FIDELITY Feedback: Dayna Stephens – Peace

Neue Jazzproduktionen hierzulande klingen manchmal vom ersten Ton an nach Langeweile und Sterilität. Da fehlt der rhythmische Sog, der musikalische Atem, der souveräne Gestaltungswille, der überspringende Funke. Zu vieles erinnert da noch an Klavierstunde und Schulvorspiel. Völlig anders ist diese Produktion. Der 36-jährige amerikanische Saxofonist Dayna Stephens hält sich nicht mit öden Einleitungen auf, er kippt einfach in die Melodie hinein und nimmt den Hörer ungefragt mit sich.

Dayna Stephens – Peace

Dayna Stephens – Peace
Sunnyside, 2014

Das Titelstück, die Ballade „Peace“ des 2014 verstorbenen Horace Silver, gibt dem Album dabei das Motto vor. Sämtliche Stücke sind langsam, sanft und ruhig. Es sind Jazz-Standards, Balladen, Filmmusik-Melodien, auch ein Jobim und ein Piazzolla gehören dazu. Stephens – abwechselnd an Bariton-, Tenor- und Sopransax – „singt“ all diese wunderbaren Mainstream-Themen, als hätte man sie ihm gerade geschenkt: Er modelliert sie hingebungsvoll, bescheiden, fast demütig. Auch seine unaufgeregten Improvisationen scheinen sich ganz aus ihrem Geist zu entwickeln, besitzen in ihrer sanften Erfindungskraft aber eine ungeheuere Spannung. Stephens’ Band, eine veritable Allstar-Formation, lässt die Stücke durch ihre vitale Empathie unwiderstehlich strömen und swingen. Vor allem Brad Mehldau, der Millenniums-Pianist, zaubert solistische Kleinode von brillanter Originalität und rührender Wärme. Selten kam ein so großes Jazzquintett so leise daher.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 18 (2/2015)

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