FIDELITY Feedback: Omer Klein – Fearless Friday

Längst ist das Pianotrio über den Jazz hinausgewachsen. Wir kennen heute Trios, die spielen akustischen Elektro-Pop, manche auch Rock Unplugged, andere eine Art leichter Klassik oder eine Mixtur aus Avantgarde-Baukasten und Bistro-Beschallung. So erfreulich es ist, dass die alten Konventionen des Klaviertrios endlich gesprengt wurden: Im weiten Reich des Unerforschten drohen durchaus auch Anämie und Langeweile. Denn die Dynamik, der Swing, die harmonische Logik, die einmal aus der Jazztradition kamen, die müssen die heutigen Trios auf ihre Weise jedes Mal neu erfinden – und das gelingt nicht immer. Manches gerät da leider oft noch pennälerhaft und kreuzbrav.

Omer Klein – Fearless Friday

Omer Klein – Fearless Friday
Neuklang, 2015

Omer Klein hat diese Klippe lange hinter sich. Der 33-jährige Pianist aus Israel und seine zwei Landsleute an Bass und Schlagzeug gehen mit einer Kraft und Virtuosität zu Werke, die sich auch vor den großen Helden der alten, swingenden Pianotrio-Schule nicht zu verstecken brauchen. Dabei schöpft Kleins Musik jedoch aus ungleich zahlreicheren Inspirationsquellen – aus israelischen Schlagern, aus moderner Konzertmusik, aus jüdischer Liturgie, natürlich auch aus vielen Facetten des Jazz. Jedes Stück ist vom Charakter her anders, aber jedes entwickelt eine Macht, einen Sog, eine technische Dichte, die einem den Atem nehmen können. Alle seine Improvisationen hier, so sagt Klein selbst, seien „offen, furchtlos, wagemutig, riskant, empfänglich für Rätsel und Überraschung“. Für den Hörer heißt es da: einsteigen, anschnallen, festhalten! Hier ist Power unter der Haube.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 19 (3/2015)

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
Abonnieren Sie den Newsletter und erhalten Sie Informationen rund um das FIDELITY Magazin, exklusive Spezialangebote, Gewinnspiele, neue Features sowie Angebote unserer Partner.