FIDELITY Feedback: Bilderbuch – Schick Schock

SMACK! Ehe man sich versieht, ist einem die Hand ausgerutscht, hat man – im Kopfkino – Maurice Ernst eine saftige Ohrfeige verpasst. Doch nur, um im selben Moment die gerötete Wange mit edelstem Krug Grande Cuveé abzukühlen. Man kann ihm gar nicht böse sein, diesem Hedonisten aus Leidenschaft. Diesem Wiener Bilderbuch-Buben, für den das Wort „Swagger“ erfunden wurde. Oder besser: „Schmähgger“ (das wird hier jetzt mal erfunden). Er verkörpert diese Mischung aus Arroganz und Lässigkeit, die schon den großen Falco zum Liebling all jener aufsteigen ließ, die ein Hang zu Überheblichkeit, abgründigem Humor und Größenwahn verbindet.

Bilderbuch – Schick Schock

Bilderbuch – Schick Schock
Maschin Records/Virgin/Universal, 2015

Was Bilderbuch auf ihrem dritten Album Schick Schock veranstalten, ist großes Kino auf Weltniveau. Die Wiener machen Electropop mit Anspruch, integrieren das, was HipHop und dort Vordenker wie Kanye West in den letzten zehn Jahren an Haltung und Ausdruck entwickelt haben, in ein komplexes Soundkonstrukt, das beides kann: den Kopf bedienen und mit dem Arsch wackeln. Unüberhörbar von Prince beeinflusst, bedienen sich Bilderbuch bei allem, was den Funk in sich trägt: G-Funk („Willkommen im Dschungel“), Downbeat („OM“), NDW („Spliff“), Autotune-Overkill („Barry Manilow“). Wie singen sie doch so schön in ihrem Überhit mit dem Lamborghini-Video „Maschin“: „Es tropft dein feuchter Blick auf mein Verlangen / Sieben Sünden, alle einmal begangen“. Wenn schon Hedonismus, dann aber bitte nicht mit angezogener Handbremse! Bilderbuch feiern das eigene Ich – wir feiern mit!

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 19 (3/2015)

 

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