Nordost Heimdall 2 – Generationswechsel

Der gute Name bleibt, die Zwei signalisiert Fortschritt: Nordosts Kabelfamilie Heimdall wurde behutsam überarbeitet.

Man trifft sich immer zweimal im Leben, heißt es. Die Kabelfamilie Heimdall des US-Herstellers Nordost war schon einmal zu Gast in meinem Hörraum. Noch heute, Jahre später, habe ich die pink schimmernden, attraktiv offen konstruierten Kabel in allerbester Erinnerung. Denn sie setzten nicht nur optisch, sondern auch akustisch auf Durchsichtigkeit. Im resultierenden Artikel packte ich meine Eindrücke in Formulierungen wie „ausgeprägte Räumlichkeit“, „Sinn für zarteste Schwingungen“ und „unüberhörbare Lust am leichtfüßigen Spiel“. Ich war sehr angetan.

Nordost Heimdall 2 Kabel

Nun liegt Heimdall in der zweiten Generation vor. Sichtbare Unterschiede zu den Ur-Heimdalls sucht man vergebens. Der Fortschritt liegt im Detail, und zum Verständnis hilft ein kurzer Blick auf die Geschichte des Herstellers und dessen bevorzugte Fertigungstechnik.

Nordost stammt aus, genau, dem Nordosten der USA (Firmensitz ist das malerische, unweit Boston gelegene Städtchen Holliston) und produziert seit 1991 Kabel für den anspruchsvollen Musikhörer. Dreh- und Angelpunkt ist die Technologie der Fluorethylenpropylen-Etrusion auf versilberte Kupferleiter. FEP schmückt sich mit einer vergleichbar niedrigen Dielektrizitätskonstante wie Teflon, bietet im Gegensatz zu diesem Werkstoff aber eine hervorragende mechanische Robustheit und lässt sich in Extrusionstechnik sehr präzise verarbeiten.
In meine Anlage halten NF-Verbinder, Lautsprecher- und Netzkabel aus der Heimdall-2-Familie Einzug. Das klassische analoge Vollprogramm, und doch nur ein kleiner Ausschnitt aus der am breitesten aufgestellten Kabelfamilie von Nordost. Es gäbe auch ein USB-Kabel, einen (für 4K-Übertragung optimierten) HDMI-Verbinder, ja selbst ein Netzwerkkabel mit Heimdall-2-Technologie. Auch eine Kopfhörerstrippe und ein „iKable“ genanntes Miniklinken-Kabel für den mobilen Einsatz sind im Angebot. Der vollständigen Heimdallisierung des audiophilen Haushalts steht nichts im Wege.

Alle Heimdall-2-Kabel basieren auf massiven Einzelleitern aus versilbertem Kupfer. Vor der Aufbringung des FEP-Mantels werden sie mit einem dünnen FEP-Steg spiralförmig umwickelt. Auf diese Weise reduziert sich der physische Kontakt zum Dielektrikum, was Leitungsverluste reduziert und damit der Übertragungsbandbreite und -geschwindigkeit im Leiter zugutekommen soll.

Ein Hauptmerkmal der zweiten Kabelgeneration ist das hier erstmals angewandte „mechanische Tuning“. Die Nordost-Entwickler haben sich eingehend mit Kabellängen und deren Auswirkung auf Eigenschaften wie Längenfrequenz und Wellenwiderstand beschäftigt. Das Ergebnis sind Kabellängen außerhalb des üblichen Meterrasters. Die Mikrofonieempfindlichkeit und der frequenzabhängige Resonanzwiderstand sollen von den neuen Maßen profitieren. Ich zücke den Zollstock, und tatsächlich: Das nominell 1,5 m lange symmetrische NF-Kabel misst inklusive Stecker 172 Zentimeter. Merke: Heimdall 2 – nur echt mit krummer Länge.
Weitere Veränderungen gegenüber der ersten Generation: Die Leiterdurchmesser wurden gegenüber den jeweiligen Urmodellen verändert, und das NF-Kabel gibt es nun mit dem bislang den Spitzenkabeln vorbehaltenen Dual-Mono-Filament. Die FEP-Doppelhelix erhöht nochmals den Luftanteil zwischen Leiter und Dielektrikum. Schließlich kommen neue, in Zusammenarbeit mit dem Spezialhersteller Neutrik angepasste MoonGlo-Stecker zum Einsatz sowie ein neues „asymmetrisches“ Massekonzept, das den Störabstand verbessern soll.

Bei Nordost geht man von einer klaren Hierarchie der Kabeleinflüsse aus. An erster Stelle sehen die Amerikaner dabei die Netzkabel, weil sie die Anlage überhaupt erst zum Leben erwecken. Was hier an Störungen in die Netzteile eingespeist werde, bekäme man im weiteren Verlauf nie wieder weg. Ein nachvollziehbarer Gedanke. Also beginne ich in der seit Wochen komplett Nordost-verkabelten Anlage, die (nun gut eingespielten) Netzkabel hin und her zu stecken. Als Vergleichsmaßstab dient mein mit sechs fest angeschweißten Naim-Netzkabeln bestückter Music Line PowerIgel.

 

Der jüngste Streich der Schweizer Electropop-Duos Yello ist das 2016 erschienene Album Toy. Es klingt – na ja, wie Yello eben. Flupp, Schnalz und Dieter Meiers patentierte Textdeklamation. Aber der Titeltrack „Frautonium Intro“ mit seinen sirrenden, schwirrenden Synthesizer-Flächen ist spannend. Während der PowerIgel mit den Naim-Netzkabeln hier einen nicht unsympathischen Schuss Wärme und Fülle ins Spiel bringt, rücken die Heimdall-2-Strippen die virtuelle Bühne einen Schritt hinter die Lautsprecherebene, bilden aber gleichzeitig einen Tick größer ab. So etwa, als wechselte ein Fotograf zu einem höher auflösenden Weitwinkel mit minimal kürzerer Brennweite. Die glasklare, präzise Wiedergabe des typischen nervösen Yello-Sounds mit den Nordost-Kabeln übt einen ganz eigenen Reiz aus.

Bei exquisit aufgenommenem Jazz ohne Studioeffekte spielen die Heimdalls ihre Stärken dann voll aus. Aus den Anfangszeiten des Labels Chesky Records gibt es Produktionen, die nur mithilfe eines einzigen Stereomikrofons im hervorragend klingenden Studio A bei RCA aufgezeichnet wurden. Ich höre „Just Friends“ mit dem Jazzgeiger Johnny Frigo. Der legendäre Ron Carter zupft himmlisch luftige Kontrabasslinien, und das Drumset ist mit einem so realitätsnah rohen Bassdrum-Rumpeln gesegnet, wie ich es von keiner anderen CD kenne. Hier sortieren die US-Kabel das Geschehen vorbildlich und unterstützen den Hörer dabei, sich je nach Gusto mal auf den Gitarristen in rechten oder linken Kanal zu konzentrieren, mal auf das Beckenspiel des Drummers oder auf das Nachschwingen des Aufnahmeraumes. Nein, diesen sehr musikdienlichen Level an Auflösung und Akkuratesse erreicht meine Anlage mit der gewohnten Netzverkabelung nicht.

Dem NF-Kabel der zweiten Heimdall-Generation komme ich mit Klaviermusik auf die Schliche. Der Fazioli-Flügel, den Benny Andersson (genau, der von ABBA) auf seiner Solo-CD spielt, hat schon ein wildes Obertonspektrum. Das reibt sich und flimmert, so ganz anders als beim fast schon überperfekten Quasi-Standard Steinway. Im Vergleich mit anderen Kabeln aus meinem Fundus präsentiert das rosarote Nordost den bisweilen glockenähnlichen Fazioli-Ton und sein schier ewiges Ausklingen mit weniger Empathie, dafür aber mit den genaueren Farbschattierungen. Ja, ich würde sagen: Das Heimdall 2 kann als Referenz in tonalen Dingen gelten. Da schau her: ein Monitor-NF-Kabel. Erstaunlich.

Immer öfter stellt sich während der Beschäftigung mit den Kabeln aus Massachusetts heraus, dass sie im Team am stärksten sind. Das Klangbild rastet jedes Mal in eine vorbildlich natürliche, offene und schnelle Spielweise ein, wenn Netzversorgung, Kleinsignaltransport und Lautsprecheranbindung von Nordost kommen. Besonders die Neutralität, die diese Kabel ins Spiel bringen, sorgt zuverlässig für viel Freude.

Nordost Heimdall 2 Kabel

Während der Lautsprecherkabel-Sessions kommt Musik aus dem großen bunten Jazz-Kosmos des Münchner Labels ACT zum Einsatz. Auf einem der immer sehr empfehlenswerten CD-Sampler findet sich eine bezaubernde Interpretation des Klassikers „You Are My Sunshine“ mit Kevin Hays am Klavier und als Sänger, gefolgt von einer minimalistischen Version von „Mood Indigo“ mit Albert Mangelsdorff und der NDR Bigband – einer meiner absoluten Lieblingstracks. Mit den flachen Heimdall-2-Leitern ist das Plus an Trennung von Stimmen, Instrumenten und Raumatmosphäre sofort wahrnehmbar. Albert Mangelsdorff singt während seines Spiels ins Posaunenmundstück und fabriziert so eine überraschende Mehrstimmigkeit. Mit den Nordost-Kabeln lässt sich präzise feststellen, was Stimme und was Posaunenton ist. Zudem öffnet sich der Raum (Liveaufnahme!) noch einen Tick weiter, ist die Luft darin eine Spur klarer und frischer als mit meinen gewohnten Fadel-Kabeln.
Auch die zweite Heimdall-Generation wird mir in sehr guter Erinnerung bleiben. Die erste Begegnung mag lange her sein, trotzdem würde ich den Neuen neben den bekannten Qualitäten in Sachen Auflösung und Dynamik ohne zu zögern ein Plus an Körper und Souveränität zuschreiben. Reifer sind sie geworden, jawohl! Und damit mehr denn je echte, große High-End-Kabel. Sollte man unbedingt mal genossen haben.

Nordost Heimdall 2 Navigator

 

Netzkabel Nordost Heimdall 2
3 x versilberte massive 7N-Kupferleiter, Micro-Mono-Filament, mechanisch abgestimmte Länge
Preis: 850 € (2 m)

Interconnect Nordost Heimdall 2
4 x versilberte massive 7N-Kupferleiter, Dual-Mono-Filament, mechanisch abgestimmte Länge, vergoldete Nordost/Neutrik-MoonGlo-Cinchstecker
Preis: 890 € (1 m)

Lautsprecherkabel Nordost Heimdall 2
18 x versilberte massive 7N-Kupferleiter, Micro-Mono-Filament, mechanisch abgestimmte Länge, Konfektionierung wahlweise mit vergoldeten Kabelschuhen oder Nordost-Z-Plug-Hohlbananen
Preis: 2150 € (3 m)
Garantiezeit: 2 Jahre

 

Connect Audio Vertrieb GmbH
Zum Hasenberg 4
35415 Pohlheim
Telefon 06004 9168520

 

www.connectaudio.de

www.nordost.com

 

Nordost Heimdall 2 Kabel

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