FIDELITY Feedback: Beat Spacek – Modern Streets

Das Schöne an der digitalen Welt ist ja, dass viele ehemals kostspielige und auch bildungsintensive Tätigkeiten demokratisiert und für jeden zu haben sind. Wo früher noch für die Produktion elektronischer Klänge ein mit teurem Geraffel zugeparktes Tonstudio notwendig war und natürlich auch das komplette Know-how, wie dieses ordnungsgemäß zu bedienen ist, da begnügen sich heute die Jungs und Mädels mit schicken kleinen Apps für ihr Smartphone – und ab geht der Spaß. Das hat sich auch Steve White aka Steve Spacek gedacht, der nun unter Beat Spacek firmiert, und nach seinem Soul-Elektro-Klassiker Vintage Hi-Tech nun ein an die alten Zeiten anknüpfendes Album vorlegt.

Beat Spacek

Beat Spacek – Modern Streets
Ninja Tune, 2015

Modern Streets spielt mit diesen unzähligen Music-Apps und -Gadgets, die in der digitalen Sphäre kursieren. Mit feinstem Gestaltungswillen verknüpft – man könnte auch sagen: veredelt – Mr. Spacek die kleinen Anwendungsspielchen und amalgamiert sie mit seinem sensiblen Soul-Falsett zu einem hybriden Geäst multikultureller Musikerfahrung, wie sie wohl nur in Spaceks Heimat London möglich ist. Dieses Album braucht freilich Zeit. Es fehlen die spontanen Überwältigungsstrategien, da bumst und zischt es nicht, da gibt es auch keinen spontanen Basskick in die Magengrube, dafür aber mäandern ausgetüftelte elektronische Texturen zwischen den Lautsprechern umher, die alles Auftrumpfende gar nicht benötigen. Ein gelungenes Comeback eines klugen Kopfes mit einer nicht alltäglichen Stimme. Hier ist Ninja Tune bereits zu Beginn des neuen Jahres ein ganz großer Wurf gelungen.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 19 (3/2015)

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