Classidelity: Villiers Quartet: Robert Still – Streichquartette

Das Villiers Quartet ist ein junges, kosmopolitisches Ensemble aus dem Herzen Londons und stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Diesmal hat es den britischen Komponisten Robert Still (1910–1971) entdeckt, der ein reiches, aber weitgehend unbekanntes Werk hinterlassen hat. Stills vier Streichquartette, die in den 1940er bis 1960er Jahren entstanden, erklingen in dieser Einspielung fast zum ersten Mal.

Villiers Quartet: Robert Still – Streichquartette

Villiers Quartet: Robert Still – Streichquartette
Naxos, 2014

Es mag ingeniösere und feinsinnigere Komponisten geben als Robert Still. Aber es gibt nur wenige, die eine so verblüffende stilistische Wandlung vollzogen haben wie er. Sein Frühwerk – ganz die englische Schule eines Vaughan Williams – orientiert sich noch an Alter Musik und traditionellem Volkston. In seinem letzten Jahrzehnt dagegen – unter dem Einfluss des Oskar-Adler-Schülers Hans Keller – strebte der Komponist entschlossen hin zur modernen Atonalität. In beiden Phasen entstanden jeweils zwei Streichquartette, die ganz unterschiedliche Faszinationen bieten. In der Frühphase zum Beispiel: eine sanft-melancholische Adagio-Fuge, frühklassisch anmutende Scherzo-Töne, eine marschierende Passacaglia, Folkloreklänge zwischen Pentatonik und Jig. In der Spätphase: eine Klangwelt „ohne Tonart“, sachlich-rhythmisch kombinierte Gesten und Motive, dann auch eine neugierige Emotionalisierung der Polytonalität. Seinen letzten, seelisch bewegenden Quartettsatz überschrieb Still mit „Angoscioso“ („Ängstlich“). Wieder einmal gebührt dem Label Naxos ein großer Dank für eine bleibende Entdeckung.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 17 (1/2015)

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