Audio Note auf dem Analog Forum 2018 – Die Grenzen der Wahrnehmung

Audio Note aus Großbritannien präsentierte in Krefeld erstmals einen serienreifen TT Three und hielt noch einige andere Überraschungen bereit

Falls wirklich mal jemand fragt, worum es bei Highend geht, was das eigentlich ist, halte ich einen obgleich über die Jahre gewachsenen recht überschaubaren Vorrat an Beispielen bereit. Keine Kaufempfehlungen, auch keine singulär betrachteten Komponenten, die sich ohnehin niemand leisten kann, sondern Erlebnisse, Schallplatten, geglückte Installationen. Eine Präsentation von Audio Note gehört unbedingt dazu. Messevorführungen von Audio Note sind Musikwiedergabe in ihrer reinsten Form, deshalb werden sie auch gern übersehen (mehr über den britischen Hersteller erfahren Sie HIER oder über Peter Qvortrup, den charismatischen Kopf dahinter, HIER bzw. in Who is Who in High Fidelity Bd. 1). Sie haben keinen Einpeitscher, der in blumigen Worten der Einführung erklärt, mit welch komplexen Materialkompositionen es endlich gelungen sei, physikalische Grundlagen der Akustik zu überlisten, die Geräte von Audio Note ziehen die Blitzlichter der Tageszeitungsreporter nicht unbedingt auf sich und die Röhren stecken häufig in den Gehäusen! Aber setzt man sich nur zehn Minuten mit offenen Ohren und Aufnahmebereit in eine Messevorführung wie die des deutschen Vertriebsleiters Alexander Voigt in Krefeld, dann weiß man alles über Highend und kann so manch spektakuläre Konstruktion als das erkennen, was sie ist: überschätzt.

Analog Forum 2018 Mercure Hotel Krefeld

Der TT Three von Audio Note spielte erstmals als serienreifes Modell, die Verstärkung übernahm der FIDELITY-prämierte Meishu mit Phonoentzerrer an Bord.

Alexander Voigt ist ein alter Hase der Branche und so ziemlich das Gegenteil eines Marktschreiers. Aber er weiß, wie man eine Anlage zum Klingen bringt. Ein wenig Glück gehört natürlich auch dazu, denn sein Produkt Audio Note, das für ihn weit mehr darstellt als einen bloßen Markennamen, macht es ihm dabei leicht.

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Lautsprecher von Audio Note sind für den Betrieb in der Raumecke optimiert

Nach Krefeld zum jährlichen Analog Forum hatte er in diesem Jahr die lange erwartete serienreife Version des Plattenspielers TT Three dabei (Lesen Sie unseren Test HIER oder in FIDELITY Nr. 39), dessen Umfeld längst nicht die Spitze des Audio-Note-Portfolios darstellt, sondern im Gegenteil eine ziemlich praxisnahe Anlage der Engländer präsentierte: Dreh- und Angelpunkt der Kette bilden ein Pärchen legendärer 300B-Röhren, verborgen im rechteckigen Blechkleid eines Meishu-Vollverstärkers wie er in eben dieser Konfiguration auch schon äußerst erfolgreich einen FIDELITY-Test durchlaufen hat (das können Sie entweder HIER oder in FIDELITY Nr. 27 nachlesen). Wir wissen also schon, dass die rund acht Watt des Meishu klanglich Gold wert sind und die Zuhörer in Krefeld sollten das auch sogleich erfahren. Mein erster Besuch im Hotelzimmer von Audio Note war am Samstag als Alexander Voigt wie gewohnt eher wortkarg – tatsächlich ein spezieller Vorführ-Modus, ansonsten kann man sich mit ihm prima verplaudern – Platten mit klassischer Musik auflegte. Entschuldigen Sie, dass ich mir keine Titel notiert habe, ich war für 20 Minuten wie ausgeklinkt aus dem Messebetrieb und versunken in Gedanken und Musik.

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Acht Watt Magie: Der Vollverstärker Meishu mit 300B-Röhren von Audio Note

Wie schaffen die Engländer das nur mit in die Ecke gequetschten Zwei-Wege-Lautsprechern – das mir altbekannte Modell AN-E – und unter modernen Gesichtspunkten geradezu lächerlicher Verstärkerleistung einen so gewaltigen Eindruck zu hinterlassen, der einen immer völlig von den technischen Aspekten der Wiedergabe wegführt. Regelmäßig ertappe ich mich bei der Messenachlese dabei, wie es mich bei Audio Note wieder einmal nicht interessiert hat, ob und was genau neu und noch besser als vorher schon war, dass ich erneut nicht nachgeschaut habe, ob der 2.1x-Signature-DAC einen USB-Eingang hat (natürlich nicht, wo denken Sie hin) oder auf Sicht geprüft habe, ob der Nadelazimut des Plattenspielers korrekt wirkt. Audio-Note-Vorführungen sind für mich so etwas wie Kurzurlaube vom Messeurlaub. Der Plattenspieler spielte übrigens in der Standardausführung, jedoch mit großem Netzteil 3 und kostet in dieser Konfiguration 12000 Euro.

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Vincent Bélanger verschwand mit seinem Cello fast in der Wiedergabekette

An beiden gut besuchten Messetagen schloss Alexander Voigt die Tür von Zimmer 151 rigoros mehrmals täglich für eine Viertelstunde, denn dann gab sich die heimliche Attraktion Vincent Bélanger die Ehre, live und im direkten Vergleich zur Audio-Note-Kette aufzutreten. Nach einer kurzen Einführung griff sich der kanadische Cellist, der beim Audio-Note-Label unter Vertrag steht, seinen Bogen und strich dem kleinen Hotelzimmer angemessen sanft über die Saiten seines Instruments. An der Echtheit dieses Tons besteht in anderthalb Metern Entfernung nicht der geringste Zweifel, das Cello füllt den Raum mit sonorer Energie wie es wohl nur der Resonanzkörper eines echten Instruments kann. Es geht bei dieser für einen Audio-Hersteller sehr mutigen Vorführung aber auch nicht darum, die Kongruenz zwischen Live und Wiedergabe zu beweisen, damit wären wir wieder bei den eingangs kurz erwähnten Blendern, sondern darum, den Täuschungsgrad der Illusion zu bewundern. Jener zeigte sich direkt im Anschluss, als eine Aufnahme von Vincent Bélanger erklang.

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In Standard-Ausführung mit großem Netzteil kostet der TT Three 12000 Euro

Klangfarbenreichtum, Harmonie und Kohärenz deckten sich in einer Weise, die mit einem reinen Vergleich des Frequenzgangs unzureichend beschrieben wären, mit dem Live-Vortrag. Mit geschlossenen Augen war kurz darauf kaum mehr zu unterscheiden, wann das Cello von der Konserve zugespielt wurde und wann es sich physisch in die Wiedergabe mischte. Auch wenn ich diesen Vergleich schon mehrfach miterleben durfte, hinterlässt er immer wieder aufs Neue einen tiefen Eindruck. Audio Note gelingt es mit Technik, die nicht immer auf dem letzten Stand ist – der Meishu befindet sich seit über zwanzig Jahren im Programm – die Essenz von Highend, das Gefühl dabei zu sein, auf den Sweetspot zu bringen. Für mich war die Serienreife des TT Three dagegen eher eine Randnotiz, zumal ich den Plattenspieler als Prototypen schon gut kannte, aber zweifellos gehört er im Umfeld der Audio-Note-Kette zu den besten analogen Quellen, die es gibt.

 

www.audionote.co.uk

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