Burmester B18 Standlautsprecher

Burmester B18 Standlautsprecher im Test

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Burmester B18 – Durchtrainierte Schönheit mit allerbesten Manieren

Kennen Sie Schallwandler, bei denen einfach alles passt – und das auf Anhieb? Die angenehm wohnraumkompatible, weil ungemein schlanke Burmester-Standbox B18 ist ein solcher Glücksfall. Und sie hat so ausgezeichnete musikalische Manieren, dass sie das Zeug zur Langzeit-Partnerin hat.

Burmester B18 Standlautsprecher

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Wäre im FIDELITY-Hörraum ein Vorhang, ich hätte dahinter nachgeschaut, ob sich hier nicht irgendwelche Lautsprecher-Boliden verbergen. Denn die Burmester B18 klingt so voluminös, so weiträumig, so erwachsen wie ganz wenige Boxen ihrer Größenklasse. Obwohl oder gerade weil sie auf exotische Bauprinzipien und fragwürdige Akustik-Tricks verzichtet und einfach „nur“ ein sehr sorgsam abgestimmtes, liebevoll detailoptimiertes Stück Ingenieurskunst verkörpert. In dem sich freilich mehrere Jahrzehnte Erfahrung im Lautsprecherbau manifestieren.

Die Burmester B18 ist ein grandios klingendes Beispiel dafür, was evolutionäre Entwicklung ausmachen kann. Tief- und Tiefmitteltöner des Zweieinhalbwege-Bassreflex-Systems basieren auf dem längst legendären B10-Treiber, der in der Vergangenheit Grundlage einiger sehr bemerkenswerter Lautsprecher aus dem Hause Burmester war.

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Dass diese penibelst verarbeitete Box nur knapp über einen Meter hoch, gerade einmal so breit wie ein DIN-A4-Bogen und mit knapp 40 Zentimetern auch nicht übermäßig tief ist, lässt sich aus dem puren Höreindruck beim besten Willen nicht ableiten. Der Science-Fiction-Fan fühlt sich an die mit einem Tarnmechanismus ausgerüstete „Tardis“ des britischen Sci-Fi-Serienhelden Doctor Who erinnert, die von außen wie eine alte blaue Polizei-Telefonzelle aussieht – und innen ein weitläufiges Raumschiff beziehungsweise eine Zeitmaschine ist, in der viele Menschen, ganz viel Ausrüstung und sogar ein Swimmingpool Platz finden.

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Aus der Burmester fließt freilich kein Wasser, aber dafür umso mehr Musik in springquellhafter Klarheit und Frische. Sauberkeit war hier hörbar oberstes Gebot, die Zahl der Maßnahmen zur Eliminierung von Resonanzen ist in diesem so unspektakulär aussehenden Schallwandler Legion. Ein Indiz dafür ist das supersatte „Tock“, mit dem die B18 Klopfversuche gegen die edel hochglanzlackierten Seitenwände quittiert. Dass der Bassreflex-Abteilung ein eigenes Gehäuseabteil spendiert wurde, darf ebenfalls in die Kategorie „Ausschaltung unerwünschter Störungen“ eingeordnet werden. Selbst die Klemmen für die Kabel sind Knebel-Konstruktionen der supersoliden Sorte, die ganz gewiss keine Anfälligkeit für Mikrofonie-Effekte oder Trittschall zeigen. Die komplexe Weiche, die dahinter liegt, wurde ebenfalls gut geschützt in einer eigenen Gehäusekammer untergebracht.

Weit oben auf der Prioritätenliste der Entwicklungsabteilung des Berliner Vollsortimenters waren Transparenz und Auflösung. Deshalb kommt im Hochtonbereich ein von Burmester selbst entwickelter und exklusiv für die Berliner Manufaktur gebauter Ringstrahler zum Einsatz.

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Beste Voraussetzungen mithin, dass man mit diesem Lautsprecher in geeignete Aufnahmen ganz tief hineinschauen kann. Nicht vorbereitet war ich auf die homogene Verschmelzung von gigantischer Detailfülle, tonaler Wärme und stabilem Bassfundament, das bei der Burmester B18 ebenso fein durchgezeichnet erscheint wie der Rest des Frequenzspektrums.

Was auf einer Aufnahme, egal ob analog oder digital, gespeichert ist, vermag die Burmester B18 nicht nur facettenreich und filigran bis in die Gehörgänge zu transportieren, sie verliert auch den emotionalen Gehalt nicht aus dem Fokus. Manche Boxen klingen, als hätten sie sich aus dem Tonstudio ins Wohnzimmer verirrt, gefallen sich als hyperanalytische Werkzeuge, denen keine Nachlässigkeit, kein Fehler bei der Aufnahme, keine noch so marginale Schlamperei entgeht. Gut zu hören ist mit solchen Akustik-Lupen in etwa ein Tausendstel meiner Sammlung – der große Rest mit Stücken aller Genres, die mir im Lauf der Jahrzehnte ans Herz gewachsen sind, überschreitet schnell die Unerträglichkeitsschwelle. Die Burmester B18 vertritt eine völlig andere Philosophie. Sie liefert zwar auch ganz viele Informationen zur wiedergegebenen „Software“ – aber sie nervt nicht, wenn jene mal nicht so perfekt gelungen, mal nicht zu hundert Prozent auf den Punkt produziert, mal nicht von einem der etwa drei weltweit amtlich angesagten Tonmeister-Götter verantwortet wurde.

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Um der Burmester B18 auf den Zahn zu fühlen, fütterte ich den Marantz SA-10, der für mich zusammen mit seinem Verstärkerbruder PM-10 in den letzten Monaten zu einer zuverlässigen Referenz geworden ist, zunächst mit stimmig und atmosphärisch aufgenommener Klassik vom amerikanischen Liebhaber-Label Reference Recordings. Bei Orchesteraufnahmen freute ich mich an den großen, nicht nur breiten, sondern auch wohltuend tiefen Räumen, die dieser Lautsprecher aufzuspannen vermag. Das Minnesota Orchestra spielte Modest P. Mussorgskys Bilder einer Ausstellung unter Eiji Oue in einem mittelgroßen Konzertsaal ein und wurde von „Professor“ Keith O. Johnson mit maximaler Rücksicht auf den Erhalt der Rauminformationen im HDCD-Verfahren für die Nachwelt festgehalten. Die SACD-Schicht des Reference-Recordings-Samplers Tutti! klingt schlichtweg superb – und wird von der Burmester B18 in ihrem ganzen Klangfarbenreichtum, ihrer superplastischen Räumlichkeit, ihrer von dem Mann am Dirigentenpult sorgsam ausgependelten Balance der einzelnen Orchestergruppen wiedergegeben. So dreidimensional gerieren sich gemeinhin nur Koaxialkonstruktionen.

Burmester B18 Standlautsprecher

Dazu kommt, dass man mit den keineswegs riesigen Burmesters richtig „Gas geben“ kann: Sie beginnen erst bei Schallpegeln zu limitieren, bei denen die Ohren üblicherweise die weiße Flagge gehisst haben. Und demonstrieren nicht nur gewaltiges Volumen, sondern auch eine Tieftongewalt, die beispielsweise die Einsätze der großen Kesselpauke zu Gänsehautmomenten werden lässt.

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Beinahe noch packender, noch unmittelbarer gibt sich die Burmester B18 mit kleinen Besetzungen. Der in Nürnberg lebende Gitarrist Stefan Grasse, der schon mit Größen wie Al di Meola auf der Bühne stand, stellt in diesen Tagen sein neues Album Entre Cielo Y Tierra (Xolo/Galileo Music) mit südländischer Weltmusik zwischen Jazz-Fusion und verjazzter Klassik vor. Zum Hören der Burmester B18 stand mir ein praktisch fertiger Rohmix zur Verfügung, der auch dezidiert audiophile Gemüter zu begeistern vermag. Grasses von einem italienischen Instrumentenbauer handgefertigte Spanische Gitarre hat einen überaus kräftigen Grundton, den sie unter anderem ihrer auffallend massiven, doppelwandigen Konstruktion verdankt. Timbre und Sonorität dieses Einzelstücks gibt die Burmester ebenso griffig und authentisch wieder, wie sie mir verrät, dass Stefan Grasse auch auf dieser Aufnahme die von ihm bevorzugten Nylonsaiten spielt.

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Auf der Ende 2017 bei Decca erschienenen Duo-Platte Dolce Duello mit der Mezzosopranistin Cecilia Bartoli und der Cellistin Sol Gabetta wird eher mit Feinsinn und weiblicher Intuition duettiert und dialogisiert als sich duelliert. Bartolis nach wie vor wunderbar flexibel geführte Ausnahmestimme wird von der Burmester B18 wie auf einem Samtkissen präsentiert, mit all der sorgsam ausmodellierten Phrasierung und wortverständlichen Artikulation, die unverwechselbare Markenzeichen dieser intelligenten Jahrhundertsängerin sind. Sol Gabetta sekundiert mit großer Verve und fast mit Händen greibarer Lust an der besonderen Affektsprache des Barock. Ein Gipfeltreffen zweier Klassik-Superstars, das ihre Beschreibung auf Papier weit übertrifft und über die fulminanten Burmester-Schmuckstücke vibrierende Intensität verströmt.

Galerie mit 17 Bildern

Nicht Ihre Musik? Kein Problem, die Burmester B18 kann bei Bedarf rocken, bis alles zu spät ist. Dafür benötigt sie als eher unkritische Vier-Ohm-Konstruktion keine aberwitzigen Verstärkerleistungen, dankt es aber bei jeder Art von Musik, wenn Quelle und Verstärker zu den hochauflösenden Vertretern ihrer jeweiligen Gattung zählen. Knackig produzierte Pop- und Rockproduktionen wie London Grammars Debütalbum If You Wait (Metal & Dust Recordings) machen über die kleinen Standboxen richtig Spaß, zumal sie erstaunlich tief in den Basskeller hinabzusteigen vermögen, ohne das tonale Gleichgewicht anzutasten.

Sie verzeihen sogar, wenn ich den CD-Player mit starkem Tobak wie AC/DCs Ballbreaker von 1995 füttere. Dann verwandeln sich die Berliner Feingeister in echte Partylöwen, mit deren wohlgesetztem Gebrüll man die Scheiben zum Klirren bringen und die schlafenden Nachbarn zuverlässig aus dem Bett werfen kann. „Was sagen Sie, Herr Wachtmeister? Ruhestörende Schallpegel? Wie soll denn das gehen, ich habe doch nur diese schmalen kleinen Standböxchen …“

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Burmester B18 Standlautsprecher Navigator

 

Standlautsprecher
Burmester B18

Funktionsprinzip: 2,5-Wege-Bassreflex
Wirkungsgrad: 88 dB/W/m
Nennimpedanz: 4 Ω
Bestückung: Ringstrahler-Hochtöner, 17-cm-Tieftöner, 17-cm-Tiefmitteltöner
Besonderheiten: per Kippschalter und Reflexstopfen vielfach anpassbarer Bassbereich
Ausführungen: diverse Farben und Holzfurniere, hochglanzlackiert
Größe (B/H/T): 20,5/106/40 cm
Gewicht: 35 kg
Garantiezeit: 5 Jahre
Paarpreis: ab 7800 €

 

www.burmester.de

 

Mitspieler:

Digitalquellen: Audio Note CDP-2.1x, AVM Ovation MP8.2, Marantz SA-10, Musical Fidelity M1 CLIC
Plattenspieler: Audio Note TT-2, Clearaudio Innovation, TechDAS Air Force III
Tonarm: Clearaudio TT-2 und Universal, Einstein The Tonearm
Tonabnehmer: Clearaudio DaVinci, Einstein The Pick-up
Phonoentzerrer: Audiospecials Phonolab 1.0, Clearaudio Absolute Phono, Einstein The Turntable’s Choice
Vorverstärker: Mark Levinson No. 38s
Endstufen: Mark Levinson No. 27, Musical Fidelity M1 PWR
Vollverstärker: Marantz PM-10 und HD-AMP1, Vincent SV 238 MK
Lautsprecher: Bowers & Wilkins 800 D3, Burmester B18, KEF LS50, R900 und Reference 3, Infinity Kappa 7.2 Mk II, Wilson Audio Yvette

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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