FIDELITY Feedback: Marius Neset – Pinball

Auch auf seinem dritten Leader-Album innerhalb von nur knapp zwei(!) Jahren gelingt es dem Norweger, alle Wünsche auf einmal zu erfüllen. Als Ausnahme-Saxofonist beschenkt uns Marius Neset ein weiteres Mal mit dem kompletten Spektrum: mit wundersamen lyrischen Momenten, packender Virtuosität à la Michael Brecker, wild-verblüffenden Avantgardismen am Instrument, experimentellen Duo-Besetzungen und sogar mit einem hymnischen Saxofonchor.

Marius Neset – Pinball

Marius Neset – Pinball
ACT, 2015

Als ambitionierter Komponist wiederum liefert der norwegische Senkrechtstarter Partituren von haarsträubender Dichte: mit übereinander gelagerten, mörderischen Grooves, üppig verflochtenen Begleitstimmen, Zutaten aus Weltmusiken aller Art und natürlich mit rasanten, verwegenen, genialisch zerklüfteten Hauptthemen. Das ist Neutönerei, aber von überwältigender Lebensfreude – voller Rhythmus, Jubel und Zuversicht! Sein Quintett mit Ivo Neame (Keyboards), Jim Hart (Vibrafon), Petter Eldh (Bass) und Anton Eger (Drums) agiert da eigentlich gar nicht mehr als Quintett, sondern längst wie eine multikulturelle und multistilistische Hochleistungs-Musikmaschine und meistert auch die verzwicktesten Herausforderungen. Nur in Ausnahmefällen müssen Gäste einspringen – an Cello, Violine, Flöte –, weil Neset manche Stellen eben noch etwas komplexer, noch vielstimmiger haben will. Jedes Album von ihm ist Freudenfest und Instrumental-Oper. Als Hörer kann man da nur jauchzend in Ekstase geraten.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 18 (2/2015)

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