FIDELITY Feedback: Dagobert – Afrika

Wenn man Dagobert das erste Mal hört, man könnte ihn glatt nach Osteuropa verorten und sein Alter auf 50+ schätzen. Einen derart eigentümlichen Akzent hat man schon lange nicht mehr gehört. Dagobert ist einer, der aus dem Rahmen fällt. Ein Exzentriker. Ein 32 Jahre junger Schweizer, der über die Liebe singt. Und über das Scheitern an ihr, über das einseitig Verliebtsein.

Dagobert – Afrika

Dagobert – Afrika
Buback/Universal, 2015

Das machen viele, Dagobert macht es anders: Er traut sich, Zeilen zu singen wie: „Bald ist der Krieg vorbei / und dann sind wir wieder frei / und können uns wieder vertragen / und uns neue, törichte Dinge sagen wie: Ich liebe dich!“ („Angeln gehen“). Dagobert nennt die Liebe beim Namen, diese fünf Buchstaben, die auszusprechen so wenige wagen, die über sie singen. Afrika legt in jedem Song Zeugnis ab von einem Menschen, der nicht in diese Gesellschaft passen will, deren Konventionen ihm fremdartig erscheinen. Und doch öffnet sich Dagobert auf seinem zweiten Album: Seine Songs sind organischer als die minimalistischen Demos des Debüts, räumen Gastmusikern Platz ein. Dagobert will gehört werden, seine Musik mit anderen teilen. Und plötzlich eröffnen sich Horizonte, wirkt es gar nicht mal so brüchig, wenn in zweien seiner schwelgerischen Chansons Thrash-Metal-Ikone Mille „Kreator“ Petrozza mit wohl akzentuierten Gitarrenparts den Nebel der Romantik zerschneidet. Dagobert ist weder Schlager noch Schnulze. Er ist ein Barde der Neuzeit, der seiner Liebsten seine „Sehnsucht“ gesteht – auch wenn er sie noch gar nicht kennt.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 19 (3/2015)

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