FIDELITY Feedback: Gong – I See You

Ein bisschen wenigstens ist die Zeit stehen geblieben. Da glissandiert immer noch die Gitarre durch Space & Time und wird nach wie vor von Kobolden und halluzinogenen Pilzen gesungen. Immer wieder tönt es so anarchisch, undergroundig, handgemacht und schrill wie damals in den Sechzigern, als die Psychedelik von Pink Floyd noch frisch war und die Mothers absurdes Musiktheater machten.

Gong

Gong – I See You
Madfish, 2014

Aber stehen geblieben ist die Zeit eben doch nicht. Eines der Stücke heißt „Occupy“ und neuestes Bandmitglied ist Gitarrist Kavus Torabi (Cardiacs, Knifeworld). Inspirationen holt sich Gong heute auch durchs Webradio. 47 Jahre sind vergangen seit der Bandgründung – und Daevid Allen, der Vater und ewige Leader der Formation, wurde kürzlich 77. Aber blenden wir einmal alles aus, was wir über die Geschichte dieser Band wissen oder zu wissen glauben – was hören wir? Wir hören ein Album, das überschäumt mit genialen und wirren, fragmentarischen und kraftvollen, immer aber überraschenden und verblüffenden Ideen. Spacige Sounds treffen da auf ein jazzendes Sax, rockende Riffs mischen sich mit Blödelsongs, atonale Melodien begleiten harte Bässe. Es gibt wundersam lyrische Stellen und packende Grooves und faszinierende Kompositionen. Ein Gong-Album kann nicht perfekt sein, darf nicht audiophil sein. Es muss unberechenbar bleiben, widerborstig, gegen alle Regeln. I See You ist eine Wundertüte ohne Boden. Viel, viel mehr, als die meisten bieten können.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 18 (2/2015)

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