat for Speed!

Neat, diese Kompakte hat’s in sich. Sie kommt mit zwei hintereinander geschalteten Basstreibern und zwei Superhochtönern an der Oberseite. Das Resultat: Vollständiger als die Neat Acoustics Ultimatum XLS kann ein Lautsprecher dieser Baugröße kaum tönen.

Manchen Testobjekten schaut der HiFi-Redakteur mit besonderer Freude entgegen: Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Probanden durch konzeptionelle Besonderheiten neugierig machen oder wenn es sich um „alte Bekannte“ handelt – vulgo Komponenten, deren Stallgeruch einem vertraut ist. Bei der XLS trifft beides zu: Zum einen war ich viele Jahre lang glücklicher Besitzer des Neat-Acoustic-Standlautsprechers Momentum 4i und hatte auch mal einige Wochen lang das Vergnügen mit der kleineren Schwester Motive SE2, zum anderen ist das hier und heute beschriebene Modell konzeptionell wirklich abgefahren.

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Neat Acoustics Ultimatum XLS

Entwickler Bob Surgeoner strebt mit der Neat Ultimatum XLS nicht weniger als die Quadratur des Kreises an:Entwicklungsziel war ein Lautsprecher mit kompakten Abmaßen, der aber trotzdem wie eine erwachsene Standbox klingt. Um das zu erreichen, hat Surgeoner mit beiden Armen tief in die Trickkiste gelangt: Wer unbefangen vor diesen edlen, ausgezeichnet verarbeiteten Böxchen sitzt, der glaubt, Zweiwege-Lautsprecher mit einem Tiefmitteltöner und einem Hochtöner vor sich zu haben. Pustekuchen: Pro Box spielen gleich fünf Treiber in einem Dreiwege-System mit recht abgefahrenen Übergangsfrequenzen auf.

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In Reih und Glied

Um den Tiefmitteltonbereich kümmern sich zwei Siebenzöller mit Phaseplug, die jedoch nicht neben- oder übereinander platziert wurden, sondern hintereinander; eine Anordnung, die man auch Compound- oder Isobarik-Anordnung nennt und die man bei Lautsprechern von Neat Acoustics häufiger antrifft, gerne in Verbindung mit Downfiring, also der Abstrahlung nach unten. Der Vorteil dieses Konzepts: Auf diese Weise entsteht durch zwei Treiber gewissermaßen ein virtueller mit doppelter Membrangröße bzw. doppeltem Antrieb, was zu einem angesichts der Baugröße erstaunlich potenten und tief hinabreichenden Bass führt (allerdings häufig auch zu einem eher bescheidenen Wirkungsgrad). Ein bei 3500 Hertz per Hochpass zweiter Ordnung angekoppelter 26-mm-Kalottenhochtöner übernimmt die hohen Frequenzen – aber wiederum nicht die allerhöchsten, denn nun kommt der nächste Kniff aus Bob Surgeoners Trickkiste: Auf der Oberseite der Lautsprecher finden wir gleich zwei EMIT-Hochtöner, die ab 13 kHz sanft mit einem Filter erster Ordnung angekoppelt werden. Was soll denn das nun wieder?

Neat Acoustics Ultimatum XLS

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Nun, gerade im Superhochtonbereich passieren aus psychoakustischer Sicht interessante Dinge, auch wenn wir sie nicht immer bewusst hören. Wenn es beispielsweise um „gefühlte“ Transparenz und Luftigkeit des Klangbildes geht, aber auch die räumliche Orientierung und Breiten- wie Tiefenstaffelung, dann liefert der Superhochtonbereich dem menschlichen Gehör häufig wichtige Detailinformationen. Hinzu kommt, dass der Lautsprecher durch die Platzierung der EMIT-Hochtöner an der Oberseite akustisch größer wirkt. Die Box strahlt den Schall eben nicht nur nach vorne und hinten (Bassreflexöffnung), sondern auch nach oben ab. Nun ist das Anwenden diverser Tricks immer auch ein bisschen gefährlich: Wenn man den „Pfad der Tugend“ und damit die ausgelatschten Wege verlässt, geht man möglicherweise das eine oder andere Risiko ein. So muss man eine isobarische Bass-Anordnung erst einmal mechanisch beherrschen, damit die Lautsprecher positiv zusammenwirken und sich nicht gegenseitig ihre Fehler aufaddieren. Der oben liegende Suprahochtöner will akustisch so gebändigt sein, dass nichts aus dem Ruder läuft. Ist das Surgeoner gelungen? Hören wir mal rein.

These und Antithese

Als Vergleichsobjekt zur Neat Acoustics XLS habe ich mein treues Arbeitspferd Harbeth 30.1 herangezogen. Das erscheint mir einigermaßen stimmig, denn bei beiden Modellen handelt es sich um mittelgroße Kompaktlautsprecher mit einem Volumen zwischen 31 und 36 Litern und einem ähnlichen Gewichtskaliber. Preislich hingegen lugt die Neat mit einem Paarpreis von rund 6500 Euro dann doch in merklich höhere Gefilde als die Harbeth, die in der aktuellen Inkarnation für etwa 3550 Euro erhältlich ist. Wie auch immer: Direkt nach dem Umkabeln von der Harbeth auf die Neat musste ich erst mal grinsen: Was für ein Unterschied!

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Neat Acoustics Ultimatum XLS

Im Grunde ist die XLS ein klanglicher Gegenentwurf zur Harbeth 30.1, ja vielleicht sogar zur gesamten in Fachkreisen als „britisch“ bezeichneten Klangwelt, die sich ja aus feinzeichnenden Mitten heraus aufbaut und an den Frequenzgangenden vornehm verrundet. Mal etwas deutlicher: Was die XLS an Bass raushaut, ist einfach unglaublich. Hier machen Tracks mit Subbass richtig Spaß, ganz gleich, ob es sich dabei um elektronisches Discogeblubber (Inner Sanctum, Pet Shop Boys) oder von Hand eingespielte Musik („The Cedars of Lebanon“, U2) handelt. Dieser Bass ist substanziell, schnell, knackig, bringt allerdings auch ein kleines Oberbasshöckerchen mit. Eigentlich mag ich das nicht so gerne, aber in diesem Fall könnte ich eine Ausnahme machen, denn diese leichte Oberbassbetonung bewirkt eine Art Loudness-Effekt: Wer einen etwas kleineren Hörraum hat und/oder generell lieber etwas leiser Musik hört, der hat mit der Neat Acoustics XLS einen Lautsprecher, der herrlich vollständig tönt – und zwar schon bei Flüsterlautstärke.

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Die Neat Acoustics Ultimatum XLS bringt Live-Musik ins Wohnzimmer

Das gilt – Sie ahnen es schon – natürlich auch für das andere Ende des Frequenzschriebs: Der Suprahochton ist ein echter Gewinn. Er lässt den Lautsprecher nicht nur größer erscheinen, als er ist, er bringt auch das entscheidende Quäntchen Goldstaub, das insbesondere hochfrequente Schallquellen wie Becken, Shaker, Snaredrum mit einer stupenden Feinauflösung ans Ohr liefert, aber auch entscheidende Rauminformationen übermittelt. So lädt dieser Lautsprecher nicht nur, wie man meinen könnte, zu Rock, Pop, Jazz und Indie ein, sondern explizit zu klassischer Musik. Was hier neben der eigentlichen Musik noch rübergebracht wird, ist beachtlich: kleiner Raum, großer Raum, bedämpft oder nachhallend – alles das bekommt der Zuhörer mit, er rückt damit nah ans echte Live-Erlebnis.

Und mittendrin? Nun, die gute Nachricht ist, dass sich das Mittenband gut an den Tief- und Hochtonbereich ankoppelt. Das tonale Gesamtbild der Neat XLS ist kohärent und geschlossen, wenngleich man schon zugeben muss, dass die Harbeth 30.1 das Mittenband insgesamt noch einmal feiner auflöst als die Neat und an dieser Stelle mit einem gefühlt schnurgeraden Frequenzganz aufwartet, der zum Bass- und Hochtonbereich sanft auszublenden scheint. Streicher, Bläser, Klavier, akustische Gitarren wirken insgesamt über die Harbeth noch einen Tick runder, geschlossener, ruhiger als über die Neat. Im Gegenzug kann die 30.1 aber weder im Bass- noch im Hochtonbereich mit einer vergleichbaren Auflösung und Durchzeichnung aufwarten. Ganz ehrlich: Nachdem ich die Neat wieder abgekabelt und zurückgeschickte hatte, habe ich einige Tage lang mit meiner geliebten Harbeth gefremdelt, die XLS war schon eine reizvolle Affäre …

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Ehrlich und doch langzeittauglich

Wer jetzt denkt, die Neat sei eine auf Effekt getrimmte Box, der Langzeittauglichkeit abgeht, liegt damit definitiv falsch. Die XLS ist eine ausgesprochen klug konzipierte Box, die – im richtigen Arbeitsumfeld – einen absolut fantastischen Job macht und großen Hörgenuss liefert, ohne im Raum dick aufzutragen. Die ideale Umgebung sind die „gute Stube“ oder der „arrivierte Hörraum“, in dem es darum geht, bei vernünftigen Lautstärken (von sehr leise bis merklich über Zimmerlautstärke, aber keine Partypegel) eine möglichst komplette, exquisit aufgelöste und faszinierende Musikdarbietung zu erleben, die involviert, Livegefühl vermittelt und nichts vermissen lässt. Wenn das Ihre Ansprüche sind, dann können Sie diesen Lautsprecher im Grunde blind kaufen. Tolles Ding!

Techik: Was ist ein EMIT-Hochtöner?

Das Akronym EMIT steht für „Electro Magnetic Induction Tweeter“. Es handelt sich dabei um Magnetostaten, bei denen die Membran aus einer ultraleichten, planen Folie besteht. Vorteile dieses Konzepts sind ultrakurze Ein- und Ausschwingzeiten und eine daraus resultierende schnelle Impulsantwort.

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Neat Acoustics Ultimatum XLS

 

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Info: Neat Acoustics Ultimatum XLS

Konzept: Kompaktlautsprecher Funktionsprinzip: geschlossener 3-Wege-Kompaktlautsprecher mit isobarischem Bass und Superhochtöner
Impedanz: 6 Ω, minimal 4 Ω
Wirkungsgrad: 88 dB/W/m
Belastbarkeit: max. 200 W
Frequenzgang: 25 Hz–40 kHz
Maße (B/H/T): 38/22/37 cm
Gewicht: 15 kg
Paarpreis: 6498 €
Garantiezeit: 5 Jahre

Kontakt

Bellevue Audio GmbH
Kessebürener Weg 6
59423 Unna
Telefon +49 2303 3050178
www.bellevueaudio.de

Mitspieler

CD-Player/DAC: C.E.C. CD5
DAC: Vincent DAC-7
Plattenspieler: Rega Planar 3 mit Rega Exact
Phonovorverstärker: Pro-Ject Phonobox MM
Vorverstärker: Abacus Preamp 14
Röhrenvorverstärker: Audreal XA-3200MK2
Vollverstärker: Hegel H90
Röhrenendverstärker: Walter Elektronik PP
Röhren-Endverstärker: Audreal MS-3
Endverstärker: Valvet E2
Standlautsprecher: Audres Maestro 116
Kompaktlautsprecher: Harbeth 30.2, Quadral Phonologue Rondo
Kabel: Audioquest Evergreen, Oehlbach XXL, Ortofon SPK 500, Real Cable OFC400

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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