FIDELITY Feedback: Jean-Pierre Armengaud – Poulenc: Ballet Suites

Das Klavier war Francis Poulencs Instrument, doch die Musik der vorliegenden CD hört man praktisch nie. Der Grund: Es sind keine originalen Klavierwerke, sondern Klaviersuiten-Fassungen seiner drei Ballettmusiken. Die beiden frühen Klaviersuiten arrangierte Poulenc sogar selbst: Sie dienten nämlich der Einstudierung der Premieren-Choreografie und sind hier zum allerersten Mal auf Tonträger zu hören.

Jean-Pierre Armengaud – Poulenc: Ballet Suites

Jean-Pierre Armengaud – Poulenc: Ballet Suites
Naxos, 2014

Das Ballett Les Biches (1923, Die Hirschkühe) entstand dabei noch für den Ballett-König Diaghilew, während die etwas melancholischere Aubade (1929, Morgenmusik) ursprünglich ein choreografiertes Klavierkonzert war. Les Animaux modèles (1941, Die Tiermodelle) nach Fabeln von LaFontaine sollte dagegen in düsterer Kriegs- und Besatzungszeit für etwas Aufhellung sorgen: Der Bär, die Heuschrecke, die zwei Hähne schaffen das mühelos. Poulencs Musik ist strukturell immer unbeschwert, oft sogar leichtsinnig. Sie bewegt sich in blühender Melodik zwischen Clownerie und Bescheidenheit. Auch wenn sie auf Harmonien von Strawinsky oder Debussy zurückgreift, so übersetzt sie sie sofort wieder in leicht fassliche tonale Zusammenhänge. Die „geistige Leichtigkeit, ohne die das Leben unerträglich wäre“, war Poulenc wichtig. Jean-Pierre Armengaud, der bei der Aufnahme (2013) kurz vor seinem 70. Geburtstag stand, begegnet dieser Musik kraftvoll, hemdsärmelig und ohne falsche Verfeinerung. Es scheint, als wolle er uns immer daran erinnern, dass das ja Orchester- und nicht Solomusik ist. Egal, Poulenc verträgt es.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 18 (2/2015)

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