FIDELITY Feedback: Troyka – Ornithophobia

Na schön, nennen wir es Jazz. Schließlich erscheint das Album auf einem Jazzlabel. Allerdings scheint man bei der britischen Plattenfirma auch nicht so recht zu wissen, wie dieses umwerfende Experimentalwerk – das dritte Album von Troyka – eigentlich einzuordnen ist. Ihr Pressetext-Schreiber hört im Opener „Arcades“ einen „einzigartigen Mischmasch aus Prog, Thrash, Jazz, Blues und Bernard-Herrmann-Partitur“. Später fallen im Pressetext auch Namen wie Zappa und Hendrix. Das Trio selbst nennt als seine Einflüsse so unterschiedliche Musiker wie den Jazzsaxofonisten Tim Berne, den Elektroniker Aphex Twin, den Bluesgitarristen Albert King oder auch den HipHop-Jazz-Electronica-Rapper Flying Lotus. Eines wird daraus klar: Bei Troyka sind Brüche und Gegensätze angesagt.

Troyka – Ornithophobia

Troyka – Ornithophobia
Naim Jazz, 2014

Schummrige Elektronik-Moods kippen da um in donnernde Rock-Riffs. Jazzige Grooves münden in minimalistische Klangmuster. Manche Stücke durchlaufen ein halbes Dutzend Metamorphosen. Bei ihrer genialischen Zickzackfahrt durch die Stilistiken ließen sich Chris Montague (Gitarre), Kit Downes (Keyboards) und Joshua Blackmore (Drums) übrigens von Petter Eldh unterstützen: Der dänische Jazzbassist hat als Produzent, Mixer und Re-Sampler noch einen Schuss Berliner Zeitgeist ins Londoner Gebräu gerührt. Da braucht es keinen großen melodischen Bogen, kein schönes Thema, kein klares Solo. Die Kontinuität des Albums heißt Diskontinuität. Und die ist richtig packend.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 18 (2/2015)

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