Phonovorverstärker Clearaudio Basic V2

Klein, schwarz, stark! Nein, das sind nicht gerade die Attribute, die sich zum Espresso in unserer Redaktionsküche aufdrängen.

Es geht um die dritte Evolutionsstufe der Clearaudio-Phonostufe „Basic“ mit dem Zusatz „V2“. Ein gutes Kilo Alu, wahlweise unbehandelt oder schwarz eloxiert, auf der Rückseite zwei Paare allerfeinster Cinchbuchsen, dazu der Anschluss für die externe Stromversorgung. Einzig sichtbares Bedienelement ist der Power-Taster auf der Oberseite. Schlichter kann man ein Gerät kaum konstruieren. Trotzdem wirkt die Basic V2 sehr hochwertig. Das Gehäuse wurde aus einem massiven Alu-Quader gefräst und bietet der Elektronik dank üppiger Wandstärken Schutz vor hochfrequenter Umweltverschmutzung. Selten benötigte Funktionen wie das Subsonic-Filter oder der Wahlschalter zwischen MM- und MC-Betrieb finden sich auf der Unterseite. Was man allerdings selbst dort vergeblich sucht, sind die in der Tausend-Euro-Klasse obligatorischen Anpasssungsoptionen für den Tonabnehmer. In einem gewissen Rahmen stellt sich die im Spannungsverstärker-Betrieb laufende Basic V2 auf das angeschlossene MC-System „automatisch“ ein. Eine recht selten anzutreffende Bauform unter den Phonostufen – mit manchmal magischen Fähigkeiten.

Clearaudio Basic V2 Phono Vorverstärker

Die Verstärkung ist im MM-Betrieb mit 46 Dezibel selbst für Lauthörer ausreichend hoch gewählt, und auch die MC-Seite liegt mit 66 Dezibel im üblichen Rahmen. Notfalls hilft ein Dreh am Lautstärkesteller des Verstärkers, sollte es mal an Pegel fehlen. Mit den 0,4 mV des Scheu S gefüttert, generiert die Basic V2 dann ein recht ätherisches Stimmungsbild, löst auch kompakte Passagen des nur schwer am Stück konsumierbaren Prog-Doom-Space-Rock von Elder sehr fein auf. Reflections of a Floating World glänzt weder mit audiophilen noch musikalischen Qualitäten, eignet sich jedoch, gerade weil die Produktion so überladen ist, superb dazu, den Charakter der Clearaudio einzuschätzen. Die Basic V2 legt, trotz aller Versuche, die angedeuteten Sphärenklänge im Kitsch zu ersticken, hinter all dem Pomp verborgene Melodien frei, ohne bei rasiermesserscharfen Gniedelattacken allzu sehr den Hörnerv zu perforieren. Respekt an dieser Stelle, normalerweise reicht es mir nach einer Seite dieser Doppel-LP. Aber dank des zupackend-drahtigen Tieftons und der fulminanten Durchzeichnung der Mitten sowie des zwar klaren und transparenten, doch frei von unnötiger Strenge agierenden Hochtonbereichs lassen sich mit der Basic V2 auch schwierige Aufnahmen ohne Reue genießen.

Perfekt spielt die Basic V2 dann zusammen dem Charisma V2 aus gleichem Hause auf. Der erdige, groovende Charakter des hochwertigen MM-Systems ergänzt sich hervorragend mit der athletisch-drahtigen, anspringenden Herangehensweise der Basic V2. Die Bühnenabbildung gelingt ähnlich weit wie mittels Scheu S, doch werden Musiker bei den Clearaudio-Geschwistern ein wenig kompakter (nicht kleiner!), mit mehr „akustischer Schwungmasse“ reproduziert. Die mit dem Scheu MC latent ätherische Note gewinnt dank des charismatischen MM-Systems genau die Prise Körperhaftigkeit, die bei mir für sofortiges Fußwippen sorgt. Dafür sind nicht mal forcierte Pegel nötig, da die Basic V2 schon unterhalb der Zimmerlautstärke tief reichende Einblicke in das akustische Geschehen bietet.
So gehen meine Glückwünsche gleich doppelt nach Erlangen. Erstens zum vierzigsten Firmenjubiläum und ganz besonders herzlich dann zur Basic V2.

 

 

Phonovorverstärker Clearaudio Basic V2
MM- und MC-Phonovorverstärker
Gewicht: 1,2 kg
Garantiezeit: 3 Jahre
Preis: 990 €

 

www.clearaudio.de

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
Abonnieren Sie den Newsletter und erhalten Sie Informationen rund um das FIDELITY Magazin, exklusive Spezialangebote, Gewinnspiele, neue Features sowie Angebote unserer Partner.