Classidelity: Lisa Batiashvili – Bach

Selbst schuld. Der Niedergang der Musikindustrie ist nirgends besser zu beobachten und zu verstehen als bei dieser CD. Längst klagen ja nicht nur die Popabteilungen der Plattenfirmen über existenzbedrohende Einnahmebußen, die Klassikproduzenten stimmen unisono in das Klagelied mit ein. Der gewählte Ausweg, der aber nur mehr in die Krise führt, ist hier nun zu bewundern. Zwei Namen prangern auf dem Cover: Bach und Lisa Batiashvili. Aha. Keine Werke werden genannt, Orchester und Dirigent ebenfalls nicht. Da sollen es also zwei berühmte Namen rausreißen – der des toten Alt-Protestanten und der der jungen Stargeigerin. Was interessiert da der Rest …

Lisa Batiashvili – Bach

Lisa Batiashvili – Bach
DGG, 2009

Zu hören ist ein Sammelsurium Bach‘scher Meisterhäppchen: das Konzert für zwei Cembali in der Transkription für Oboe und Violine, das Konzert in E-Dur, eine Solo-Sonate und – mittlerweile wohl unvermeidlich bei solchen Produktionen – eine Arie aus der Matthäuspassion, tränenrührig für Geige und Orchester gesetzt. Ach ja, und weil der Bach-Spross Carl Philipp Emanuel dieses Jahr sein Jubeljahr hat, darf noch ein Doppelkonzert des Geburtstagskindes mit auf die CD. Das alles wird vom Kammerorchester des Bayerischen Rundfunks wunderbar sauber und belanglos eingespielt und von Frau Batiashvili fehlerfrei begeigt. Sicher, das ist technisch auf hohem Niveau, eine Begründung für diese Aufnahme findet man aber weder im interpretatorischen Zugriff noch beim Repertoire. Eigentlich die perfekte CD fürs Auto – aber da wird man beim Häppchensender Klassik Radio schneller und günstiger bedient.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 17 (1/2015)

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