Dynavox VR-400 – Hybrid-Vollverstärker mit Charakter

Erwartet hatte ich mit dem Dynavox VR-400 ein Gadget, einen HiFi-Spaß, der für mehr Gesprächsstoff als Musikgenuss sorgen würde, bekommen aber habe ich einen fleißigen und praktischen kleinen Arbeiter, eine Ameise im Blaumann

In HighEnd-Kreisen spielt Dynavox keine nennenswerte Rolle, aber nur eine Stufe darunter, dort wo Kunden vernünftig entscheiden, bei Selbstbauern, Kleingastronomen und Heimanwendern mit schmalem Budget, ist der Hersteller quasi ein Synonym für gut und günstig. Dass es der nur knapp 25 Zentimeter breite Vollverstärker Dynavox VR-400 mit Röhreneingangsstufe und integriertem Bluetooth-Empfänger hier in den geschützten Bereich des Internets, der den wahren Werten vorbehalten ist, geschafft hat, liegt in erster Linie an seinem außergewöhnlich schnuckligen Design mit runden Kanten, knuffigen Potis und blau beleuchteten Röhren. Machen wir uns nichts vor, auch wir Autoren unterliegen der Verführungskraft schöner Dinge. Nach einem erfolgreichen Funktionscheck könnte dieser Test also sehr kurz werden, denn welches Argument gäbe es wohl gegen einen hübschen Verstärker für den Schreibtisch, der für nur 200 Euro auch noch ein unverzerrtes Signal ausgibt? – Eben.

Dynavox VR-400 Hybrid-Amplifier

Aber genau dieser Funktionscheck hat mich dann hellhörig werden lassen: Ganz schön forsch, der Kleine! Ich hatte mich auf einen etwas weichen, tendenziell sanften Class-D-Sound eingestellt, aber der Dynavox VR-400 verfügt über eine klassische Transistorendstufe, die man ihm bezüglich Durchzug auch im positiven Sinne anhört. An meinen Opera Seconds schlägt sich der kleine Racker trotz seiner nominell nur zweimal 25 Watt sehr respektabel – wobei das, wie sich noch zeigen wird, alles andere als eine optimale Paarung darstellt.

Bluetooth und ein “halber USB-DAC”

Lassen Sie mich kurz die Basics erledigen, damit das vom Tisch ist: Es handelt sich beim VR-400 in der Tat um ein Hybrid-Design, auch wenn die Röhreneingangsstufe eher ein Soundanreicherungsmodul denn eine echte Vorstufe ist – egal, sie verströmt Röhren-Flair, optisch wie klanglich. Auf der Rückseite warten zwei Line-Eingänge auf Hochpegelquellen und ein Cinch-Ausgang erlaubt den Anschluss eines aktiven Subwoofers. Außerdem muss man den 3,5-mm-Kopfhörerausgang betonen, sonst findet ihn nämlich niemand – Spaß beiseite, toll, dass die Buchse vorhanden ist, an die etwas unpraktische Lage am Heck gewöhnt man sich mit der Zeit. Stabile Polklemmen und die wegen des Alugehäuses unvermeidliche Bluetooth-Antenne komplettieren das rückwärtige Anschlussfeld, das wie der gesamte Gehäuseaufbau einen wirklich hochwertigen Eindruck hinterlässt.

Dynavox VR-400 Hybrid-Amplifier

Die Front des Dynavox VR-400 zeigt sich schlicht und schnörkellos, auf der Oberseite finden sich neben dem Netztrafo im schmucken Alutopf zwei Potis für Lautstärke und Quellenwahl. Direkt davor nimmt ein USB-Eingang Speichersticks auf, durch deren Inhalt man mit kleinen Tastern navigieren kann. Das ist nur solange unpraktisch, bis ein Besucher einen USB-Stick mitbringt und der Laptop keine Verbindung zum DAC aufbauen kann, das Dateiformat nicht verstehen will oder die Software aus unerfindlichen Gründen die eingebauten Lautsprecher des Klapprechners als einzigen Weg nach draußen akzeptiert. Im Klartext: Ja, ein echter USB-DAC stünde dem VR-400 gut zu Gesicht, aber immerhin schafft er, woran viele User scheitern: den Inhalt eines Speichersticks verlässlich zu Gehör zu bringen.

Der Dynavox VR-400 beherrscht alles von Klassik bis Techno

In der Frage, ob dieser USB-Anschluss weitgehend nutzlos oder doch ganz praktisch ist, bin ich noch unschlüssig, als ich die kleine Blackbox mit den hocheffizienten Thivan Eros 9 verbandle. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, würde ich einen 200-Euro-Verstärker mit USB-Wandler vermutlich gar nicht beachten, weil ich den verwendeten Bauteilen nicht vertrauen würde. Ein externer Wandler wie mein M-DAC mini von Audiolab ist in diesem Fall sicher der bessere Zuspieler. Diverse Moritaten von Georg Kreisler klingen via Laptop und M-DAC dann auch deutlich luftiger und irgendwie noch hintersinniger als direkt von einem USB-Stick – bei identischen Files wohlgemerkt. Als echte Herausforderung bekommen Dynavox und die hornbestückte Thivan dann Rave-Sound aus den Neunzigern mit harten Techno-Beats.

Anders als an den Opera gerät der kleine Dynavox an den hervorragenden Futterverwertern aus Vietnam nie an seine Grenzen, selbst wenn die Bassschläge zum trommelfeuerartigen Stakkato anschwellen, behält er noch die Übersicht und kann der elektronischen Melodie folgen. Diese Vorstellung ist mehr als erstaunlich, natürlich fehlt es hier und da an Macht, Tiefe und Feinauflösung, aber schließlich geht es auch nicht um einen 20-Kilo-Boliden, sondern um ein Zwei-Kilo-Fliegengewicht, das an sehr hochwertigen und äußerst detailreich analysierenden Schallwandlern gerade meine Bude auf links dreht. Ohne Zweifel, das kann man machen, auch wenn der VR-400 bestimmt nicht für High-End-Lautsprecher konstruiert wurde.

In kleinen Räumen fühlt er sich wohler

Sein eigentliches Revier ist nicht die große Manege, sondern die kleine Nebenbühne, der Schreibtisch, die Zweitanlage im Schlafzimmer oder Feriendomizil, die Studentenbude oder das Jugendzimmer. In meinem Schlafzimmer stehen seit einigen Wochen betörende Vier-Zoll-Breitbänder in niedlichen und sehr stilvollen Bassreflex-Gehäusen. Sie tragen keinen Markennamen, sondern wurden von einem Kollegen entworfen, der ein ziemlich glückliches Händchen in der Feinabstimmung bewiesen hat. Im Vergleich zu dieser Paarung sollte jedes kompakte oder universelle Musikabspielgerät, das ich in den letzten Jahren erkundet habe, tief und still in sich gehen und sich ernsthaft fragen, was es falsch macht.

Dynavox VR-400 Hybrid-Amplifier

Trotz ihres geringen Wirkungsgrades lässt der Dynavox VR-400 die winzigen Full-Range-Böxchen fliegen wie zwei bunte Drachen im Herbstwind. Die räumliche Darstellung, eine der herausragenden Spezialitäten dieser Lautsprecher, im Sweetspot auf etwa zwei Metern Entfernung gerät absolut glaubwürdig und homogen. Ich kann mich ebenso einfach in den utopischen Soundcollagen des neuen Beirut-Albums Gallipoli verlieren wie auch die unglaubliche Intensität und Spannung von Before The Flood, dem bekannten Live-Album von Dylan & The Band, sozusagen dokumentarisch nacherleb- und nachvollziehbar wird.

Wirkungsgrad ist nicht alles!

Einmal mehr zeigt sich in der Paarung mit den unkritischen Breitbändern, dass Wirkungsgrad eben doch nicht alles ist. Das Verhältnis von Laststabilität des Verstärkers und Impedanz des Lautsprechers entscheidet mindestens zu gleichen Teilen darüber, ob ein Lautsprecher-Verstärker-Gespann nur technisch funktioniert oder ob es so audiophil klingt wie in diesem Fall. Leider ist dieser Zusammenhang offenbar schwierig zu vermitteln, denn meistens wird er sträflich vernachlässigt.

Jedenfalls hat mir der süße VR-400 an genau diesen simplen und puristischen Lautsprechern eindrucksvoll verdeutlicht, wie wenig es letztlich braucht, um zufrieden Musik zu hören. Geldmangel allein gilt ab sofort nicht mehr als Ausrede für eine mau klingende Anlage, denn mit dem Dynavox VR-400 gibt es eine für jeden erschwingliche Basis dafür. Darüber, dass ich Ihnen die Lautsprecher nicht ans Herz legen kann, weil sie nicht auf dem freien Markt erhältlich sind, bin ich untröstlich, aber es wäre doch gelacht, wenn kommerzielle Anbieter nicht Ebenbürtiges für kleine Münze anbieten könnten. Machen Sie sich doch einfach selbst auf die Suche nach Ihrem persönlichen Geheimtipp. Nach dem zweiten Geheimtipp genaugenommen, denn der VR-400 muss nun unbedingt als solcher gelten.

Hybrid-Vollverstärker Dynavox VR-400

Leistung: 2 x 25 Watt (4 Ohm)
Frequenzgang: 20 Hz–20 kHz
Analoge Eingänge: 2 x Line (Cinch)
Digitale Eingänge: USB Typ A (für Speichersticks)
Ausgänge: LS-Polklemmen, 3,5-mm-Klinkenbuchse, Line mono (Cinch)
Röhren-Typ: 6F2
Bluetooth-Version: 4.2
Maße (B/T/H): 235/155/100 mm
Gewicht: 2 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: 199 Euro

 

www.sintron.de

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