Test beyerdynamic Amiron Wireless – Kabellos glücklich

Der beyerdynamic Amiron Wireless überzeugt nicht nur mit makelloser Bluetooth-Technik, sondern auch mit einer faszinierenden Personalisierung des eigenen Klangprofils

Der Kopf ist der Raum. Diese simple, aber weitreichende Einsicht steht immer am Beginn eines Kopfhörerkaufs. Alle positiven wie negativen Effekte, die der Raum beim Musikgenuss mit einem klassischen Lautsprecher verursachen kann, finden nun allein am und vor allem im Kopf statt. Das heißt aber auch, dass mir bezüglich der Optimierungsmöglichkeiten die Hände gebunden sind. Kein Verrücken der Lautsprecher ist nun möglich, keine Veränderung der Hörposition und vor allem keine Raumoptimierung mittels Akustikelementen wie Absorbern oder Bassfallen. Nun gut, über das Austauschen und Modifizieren der Earpads könnte man noch reden, aber dann sind wir schon im Bereich der DIY-Bastelei angekommen und ein in seiner Anmutung und Haptik edles Gerät wie einen beyerdynamic Amiron möchte man nun nicht durch eigene Modifikationen verunstalten. Nur gut, dass mittlerweile auch die Hersteller ambitionierter Schallmützen die technischen Möglichkeiten nutzen, um das oben beschriebene Problem zu unseren Gunsten zu beseitigen.

beyerdynamic amiron wireless

Der individuelle Frequenzgang für das individuelle Gehör

Ganz weit vorne im Markt ist hier zweifellos beyerdynamic mit der Personalisierungs-App MIY, die es erlaubt, das Klangprofil des Kopfhörers exakt auf die individuelle Signatur des eigenen Hörempfindens und auch Hörvermögens abzustimmen und die selbstverständlich im Amiron Wireless zum Einsatz kommt. In Zusammenarbeit mit Mimi Hearing Technologies, dem führenden Unternehmen im Bereich der digitalen Klangpersonalisierung, strebt beyerdynamic das individualisierte Hören an. Die für iOS und Android erhältliche App spielt Testtöne mit unterschiedlicher Tonhöhe und Lautstärke. Mittels der Benutzersteuerung kann der Hörer nun der Software verraten, welche Töne wie laut gehört werden, und diese erstellt daraus ein individuelles Hörprofil. Wenn wir den Raum, sprich den Kopf bzw. das Gehör nicht verändern und optimieren können, so muss eben das Abspielgerät unseren persönlichen Bedürfnissen angepasst werden. Dies ist der Grundansatz bei Mimi Technologies. Prozesse, die bei der Klangverarbeitung im menschlichen Gehör stattfinden, werden adaptiert und so auf den Frequenzgangs des Kopfhörers übertragen, dass dieser nun in der Lage ist, das Gehirn dabei zu unterstützen, besser zwischen unterschiedlichen Klangelementen zu unterscheiden und diese zu verarbeiten. Besonders hilfreich ist die Personalisierungsmöglichkeit, wenn es sich um einen Wireless-Hörer handelt, der ja gerade dafür vorgesehen ist, sich flexibel in unterschiedlichen Räumen und vor allem mobil außerhalb des Wohnzimmers zu bewegen. Auch wenn es sich beim Amiron um einen geschlossenen Kopfhörer handelt, der in nahezu perfekter Weise die Umwelt abschirmt, so gibt es doch immer wieder Situationen, bei denen doch auch dann noch die Geräusche der Umwelt in geringer Weise erfahrbar sind. Auch hier kann die MIY-App mittels einer neuen Signatur zu einer perfekten Anpassung führen.

beyerdynamic Amiron wireless

 

Ambitionierte Bluetooth-Technik mit allen Codecs

Apropos Wireless: Natürlich wird diese Amiron-Variante ebenso wie die des Amiron Home mit einem Kabel geliefert. Auch wenn der HighEnder bei den Worten Wireless und Bluetooth mitunter noch zusammenzucken mag, hier gilt es, die Vorurteile abzulegen und sich auf das technische Know how aus dem Hause beyerdynamic einzulassen. Sämtliche aktuelle Codecs finden bei der Übertragung Verwendung, so dass nicht nur in einer Entfernung von bis zu zehn Metern vom Smartphone, Tablet oder Laptop ein kabelloses Vergnügen ohne jede Verzögerung möglich ist, auch hochauflösende digitale Formate sind verlustfrei zu goutieren. Folgende Codecs finden also bei der Bluetooth-Übertragung Verwendung: Qualcomm, aptX, aptX HD, Apple AAC und aptX LL. Die Einrichtung geht übrigens vollkommen unkompliziert, sowohl mein nicht mehr ganz aktuelles Iphone SE als auch das Low-Budget-Android-Gerät meines Sohnes hatten keine Probleme beim Installieren der App und ihrer Anwendung. Ebenso wurde der Amiron im Handumdrehen als Bluetoothpartner erkannt. Schön, dass komplexe Technik auch mehr oder weniger im Plug-and-play -Modus funktionieren kann.

Geschlossener Kopfhörer mit perfekter Raumausleuchtung

Und wie klingt es nun? Beginnen wir mit einem Geständnis: Ich bin ein ausgesprochener Freund geschlossener Kopfhörer. Ja, ich kenne diese ganzen audiophilen Invektiven gegen geschlossene Systeme von wegen topfiger Klang, enge Bühne, geringer Auflösung. Aber mir erschließt sich der Sinn eines Kopfhörers eben erst, wenn er geschlossen ist. Ich möchte nun mal von der Außenwelt abgeschottet sein, ansonsten könnte ich ja auch meine Lautsprecher nutzen. Und die oben genannten Klischees könnte man auch auf offene Systeme umdrehen: Schlechte Ortbarkeit, keine Unmittelbarkeit des Klangs und so einiges mehr. Also mal eben alles an audiophilem Vorwissen über Bord geworfen und den Amiron pur ohne Personalisierung aufgesetzt. Über meine Qobuz-App streame ich mir die krachig-experimentellen Streichquartette aus New Sounds From Manchester von Quatuor Danel im HigRes-Format auf den Kopfhörer. Das sitzt im wahrsten Sinne des Wortes. Vier Musiker agieren in einem klar umrissenen Raum, harte Pizzikati ohne Weichzeichnung und ein Bassfundament von Bratsche und Cello, das ganz tief herab geht, aber ohne jede wummsige Dröhnung. Hier sitzen nicht vier Musiker verloren im Raum, sondern bilden eine perfekt harmonierende Einheit. Auch der Wechsel auf die DJ-Kicks der Herren Brandt, Brauer, Frick zeigt, dass der Amiron ein gesundes Bassfundament unterlegt, aber ohne nennenswerte Basserhöhung arbeitet und all die frickeligen Elektro-Beats wunderbar im Raum auflöst. Ein in allen Belangen äußerst neutral abgestimmter Kopfhörer, wobei leichte Anflüge einer gewissen Wärme im Mitteltonbereich von mir sehr wohlwollend aufgenommen werden. Da ich bereits zu diesem Zeitpunkt recht angefixt von meinem Testgerät war, hätte ich doch fast das Ausprobieren der Personalisierung vergessen. Also das Hörprogramm nochmal rückwärts, aber jetzt eingemessen. Erstaunlich, was passiert: Nein, es klingt nicht plötzlich komplett anders. Vielmehr positioniert sich das Klanggeschehen ein wenig anders, es rastet klarer ein, insbesondere was die Raumdarstellung anbelangt. Auf der visuellen Ebene kennt man das von hochauflösenden Bildern, die erst einen Moment auf dem Bildschirm brauchen, bis sie in kompletter Auflösung zu sehen sind. Einen ähnlichen Effekt bemerke ich, unabhängig von der gewählten Musik, wenn ich zwischen Personalisierung und Nicht-Personalisierung wechsle.

beyerdynamic Amiron wireless

Perfekter Tragekomfort mit noblen Alcantara-Pads

Für einen geschlossenen Kopfhörer überzeugt der Amiron übrigens mit einem sehr angenehmen und eher lockeren Auflagedruck der Alcantara-Polster. Nun ist der Kopfhörer ob seiner Größe auch nicht zum Joggen und auch nicht für die tägliche Busfahrt ausgelegt, sondern für das flexible Bewegen in den eigenen vier Wänden. Aber auch für eine mehrstündige Zugfahrt erscheint mir der Heilbronner Kopfhörer ein idealer Begleiter zu sein, man holt sich auf eine bequeme Art das heimische Wohnzimmer ins Zugabteil. Zumindest bin ich schon lange nicht mehr so schnell und so angenehm von Berlin nach Hamburg gekommen wie mit Sophie Hunger im Gehörgang, perfekt personalisiert und ohne jedes Kabelgewirr, nur mein Ipad und der Amiron. Das ist sie, die perfekte Leichtigkeit des Seins.

beyerdynamic Beitrag

 

beyerdynamic Amiron Wireless

 

Wandlerprinz: dynamisch,Tesla

Arbeitsprinzip: geschlossen, ohrumschließend

Übertragungsbereich: 5–40.000 Hz (Kabelbetrieb)

Nennimpedanz: 32 Ω

Kennschalldruckpegel mit Klinkenkabel: 100 dB (1 mW / 500 Hz)

Nennbelastbarkeit: 200 mW

Klirrfaktor: < 0,05% bei 500 Hz

Gewicht ohne Kabel: 380 g

Garantie: 24 Monate

Preis: 699 Euro

Amiron Wireless im Black Friday Special für 599 Euro

 

 

www.beyerdynamic.de

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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