FIDELITY Feedback: Mozart – Klaviersonaten

Marc-André Hamelin ist einer jener Pianisten, für die ein „zu schwer“ schlichtweg nicht existiert. Die komplexeste Klavierliteratur hat er in den letzten Jahren mit einer provozierenden Leichtigkeit eingespielt, die an übersinnliche Fähigkeiten glauben ließ. Und nun? Mozart und Haydn. Letzteren hat er in den vergangenen drei Jahren mit einer Gesamtaufnahme gewürdigt, an den jüngeren Mozart wagt er sich in diesen Tagen mit einer Kompilation aus Sonaten und Einzelstücken heran. Wer nun denkt, dass der virtuose Tastendonner seiner früheren Aufnahmen auf die doch eher fragilen Sonaten Mozarts übertragen wird, der verkennt die Seriosität Hamelins.

Mozart – Klaviersonaten

Mozart – Klaviersonaten
Marc-André Hamelin
Hyperion, 2015

Schon bei den Haydn-Sonaten war ein durchdachter und eher zurückhaltender Duktus zu vernehmen, weit entfernt von der aufgesetzten Rappeligkeit eines Bavouzets etwa. Will man Hamelins Mozart erfassen, so wirft man am besten zunächst ein Ohr auf die berühmte Sonata facile, die in ihrer Simplizität viele Pianisten zu interpretatorischen Kuriositäten verleitet, weil man meint, man müsse diese Anfängersonate irgendwie aufwerten. Ganz anders Hamelin: Er nimmt die Komposition ganz einfach als „Sonate“ ernst, durchleuchtet ihre Konstruktion, nuanciert feinstufig die Dynamik und unterlässt alle Mätzchen, die die Rezeptionsgeschichte mit sich gebracht hat. Auf diese Weise erklingt eine unprätentiöse und empfindsame Komposition, die alle interpretatorischen Ränkespiele in die Schranken weist. So ist nur zu hoffen, dass aus der Kompilation demnächst eine Gesamteinspielung wird.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 20 (4/2015)

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