Phasemation EA-500 – Just The Two Of Us

Zwei Kanäle, zwei Kisten für die Phonoentzerrung – analoge Wiedergabe in letzter Konsequenz von Phasemation aus Japan

Ganz schön nobel vom Axiss-Vertrieb, gleich ein Fotomuster mitzuschicken. Das erleichtert die Arbeit doch ungemein, wenn lästige Wege zwischen Fotostudio und Hörraum entfallen. Außerdem brauchen solche Pretiosen auch eine angemessene Ruhezeit nach dem Transport, um ihr volles Potenzial zu entfalten, dachte ich still bei mir, als ich die beiden identischen Gehäuse vom Umkarton befreite. Aber identisch sind die beiden massiven Alubehausungen nur von vorne, rückseitig hingegen bilden sie ein spiegelsymmetrisches Paar, sind also nicht zwei, sondern ein Gerät in zwei Gehäusen. Farbmarkierungen auf den Cinchbuchsen geben eine Kanalverteilung vor, die für maximalen Abstand zwischen den Netzbuchsen sorgt, sofern die beiden nebeneinander stehen. Mein Damen und Herren: Phasemation EA-500 – symmetrische Phonovorstufe in konsequentem Doppelmono-Aufbau.

Phasemation EA-500 Phonovorverstärker

Zwingend notwendig sind zwei Gehäuse für solch ein Konzept zwar nicht, aber schädlich ebenso wenig. Obwohl das nach einer beliebigen Floskel klingt, ist es in diesem Fall nicht ganz belanglos: Zusätzliche Kabelwege und Übergangswiderstände, die bisweilen sogar für hohe Integration sprechen können – bei Vollverstärkern gegen Vor-/Endverstärker zum Beispiel – fallen bei einer kanalgetrennten Phonostufe nicht an, vom Netzanschluss abgesehen. Auf der Haben-Seite der strikten Trennung steht dagegen ein besserer Störabstand. Laut Datenblatt liegt er bei 120 Dezibel und damit sogar eine knappe Handvoll höher als bei der kürzlich getesteten Esoteric E-02 (FIDELITY Nr. 37), die ausgerechnet hinsichtlich Ruhe und Transparenz eine einsame Referenz setzte – das verspricht spannend zu werden.

Die EA-500 offeriert zwei per Drehschalter anzuwählende symmetrische MC-Eingänge, beide sowohl mit Cinch- als auch XLR-Buchsen, und einen 47-kOhm-MM-Eingang. Manuelle Impedanzanpassung ist nicht vorgesehen, da ohnehin kein Weg am Step-up-Transformer vorbeiführt. Phasemation empfiehlt MC-Systeme mit einem Innenwiderstand zwischen 1,5 und 40 Ohm; mir fällt auf Anhieb kein Tonabnehmer ein, der aus diesem Rahmen fallen würde. Die feinen MC-Signale werden von einem speziellen Übertrager mit getrennten Wicklungen aufgepäppelt, bevor sie zum Verstärkerzweig stoßen, den auch der MM-Eingang durchlaufen muss und an dessen Ende moderate, aber locker ausreichende 38 bzw. 61 Dezibel Pegelanhebung stehen. Erreicht werden diese Werte aber nicht durch die übliche zweistufige Verstärkung über Operationsverstärker, sondern mit einer wirklich ausgefallenen Schaltung ohne Über-alles-Feedback aus diskreten und sehr hochwertigen Bauteilen. Neben der passiven RIAA-Entzerrung – auf der Front kann man sogar zwei Monokurven anwählen – mit ELNA-Elkos und silbernen Glimmerkondensatoren findet unterwegs eine Wandlung der Eingangsspannung statt, die am Ende stromverstärkt als 200-mV-Ausgangsspannung an RCA-Ausgängen anliegt. In meiner Anlage zwar irrelevant, aber in wenigen Einzelfällen vermutlich trotzdem schmerzhaft – XLR-Ausgänge gibt es nicht. Der dritte, mittlere Drehschalter auf der Front aktiviert bei Bedarf ein Tiefbassfilter, das insbesondere bei audiophilen, weit geschnittenen Pressungen Lautsprecherleben verlängern kann. Bleibt noch anzufügen, dass die Netzphase an beiden Einheiten markiert ist und sich im Lieferumfang eine praktische Verbindungsleitung für die Massepotenziale der beiden Gehäuse findet.

Phasemation EA-500 Phonovorverstärker

Die Ausgangskonfiguration meines Setups gleicht der des Esoteric-Tests – die beiden Phonostufen haben sich eine Weile lang sogar abgewechselt – mit Rigid-Float- und Mørch-Arm sowie einem knappen Dutzend MC-Systemen, wobei ein besonderes Schlaglicht auf das ebenfalls von Phasemation kommende PP-500 fällt, das den Test freundlicherweise begleitet. Es fühlt sich in schweren Armen wohl und beginnt im DP-8 von Mørch, der mit dem schweren Zwölfzoll-Rohr ausgestattet ist, dagegen – oder sagen wir parallel, zwischen den beiden herrscht keine Wettkampfsituation – steht der Rigid Float Ha mit Sumile-System, der via Kondo-Übertrager am MM-Eingang der EA-500 Anschluss findet. Im Verbund mit dem Firebird-Laufwerk ergibt sich ein analoges Frontend, das – wie sage ich es, ohne dass Sie Ihren hochdotierten Manager- oder Anwaltsposten hinwerfen und sich hier als Autor bewerben – innerhalb gesetzter Parameter ganz ordentlich funktioniert und zwei gleichermaßen hochwertige Alternativen bietet. Da ich nicht wüsste, was meiner technischen Dokumentationspflicht entgangen wäre, springen wir doch gleich in den Hörtest und klären eventuell offene Details später.

Phasemation EA-500 Phonovorverstärker

Das kantige PP-500-MC von Phasemation hatte schon eine gewisse Laufleistung auf dem Buckel und musste nicht mehr eingespielt werden, bei der EA-500 nahm ich nach ein paar Tagen am Netz leicht gesteigerte Offenheit war. Während des Testzeitraums belegte sie durchgehend zwei Dosen in der Netzleiste und wurde sehr selten ausgeschaltet. Das System spielte eine Weile alternierend an den internen Übertragern oder am Kondo-Step-up, der insbesondere mit dem Sumile MC eine Nasenlänge voraus war. Den auch preislich aus anderen Sphären stammenden Kondo-Übertrager direkt mit den integrierten der Phasemation zu vergleichen, verzerrt den Wettbewerb zwar auf unzulässige Weise, aber ein wenig Experimentieren wird wohl erlaubt sein … Nach mehreren Quervergleichen glaube ich, eine Tendenz ausgemacht zu haben: Schlanke, helle Abtaster wie das Lyra Kleos SE, genanntes Sumile und in etwas geringerem Maße auch das AT50ANV profitieren am Kondo CFz von dessen vollkommener Barrierefreiheit im Hochton, wohingegen bei vollmundigeren Systemen wie dem PP-500 oder dem Ortofon Quintet Bronze (das den Übertrager nicht wirklich braucht) dieser Abstand bis zur Vernachlässigbarkeit schrumpft, was direkt mit den besonderen Qualitäten der EA-500 in Zusammenhang steht. Ich komme darauf noch zurück.

Phasemation EA-500 Phonovorverstärker

 

Kein Rauschen, geschweige denn Brummen, nur Stille, vollkommene, weiträumige Stille kommt aus der Einlaufrille von Live In Cologne 1970 des Oscar Peterson Trios in der nur sehr kurzlebigen Besetzung mit George Mraz am Bass und Ray Price an den Drums. Der beschauliche Abend für Jazztraditionalisten wurde damals vom WDR technisch höchstwertig mitgeschnitten und 2015 von Delta Music auf schwerem Vinyl veröffentlicht. Als die eigentliche Aufnahme einsetzt, legt sich ein leichter Rauschteppich unter das schwarze, kathedralenhafte Silentium, bevor sich behutsam das Drumset von Price ins Bild schiebt. Ein Meister seines Fachs, aber nicht eben das, was man als explosiv umschreiben würde; Price gilt vielmehr als klassischer Jazzschlagzeuger, den man bewusst kaum wahrnimmt – aber wehe, er fehlt! Eine auffällige Zurückhaltung prägt die erste Seite des Doppelalbums, auch wenn mir das Phasemation PP-500 – zu der Zeit im Rigid-Float-Arm – immer dann Schauer über den Rücken jagt, wenn der gestrichene Kontrabass von George Mraz sich aus der Piano-Umarmung herausschält. Der knorrig-kratzende, raumfüllende Ton gibt der EA-500 Gelegenheit, sich von ihrer Schokoladenseite zu zeigen. Sie verleiht dem Grundton eine selten gehörte Lebendigkeit, gefühlt ist man so nah dran am Instrument, dass man glaubt, die Schwingungen der Basssaiten förmlich sehen zu können. Petersons Klavierläufe wirken anfangs ebenfalls zu betont technisch einwandfrei, aber eben auch wunderbar leichthändig und umrissscharf definiert. PP-500 und EA-500 bilden ein symbiotisches Gespann wie ein Bogenschütze mit seinem Sportgerät, sobald er den Bogen spannt. Man spürt, dass jederzeit ein Pfeil durch die Luft sirren könnte, obwohl sich die Indizien dafür über eine ganze Plattenseite nicht verdichten. Erst im Verlauf des Kölner Abends finden drei Ausnahmejazzer zusammen, auch wenn das nie das kompakte, energiegeladene Oscar Peterson Trio wird, das man von Klassikern wie Night Train kennt. Allerdings holt in diesem Fall die exzellente Aufnahme die Kartoffeln aus dem Feuer. Neben der Wiedergabe mithilfe der Phasemation-Kombination natürlich, die, glaube ich, in erster Linie verantwortlich dafür ist, dass mir der Liveauftritt immer besser gefällt. Evergreens wie „Let’s Fall In Love“ machen regelrecht Spaß, wenn man die aktuellen Entwicklungen im damaligen Jazz links liegen lässt. Gegen Ende wird es sogar temperamentvoll, wenn Ray Price in „Cute“ den Derwisch im Gentleman herauskehrt und überzeugend kochenden Rhythmus-Overdrive simuliert. Wie das Phasemation-Gespann so feine Detailansichten eröffnet, nötigt auch im Vergleich mit der E-02 von Esoteric höchsten Respekt ab. Die EA-500 betont das Profil, nicht so sehr die Aura. Der einzig zu konstruierende Schwachpunkt der Über-Vorstufe von Esoteric liegt ironischerweise in ihrer großen Stärke bergründet. Die liquide, schwebende, immer den großen Überblick bewahrende Feinauflösung bedingt eine gewisse Bodenfreiheit, einen Bewegungs- bzw. Spielraum mit loser Haftung. Genau da stößt das Phasemation-Duo mit klarem Standpunkt in die Lücke.

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Griffigkeit und Struktur im Grundton beherrscht die EA-500 herausragend. Eine glatte und gut ausgeleuchtete Vorstellung bekommen Phonoentzerrer in tieferen Preis- oder Qualitätsklassen auch hin, aber diesen Realismus der EA-500, der unmittelbare Folge der verblüffenden Tiefenschärfe respektive der perfekten Kanaltrennung und des vorbildlichen Störabstands ist, bleibt nur den Ausnahmetalenten vorbehalten. Preisklassenunabhängig, möchte ich behaupten, denn auch in der Spitzenklasse ist solche Lebensechtheit nicht die Regel. Mittlerweile spielt Townes Van Zandt den „Snake Mountain Blues“ und das PP-500 wieder im Mørch, während das Lyra in der Nelson-Hold-Headshell des Rigid Float metaphorisch nach Luft schnappt. Van Zandt, der Schutzheilige aller vom Leben über den Tisch Gezogenen, klingt in beiden Konfigurationen gleichermaßen resigniert, aber das PP-500-System zeigt eindringlicher, woher dieser Überdruss kommt, es scheint die Narben, Brand- und Einschusslöcher in der Seele des Getriebenen sichtbar machen zu können. Es wirkt, als würde man diesen Song vor und nach der Gerbung hören.

 

Phasemation EA-500 Phonovorverstärker

Jetzt ist wohl die letzte Gelegenheit, zu erwähnen, dass die EA-500 noch nicht die höchste Klasse bei Phasemation verkörpert – es gibt noch eine EA-1000 darüber – und dass Phasemation mitnichten, wie man glauben könnte, ein Newcomer ist, sondern Insidern unter dem früheren Namen Phase Tech bekannt sein könnte. Falls jemanden meine eigene, streng subjektive Meinung interessiert: Ja, die EA-500 in Verbindung mit dem PP-500 hat sich in diesem Test zu meiner Referenz aufgespielt, nicht unbedingt, weil sie die beste Phonovorstufe ist – solche absoluten Aussagen sind ohnehin mit Vorsicht zu genießen –, sondern weil sie mit ihrer gleichermaßen zupackenden und umsichtigen Art genau meine Vorlieben bedient. Ich möchte umfassend informiert und emotional angesprochen werden. Nach diesem Test weiß ich, welcher Phonoentzerrer diese Ansprüche erfüllt.

Phasemation EA-500 Phonovorverstärker Navigator

 

Phonovorverstärker Phasemation EA-500

Funktionsprinzip: symmetrischer Phonovorverstärker
Eingänge: 2 x MC symmetrisch (jeweils Cinch und XLR), MM unsymmetrisch (Cinch)
Ausgänge: Line (Cinch)
Verstärkungsfaktor: MM 38 dB, MC 61 dB
Besonderheiten: zwei Gehäuse, Subsonic-Filter, drei Entzerrkurven (RIAA Stereo und zweimal Mono)
Maße (H/B/T): 10,3/21/35,5 cm
Gewicht: je 5,5 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: 6900 € (EA-500), 2200 € (PP-500)

 

www.axiss-europe.de

www.phasemation.com

 

Plattenspieler: Feickert-Analogue Firebird
Tonarme: Mørch DP-8, ViV Laboratory Rigid Float Ha
Tonabnehmer: Lyra Kleos SL, Murasakino Sumile, Clearaudio Da Vinci, Ortofon MC Quintet Bronze und 2M Black, Audio Technica 50ANV und 33PTG I
Phonoübertrager: Kondo CFz
Phonovorverstärker: Esoteric E-02, MFE Tube One SE (integriert)
CD-Player: Revox C 221
D/A-Wandler: PS Audio Digital Link III
Vorverstärker: MFE Tube One SE
Endverstärker: DNM PA3S
Vollverstärker: Genuin Straight
Lautsprecher: Steinmusic Masterclass SP 1.1, Eigenbau
Kabel: Black Forest Audio, Kondo, Musical Wire, Audiophil
Zubehör: Steinmusic, Audiophil, Black Forest Audio, Feickert Analogue

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