HiFi Convention Freiburg, Dorint Hotel, 2019

HiFi Convention – Klein aber fein

Die HiFi Convention in Freiburg ist anders als andere deutsche Hotelmessen. Freiburg ist kleiner und ruhiger. Das hat Vorteile, aber auch Nachteile. Der Messeveranstalter ist nicht ein HiFi-Händler allein, sondern eine Marketingagentur (Seiler + Kunz) in Zusammenarbeit mit Freiburger Händlern (hifimarket, Gogler, HiFi Müller und media@home) und der Firma in-akustik. So war es beim Startschuss dieser Messe im Südwesten Deutschlands vor einem Jahr und so ist es auch heute. Mit einem kleinen Unterschied: Ein Händler aus dem Gründungsteam ist nicht mehr dabei. Leider konnten wir nicht in Erfahrung bringen, was der Grund hierfür war.

HiFi Convention Freiburg 2019

Mit 10 Konferenzräumen und 15 Hotelzimmern plus einer Produktpräsentation im Foyer des Hotels und insgesamt 79 Marken zählt Freiburg sicher zu den kleineren Messen im Messekalender. Das hat seinen Charme, der sich in einer ausgemacht entspannten und ruhigen Atmosphäre entfaltet. Hektik gibt es in Freiburg nicht und alle (Aussteller und Besucher) nehmen sich Zeit den Dingen auf den Grund zu gehen. In diesem Punkt wirkt die HiFi Convention wie ein Gegenentwurf zum üblichen „höher, schneller, weiter“. Wir empfinden das als eine gute Entwicklung, denn am Ende des Tages geht es immer darum die Besucher zu begeistern. Das funktioniert sicher besser, wenn die Besucher nicht durch eine unüberschaubare Anzahl von Ausstellern und Marken überfordert werden und als Ergebnis des Besuches Ratlosigkeit und Verunsicherung steht. Demgegenüber steht die Gefahr, dass eventuell nicht genügend Publikumsmagnete zu sehen und hören sind, was eine Messe im Gegenzug weniger attraktiv für eine Zahl von Personen werden lassen kann. Obwohl es auf der HiFi Convention viele wirklich sehr gute Vorführungen gab, fiel doch auf, dass einige bekannte Marken, die teilweise im Vorjahr präsent waren, fehlten.

Das kann eine Vielzahl von Gründen haben. Einer ist sicher die große Belastung, die von den Ausstellern zu tragen ist, wenn sie an allen Veranstaltungen teilnehmen wollten. Das gleicht für viele einem wirtschaftlichen Ritt auf der Rasierklinge verbunden mit der Hoffnung, dass es gut gehen möge. In Deutschland allein zählen wir mittlerweile 10 nennenswerte Messen. Das überfordert Aussteller und ermüdet Besucher. Die Folge: Die Einen können wirtschaftlich nicht mehr mithalten und die Anderen wenden sich gelangweilt ab. Die angestrebte Win-win-Situation fällt in sich zusammen. Vielleicht ist es an der Zeit, sich an einer Aussage von Dieter Rams zu erinnern und zu orientieren: „Weniger, aber besser“. Das setzt eine Menge Mut, den Willen zur Veränderung und Innovationskraft voraus. Am Ende wird jedoch jeder davon profitieren.

Aber wie war es denn nun in Freiburg?

Gleich im Foyer des Hotels zeigte Transrotor eine große Palette seiner Plattenspieler. Echte Hingucker! Jochen und Dirk Räke waren persönlich angereist und beantworteten in ihrer offenen und unvoreingenommenen Art die Fragen der Besucher.

Einen Raum, der uns beeindruckt hat, hätte man glatt übersehen können, weil er ganz am Ende des unteren Geschosses lag – Dr. Feickert und Geithain. Eine durchweg analoge Anlage mit Aktivlautsprechern. Was dieses Setup in besonderem Maß auszeichnete war die unangestrengte Fähigkeit, eine vollkommen vom Lautsprecher gelöste holografische Bühne in den Raum zu stellen. Ähnliches gelang der analogen Kombination aus Ascendo Lautsprechern mit einem Clearaudio Frontend.

Im Bereich digitales Frontend stach die Freiburger Firma X-Odos an einem Pass Labs Vollverstärker mit Audio Physik Midex Lautsprechern hervor. Bei dieser Kombination hatte man stellenweise den Eindruck einem hervorragenden analogen Frontend zu lauschen. Als interessant und hilfreich empfanden wir die Präsentation bei IsoTek. Dort redete man nicht nur theoretisch über Verbesserungen durch Netzfilter und Netzregeneratoren, sondern schritt zur Tat. Schrittweise wurden die Netzkomponenten wie Steckdosenleiste und Netzkabel unter gleichen Bedingungen getauscht. Es ging von der Dreifachsteckdose aus dem Baumarkt und Beipackstrippe über eine hochwertige Steckdosenleiste und passende Netzkabel, Netzfilter und schlussendlich zu einem Netzregenerator. Das Ergebnis verblüffte die anwesenden Besucher ob seiner völligen Eindeutigkeit.

Bei ATR konnte man eine (wahrscheinlich sogar) Weltneuheit sehen, den neuen Vollverstärker CTA 408 von Copland, der einen kleinen Monitor von ATC antrieb und durch seinen zauberhaften Schmelz zu verzaubern wusste. Nebenan zeigte ATR die neue Cabasse „The Pearl“, ein technologisch anspruchsvolles hochintegriertes digitales Aktivlautsprecherkonzept mit großer Flexibilität.

Bei Nordost erlebte man eine auffallend ruhige und mit einer inneren Ordnung versehene Vorführung. Der Grund dafür war für uns nicht eindeutig zu lokalisieren, wir vermuten aber, dass das aufwendige Erdungssystem von Nordost einen großen Teil dazu beigetragen hat.

HiFi Convention Freiburg 2019

Bei in-akustik gab es gleich in zwei Räumen jeweils ein Primare Frontend an Piega Lautsprechern. Diese Kombination besticht durch ihre millimetergenaue Feinzeichnung in Verbindung mit einem wunderbar kontrollierten und wunderbar federnden Bass. Hochmusikalisch! Das ganze natürlich an hauseigenen Kabeln. ELAC wiederum verblüffte, wie schon einmal an anderer Stelle beschrieben, mit einer ungemein mächtigen und raumfüllenden Präsentation, die auf den ersten Blick im Gegensatz zu den „nur“ moderat großen Lautsprechern stand und für Staunen sorgte.

STAX hatte einen transportablen Kopfhörerverstärker dabei mit dem die bestens beleumundeten Kopfhörer nun auch mobil werden.

HiFi Convention Freiburg 2019

Schmunzeln mussten wir nicht nur einmal im Raum von Block Audio. Wann immer dort die Frage nach dem Preis des gezeigten Systems gestellt wurde, sah man in ungläubige Augen. Nicht ob der astronomischen Höhe, sondern weil er nicht zum gehörten passen wollte. Mit deutlich unter 2000 Euro für das komplette Setup war Block wahrscheinlich der „Best Buy“ der ganzen Messe.

HiFi Convention Freiburg 2019

Eine weitere wunderbare Kombination war Dynaudio an der neu im Vertrieb angekommenen kanadischen Marke Moon. Hier stimmte alles, Timing, Grip, Bühne und Dynamik.

Und B&W? Was sollen wir dazu sagen? Irgendwie ist ja schon alles gesagt worden. Die wahrscheinlich professionellste Vorstellung der Messe. Klasse durchchoreografiert mit einer Musikauswahl, die einen nicht weglaufen ließ und einem wahren Klanggenuss.

Das Fazit der Messe: Wir werden den Eindruck nicht los, dass sich die sogenannten Mainstream-Marken in ihrem Klangideal den sogenannten Nischen-, oder Expertenmarken (wenn man es so nennen will) annähern.

 

Freiburg hat uns gut gefallen und wir planen schon jetzt auch 2020 wieder dabei zu sein. Vielleicht sehen wir uns ja.

 

www.hificonvention.de

 

HiFi Convention Freiburg 2019

… und dann war da noch ein Hubschrauber, der im Tiefflug über das Hotel donnerte …

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