Heco Direkt Einklang – Nomen est Omen

In wenigen Stunden vom Lückenfüller zum Hauptdarsteller

Zunächst war die Heco Direkt Einklang nur für ein kurzes Spotlight vorgemerkt. Doch die Vorstellung im redaktionseigenen Spielzimmer war so überzeugend, dass wir gar nicht anders konnten, als ihr den gebührenden Platz  zu widmen. Denn bei der kleinsten Vertreterin aus Hecos ziemlich erfolgreicher Direkt-Linie ist der Name Programm. Musikaffine Zeitgenossen finden hier deutlich leichter zum Einklang mit sich, dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest als durch Rebirthing-Erlebnisse oder Gruppenatmen zur Klangschalenmeditation.

Selten waren die sperrigen Charakterköpfe der Redaktion so homogen einer Meinung wie bei diesem schnuckelig-maskulinen Lautsprecher im Design der Swinging Sixties. Optisch liegt die Heco irgendwo zwischen Omas Reisekoffer (Größe) und einem Shelby GT von 1967 (bullig, breit und endgeile Rallyestreifen). Also ganz nach meinem Geschmack – ich musste die Kisten einfach haben.

Es erfordert Mut, sich an ein Konzept wie die Einklang zu wagen. Ich kenne keinen wirklich großen Hersteller, der sich an die Umsetzung eines Lautsprechers mit Breitbändern herantraut. Dabei sind Breitbänder prinzipiell erst mal im Vorteil, wenn es um die homogene Übertragung von Musiksignalen geht. Da das gesamte Frequenzband von einem einzelnen Chassis übertragen wird, entstehen Probleme mit Phasenfehlern, Laufzeitunterschieden und Übernahmefrequenzen erst gar nicht. Auch hängt ein Breitbänder direkter am Gas als mehrere Chassis samt der nötigen Frequenzweiche. Selbst die von uns Audiophilen so geschätzten Informationen über den Aufnahmeraum gelingen mittels Punktschallquelle authentischer, als dies Mehrwege-Konzepte liefern können. Aus der Mitte entspringt der musikalische Fluss, was schwierig scheint, wenn sich die akustische Mitte irgendwo auf der Schallwand zwischen den beteiligten Chassis befindet. Doch sagt man Breitbändern auch eine gewisse Neigung nach, es mit tonaler Neutralität nicht allzu genau zu nehmen. Was mich persönlich nicht abschreckt. Dafür habe ich schon zu viele linear und neutral bis zum Abwinken spielende Lautsprecher gehört, die trotz aller „Akkuratesse“ nicht mal ansatzweise in der Lage waren, mich emotional zu berühren. Dann lieber ein paar kleine Charakterzüge in der Wiedergabe, die einen in die Aufnahme hineinziehen. Hab ich schon erwähnt, dass mir eine Gänsehaut beim Hören lieber ist als alle klinisch-sterile Perfektion ohne Seele? Und ich glaube, mit dieser Meinung stehe ich innerhalb der Redaktion nicht ganz alleine da.

Heco Direkt Einklang

Breitbandchassis waren um die Mitte des letzten Jahrhunderts herum noch State of the Art, doch verschwanden sie mit dem Aufkommen von Mehrwege-Systemen nach und nach aus den Portfolios der großen Hersteller. Nur wenige Spezialisten  verfügen hierzulande noch über das Wissen, Breitbänder so abzustimmen, dass einem beim Genuss eines Cellokonzerts Tränen der Ergriffenheit übers Gesicht fließen.

Heco wandelt mit seinen Exemplaren der Direkt-Serie auf unüblichen Pfaden. Wo das Gros moderner Schallwandler, lang und dünn wie Windhunde, an Anorexie zu leiden scheint, wirken die direkten Hecos wie Pitbulls: Kompakt, massiv, mit breiter Brust, vermitteln die Kisten bereits eine Ahnung von mitreißender Kraft und direktem Drang nach vorne, ohne auch nur einen Ton von sich gegeben zu haben. Dazu die plakativen Rallyestreifen auf mattschwarzem Lack – da werden bei mir Assoziationen an alte Sportwagen geweckt. Das auf drei Standfüßen „schwebende“, nach hinten geneigte Chassis vermittelt eine irgendwie verwegene Dynamik, die die Heco trotz aller Reminiszenzen an vergangene Tage auch in modernem Ambiente alle Blicke auf sich ziehen lässt. Dank des Abstands zum Bodenbelag können die beiden Bassreflextrompeten im Gehäuseboden frei in den Raum ventilieren und wandeln bis hinunter zu 32 Hertz alles in bewegte Luft, was vom Verstärker angeliefert wird. Zwecks Vermeidung von Druckverlusten durch im Takt flatternde Seitenwände wird das Gehäuse der Einklang aus knapp zwei Zentimeter starkem MDF geschreinert und im Inneren mehrfach verstrebt. Das daraus resultierende Lebendgewicht von 19 Kilo pro Stück vermittelt in Relation zur kompakten Erscheinung einen vertrauensfördernden Eindruck von physischer Stabilität.

Herzstück der Einklang ist der eigens entwickelte Breitbänder, dessen gut zwanzig Zentimeter messende Membran ausladend genug für fundierte Tieftonattacken ausfällt und gleichzeitig noch agil genug reagiert, um auch den Rest des zu übertragenden Frequenzbereichs verarbeiten zu können. Gar nicht mal so einfach, scheinbar konträre Anforderungen wie „leicht“ und „steif“ in einem Chassis zu vereinen, das darüber hinaus auch über hohe innere Dämpfung verfügen soll. Doch Heco hält für solche Ansprüche noch einen Trumpf im Laborkittel der Entwickler versteckt, das sogenannte „Kraftpapier“, ein Materialmix aus dem Holz skandinavischer Nadelbäume in Verbindung mit kurzen Wollfäden, welches unter immensem Druck zu einer hochbelastbaren, bocksteifen und unglaublich leichten Membran gepresst wird. Ein Hochtonkegel aus identischem Gewirk, doch mit einer etwas veränderten Imprägnierung (die eigentliche Membran schimmert zwischen Grün und Grau, der Hochtonkegel tendiert ins Rötliche) garantiert eine fein ziselierte Hochtonauflösung samt der absolut beeindruckenden Fähigkeit, Informationen über den Aufnahmeraum zu Gehör zu bringen.

Heco Direkt Einklang

Den Wirkungsgrad der Einklang gibt Heco mit 94 Dezibel an. Diese hohe Empfindlichkeit prädestiniert die Einklang geradezu für den Einsatz an kleinen, feinen, aber nicht vor Leistung strotzenden Röhrenverstärkern. Ab rund fünf möglichst knackigen Watt geht die kleine Box ab wie die Feuerwehr. Doch auch mit halbwegs ordentlichen Verstärkern der Halbleiterfraktion versteht sich der Breitbänder vorzüglich. Was nicht zuletzt am überaus üppig ausfallenden „Motor“, sprich einem „gedoppelten“ Magnetsystem, liegt. Dieser kräftige Antrieb gewährleistet auch die nötige Kontrolle der leichten Membran. Schon frisch aus der Packung vermittelt die Einklang einen unfassbaren Spaß an der Sache.

Heco Direkt Einklang

Gedacht war, den Hecos im Wohnzimmer abwechselnd mit den noch vorhandenen Triangle Australe EZ (FIDELITY Nr. 34) und meinen Opera Seconda Mk II gründlich auf den Zahn zu fühlen. Preisklasse und Konzept der kleinen Einklang lassen zwar eine respektable Vorstellung erwarten, doch wo der Bartel eigentlich den Most holt, würden ihr meine ausgewachsenen Schallwandler schon unmissverständlich klarmachen, so der unausgesprochene und hinterhältige Plan, der aber nicht ganz aufging. Schon im Redaktionshörraum zeigte die Einklang nur mangelnden Respekt vor preisintensiveren Schallwandlern, und sie behielt diese Nonchalance auch gegenüber den Lautsprechern bei, an die ich mich über einen langen Zeitraum gewöhnt habe. Es gibt offenbar noch diese feinen Ausnahmen am Markt, bei denen man genau weiß, dass sie einen auf Jahre täglich faszinieren können. Für mich gehört die Einklang definitiv dazu.

Zwecks Einarbeitung neuer Testprobanden habe ich mir einen kleinen Vorrat an Schlagzeugmisshandlungen angelegt. Von A wie Antolini, Charly über L wie Lombardo, Dave bis S wie Smith, Kurtis wird hier das komplette Spektrum einer „Schießbude“ je nach Leistungslieferant und Luftbeweger realitätsnah abgeliefert. Kurtis Smith, in der britischen Bluesrock-Truppe The Brew das Pendant zu Animal aus der Muppet Show, prügelt sich in der zweiten Hälfte seines „Burt’s Boogie“ mit bloßen Fingern durch das Set. Live eine Show, zu Hause eine Herausforderung für jeden Schallwandler.

Heco Direkt Einklang

Und was macht die kleine Heco aus der Nummer und den Darbietungen ihrer Kontrahentinnen? Um ehrlich zu sein sehen meine Schallwandler unter dynamischen Aspekten ein wenig verschlafen aus. Die Heco setzt die Schläge zwar nicht im audiophilen Sinne perfekt um, sie besitzt keine Monitor-Qualität im strengen Sinn. Aber sie vermittelt dieses Solo zu genau 97 Prozent so, wie es mir schon im winzigen Club „de Keller“ zu Mettlach live nachhaltig die Trommelfelle massierte: direkt, knackig, versatzlos, schön fies, wenn das Messing scheppert, mit deutlichem Nachhall, aber ultrapräzisen Tritten in die alte Ludwig-Fußmaschine. Meine eigentliche Referenz, wenn es um dieses Drumsolo geht, steht im Schlafzimmer. Dort wandern ausschließlich die Gerätschaften hin, die nicht nur „Arbeit“ bedeuten, sondern einen zu wohligster, intensiver Beschäftigung zwingen. Und wenn’s mir passt, bleiben solche Preziosen auch mal 17 Jahre dort stehen. Wie meine Audio Physic Seemon. Quirlig wie Lachse im Wasser und präzise wie eine Atomuhr, bilden die Boxen schon so lange den unverrückbaren Mittelpunkt der Anlage. Und bisher bin ich da auch nicht fremdgegangen; es gab Experimente, aber in dem vollgestellten Zimmer versagte fast jede Alternative.

Kompakt genug wäre die Einklang theoretisch. Also gut, Versuch macht klug!

Es wird recht eng, der Hörabstand liegt bei nur anderthalb Metern mit kaum Platz nach hinten und vorne. Mieser könnten die Vorrausetzungen kaum sein. Theoretisch! Die Einklang schaut im Nahfeld direkt auf den Hörplatz und bleibt spürbar unter ihren Möglichkeiten, die sie im größeren Raum so locker ausspielen konnte. Die Präzision im Bass hat sich verflüchtigt, aber die üppigen, greifbar wirkenden Rauminformationen machen neugierig. Da geht noch was! Ich rücke den beiden Bassreflexöffnungen mit Wollsocken zu Leibe, das entspricht zwar nicht ganz der reinen Lehre, aber erfahrungsgemäß kann es den prinzipbedingt etwas aufgeblähten Tiefton von Bassreflex-Konstruktionen in zu kleinen Räumen zähmen. Auch bei der Heco Einklang zeigt diese Maßnahme den gewünschten Effekt – der Bass kickt wieder vorbildlich knackig. Doch auf (zu) wenig Raum wirken sich auch die schönfärberischen Züge der Breitbänder deutlicher aus, als es bei großzügigerem Wandabstand der Fall war.

Als ich zufällig eine Box radikal eindrehen musste, um auf der Plattensuche ans Regal zu kommen, dämmerte es mir: Warum an eingebläuten Meinungen über Stereodreieck und Ausrichtung hängen, wenn seltsame Varianten im Spezialfall besser funktionieren? Mit dem Ergebnis, dass die beiden Punktschallquellen in einem Abstand von knapp zwei Metern im Winkel von sechzig Grad zueinander spielen und mir während Marketa Irglovas „Point of Creation“ in perfektem Einklang von Timing, Transparenz, Fundament, Weite, Auflösung und all den Attributen, mit den wir in mittels unseres beschränkten Wortschatzes versuchen zu beschreiben, was mit Worten gar nicht zu fassen ist. Die Heco steht nicht länger im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, an ihrer statt rückt die Melodie als realistisches Bild ins Zentrum. Nicht als Ergebnis einer Addition aus Bruchstücken oder vertikal zerpflücktes Klang-Patchwork, sondern als musikalische Einheit, in der nichts stört oder irritiert. Perfekter Einklang – der Name ist Programm.

Heco Direkt Einklang Navigator

 

Standlautsprecher Heco Direkt Einklang

Funktionsprinzip: 1-Weg-Bassreflex
Impedanz: 4–8 Ω
Wirkungsgrad: 94 dB
Frequenzbereich: 32–19 200 Hz
Ausführungen: Schwarz oder Weiß/Silber
Maße mit Standfüßen (B/H/T): 38/93/38 cm
Gewicht: 19 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Paarpreis: 1998 €

 

www.heco-audio.de

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