FIDELITY Feedback: Wolfgang Haffner – Kind Of Cool

Was ist wahrscheinlicher? Dass es bei uns im August schneit oder dass Wolfgang Haffner eine Cool-Jazz-Platte macht? Also, ich hätte auf den Schnee getippt. Aber stattdessen kommt hier tatsächlich: Wolfgang Haffners Cool-Jazz-Platte. Schlauerweise heißt sie einschränkend Kind Of Cool – natürlich eine Anspielung auf Miles Davis’ Album Kind Of Blue, das auch kein richtiges Blues-Album war, aber irgendwie bluesig und zudem auch noch irgendwie cool, obwohl da so heftige Heißsporne wie Coltrane und Adderley mitspielten. Soll heißen: Wir dürfen auch bei Wolfgang Haffner nicht das reine „Cool“ erwarten, nicht den Sound von 1950 – und auch nicht bloß Repertoire aus jener Zeit.

Wolfgang Haffner

Wolfgang Haffner – Kind Of Cool
ACT, 2015

Denn „Cool“ ist zwar ein historischer Jazzstil, aber auch eine umfassende Haltung – und die wiederum besitzt das Album in der Tat. Es klingt relaxt, souverän, unaufdringlich, dynamisch gedämpft, höchst elegant, dabei reich im Detail. Für die jazzhistorische Substanz sorgen Größen wie der Weltruhm-Trompeter Dusko Goykovich, der einstige Dizzy-Gillespie-Saxofonist Jukka Perko oder der Kalifornien-erfahrene Jan Lundgren am Piano. Und Bandleader Wolfgang Haffner, der gefeierte Funk- und Fusion-Drummer, rührt selbstverständlich nicht sklavisch-sanft die swingenden Jazzbesen, wie das im echten Cool Jazz oft der Fall war. Er setzt vielmehr als Schlagzeuger, Arrangeur und Komponist interessante zeitgenössische Akzente – dabei immer „kind of cool“. Eine bloße Imitation der Musik von einst wäre ja auch witzlos gewesen. Das hier ist zehnmal spannender.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 18 (2/2015)

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