Test: Kompaktlautsprecher Wharfedale D320

Was kostet eine Anschaffung fürs Leben? Auf diese Gretchenfrage hat die britische Traditionsmarke Wharfedale eine ganz neue und ziemlich gute Antwort

Platz, so will es der Volksmund, ist in der kleinsten Hütte. Na, denkste – mannshohe Standboxen wären für mein damaliges Studentenappartement in der Fünfer-Wohngemeinschaft vermessen gewesen, haben auch in der Küche nichts zu suchen und manchmal ist ja doch noch das alte Bücherregal der dominierende Einrichtungsgegenstand der Wohnstube. Wenn es um großen Klang geht, ist das aus physikalischen Gründen oft eine Herausforderung. Dass es einen Ausweg aus diesem durch die Naturgesetze vorgegebenen Dilemma gibt, zeigt seit erklecklichen Jahrzehnten die britische Marke Wharfedale. Für deren Produkte muss man sich kein abgeschiedenes Haus im Nirgendwo zulegen, um endlich gescheit Musik hören zu können – wobei auch das eine Möglichkeit wäre, denn nach dem Kauf hat man sicher noch etwas Geld übrig – die Modelle der neuen 300er-Serie von Wharfedale, aus der wir die Schallwandler D320 zum Test erhielten, kosten nicht die Welt und stellen keine überzogenen Ansprüche an ihre Peripherie. Sie brauchen auch keine Klang-Kathedrale als Aufstellungsort. Einzig eine Wand im Rücken wäre vielleicht ganz gut.

Wharfedale D320

Die 300er-Reihe nimmt im Grunde genommen den Platz ein, den die legendäre Einstiegsserie Diamond 9 einst innehatte: am günstigeren Ende der Preisskala. Die Reihe besteht derzeit aus einer ausgewachsenen Standbox, einem Center Speaker für den Einsatz im Heimkino und eben zwei Regallautsprechern, von denen die 320er die etwas größere Version ist: 31 Zentimeter hoch, 18 breit und 25 tief – keine Miniaturschallwandler, sondern eine ansprechend handliche Dimensionierung, die vielfältige Einsatzmöglichkeiten eröffnet und absolut amtlichen Klang liefert.

D320 rosewood (3)Auch wenn man es von Wharfedale nicht anders kennt, ist der erste Eindruck, der sich beim Auspacken ergibt, durchaus erstaunlich: Die D320 sind von einer hochwertigen Verarbeitungsqualität, die man sich von weitaus preisintensiverem Gerät manchmal wünschen würde. Das Rosenholz-Finish der Testexemplare (weiterhin erhältlich: weiß, Walnuss und Ebenholz) ist edel gemasert und wohlgerundet in Form gebracht, wobei die Nahtstelle ordnungsgemäß auf der Unterseite versteckt wurde. Vier kleine Füße verleihen der D320 einen sicheren Stand, entkoppeln sie wirkungsvoll vom Untergrund und lassen etwas Raum für den Luftaustritt aus dem nach unten weisenden Bassreflexrohr, das sorgfältig bündig eingepasst wurde. Die Anschlussterminals für Litze und Bananenstecker haben ein sauber geschnittenes Gewinde und bestätigen das gute Gefühl, es mit einem hochwertigen Produkt zu tun zu haben.

Wenn man viel Klang aus wenig zur Verfügung stehendem Raum herausholen möchte, muss man sich etwas einfallen lassen. Im Falle der D320 hat man sich daher entschieden, den Bassreflexport nach unten zu führen. Dies hat neben immanenten Nachteilen auch gewisse Vorteile bezüglich Raummoden, in erster Linie sieht es aber schöner aus. Als Ergebnis liefern die D320 ein sattes Bassfundament, das aber klar konturiert ist und den Tieftonbereich zugleich mächtig und präzise nachzeichnet.

Natürlich hat ein Zwei-Wege-System prinzipbedingt den Vorteil, Platz zu sparen. Zugleich kann die Wiedergabe aber sehr präzise sein. Und als eine der ältesten Lautsprecher-Marken kennt sich Wharfedale damit exzellent aus, verhalf man mit Ingenieur- und Erfindergeist diesem Prinzip doch in grauer Vorzeit zum Durchbruch. Im Falle der D320 kommt ein Tiefmitteltöner mit 130 mm Durchmesser zum Einsatz. Er besteht aus Kevlar, eine synthetische Faser, die als Gewebe nicht nur optisch etwas hermacht, sondern eine extreme Steifheit aufweist. Um ein möglichst breites Spektrum wiedergeben zu können, kommt ferner ein 25 mm durchmessender Tweeter mit Seidenkalotte zum Einsatz, wie er sich ähnlich bereits in der runderneuerten Diamond-11-Serie bewährt hat.

D320 blackwood (1)Damit sind die D320 für alle musikalischen Lebenslagen gut gerüstet. Im Grunde muss man sich nicht mehr viele Gedanken machen: Was den Verstärker anbetrifft, so sind die Schallwandler nicht allzu wählerisch. Auch bei der Aufstellung gibt es kaum Fallstricke. Eine freie Platzierung im Raum oder auf Ständern ist nicht verkehrt und kommt der Übersichtlichkeit des Klangbildes zugute. Weil es sich aber nun einmal um relativ kleine Exemplare handelt, ist eine wandnahe Aufstellung mit etwa 20 Zentimeter Abstand empfehlenswert, um die Basswiedergabe plastischer hervortreten zu lassen.

Das bestätigt sich auch im Hörtest. Schon freistehend zeigen sich die Wharfedale beeindruckend präzise und knackig. Sie lassen eine dreidimensionale Bühne von großer Plastizität entstehen, das Hörerlebnis ist klar und schlank, eher analytisch. Im Regal treten die Bässe fulminanter hervor, der sich ergebende Klangeindruck ist warm und rund, die D320 zeigen sich spielfreudig.

Versuchen wir es zunächst mit etwas Aufgeräumtem: Der Song „Me Ship Came In!“, jenes muntere und auch leicht bizarre Easy-Listening-Stück von Style Councils Album Café Bleu, besticht durch eine feine Produktion und reiche Instrumentierung. Die D320 bringen dies ausgezeichnet zur Geltung. Die Percussions kommen knackig, das Klavier wird in ganzer Breite in den Raum gestellt. Das Besenspiel auf dem Track „The Paris Match“ ist ausgezeichnet nachvollziehbar, enorm präsent und scheint ein wenig über der Stimme zu schweben. Insgesamt ist das Klangbild dreidimensional und in Breite und Tiefe exzellent gestaffelt.

Wharfedale D320Ordnung und Sauberkeit sind die eine Sache. Aber können die Wharfedales denn auch richtig zupacken? Sie können. Nehmen wir ein altes Schätzchen zur Hand – „Temptation Waits“ von dem einstmals sehr gefeierten Album Version 2.0 der Formation Garbage um den Produzenten Butch Vig. Damals, Ende der Neunziger, war die Kreuzung traditioneller Popmusik mit Dance-Elektronik eine kleine Sensation. Klangideal waren pumpende Bässe, wie man sie von Dancefloor-Produktionen kannte, mit einem üppigen Mittenbild und strahlenden Akzenten in den Höhen. Die Wharfedales lösen diese Aufgabe perfekt. Die akustischen Drums und programmierten Loops sind gut voneinander getrennt, produktionstechnische Spielereien wie die Filter-Sweeps auf der Snare gut eingebunden in den Gesamtmix. Und tatsächlich schieben die Regalboxen die durch den Produzentenwahn aufgeblasenen Bässe amtlich durchs Wohnzimmer – da kommt Disco-Stimmung auf. Damals wurde noch nicht so extrem komprimiert gemastert, sodass der Refrain mit frappierender Dramatik einsetzt und ziemlich reinhaut. Die Wharfedales setzen den gehörigen Dynamiksprung ausgesprochen freudig in Szene.

Auch in anderen musikalischen Gefilden – ob Jazz, Klassik oder härtere Rockgangarten – erweisen sich die Wharfedale D320 als hochmusikalische Arbeitspferde, die Streicher, Bläser, Gitarren, Bässe und Stimmen mit großer Verve zur Geltung bringen. Sie liefern für einen absolut konkurrenzlosen Preis überragenden Sound – und dürften angesichts der überzeugenden Verarbeitungsqualität durchaus eine Anschaffung fürs Leben sein.

 

 

Lautsprecher Wharfedale D320

Funktionsprinzip: 2-Wege-Kompaktlautsprecher, Bassreflex

Impedanz: 4Ω

Wirkungsgrad: 87dB

Frequenzumfang: 56 Hz–20 kHz

Ausführung: Weiß, Ebenholz, Walnuss, oder Rosenholz

Maße (H/B/T): 31/18/28 cm

Gewicht: 6kg

Garantie: 2 Jahre

Paarpreis: 250 Euro

 

 

www.iad-audio.de

www.audiolust.de

 

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