FIDELITY Feedback: Aki Kuroda – Firebird

Die Japanerin Aki Kuroda ist eine ungewöhnliche Pianistin. Sie interpretiert Skrjabin und Mussorgsky, aber auch Piazzolla-Tangos und Jazz. Mal begleitet sie traditionelle japanische Musik, dann wieder spielt sie Artrock-Transkriptionen nach. Ihre vielleicht populärsten Aufnahmen machte sie für die Computerspiel-Serie Final Fantasy – eine Art Klavier-Romantik light.

Aki Kuroda – Firebird

Aki Kuroda – Firebird
Schönberg, Strawinsky, Mahler
Odradek, 2014

Das neue Album Firebird setzt an einem ganz anderen Ende an: bei einer Klavier-Bearbeitung von Schönbergs skandalöser Kammersinfonie Nr. 1 (1906), angefertigt 1920 vom Pianisten Eduard Steuermann, dem Schönberg-Schüler und Adorno-Lehrer. Diesen schwierigen, polyphonen Viersätzer, den die eigenwillige Klaviervirtuosin seit Jahren spielt, hat sie hier um rare Transkriptionen weiterer Orchesterwerke derselben Epoche ergänzt. Solche Übersetzungen in den Klavierklang bieten ebenso verstörende wie erhellende Hör-Erfahrungen.

Die Emotionalität wird nüchterner, die Struktur deutlicher, die Dynamik neu gewichtet, die Rhythmik perkussiver. Darüber hinaus verfolgen die Transkriptionen auf dieser CD eigene künstlerische Ziele und besitzen teilweise den Charakter einer Neukomposition. Das Adagietto aus Mahlers Fünfter, berühmt seit dem Visconti-Film Tod in Venedig, wurde von Yoichi Sugiyama speziell für diese Aufnahme als pianistisches „Super-Adagietto“ bearbeitet. Auch die Feuervogel-Transkriptionen von Guido Agosti (1928) unterscheiden sich in der pianistischen Virtuosität deutlich von Strawinskys eigener Klavierfassung. Ein Album für unerschrockene Entdecker.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 20 (4/2015)

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