Classidelity: Angela Cholakian: Franz Hummel – Diabelli-Variationen

Die Geschichte ist bekannt: Anton Diabelli (1781–1858) hat einmal einen kleinen Klavierwalzer geschrieben, den er besonders gelungen fand. Dann bat er diverse Kollegen, über seinen Walzer eine Variation zu komponieren. Diabelli war nämlich auch Musikverleger und diese Variationen-Idee ein schlauer editorischer Einfall. Kollege Beethoven allerdings, der das Ganze eher lächerlich fand, setzte dem kleinen Modewalzer ein gewaltiges Großwerk entgegen, das sich am Rande des Spiel- und Fassbaren bewegt: gleich 33 Diabelli-Variationen (op. 120), sein schroffes Opus Ultimum. Damit schien das Thema in jeder Hinsicht erledigt – nur nicht für Franz Hummel.

Angela Cholakian

Angela Cholakian: Franz Hummel – Diabelli-Variationen
TYXart, 2014

Der Oberbayer, einst ein bekannter Klaviervirtuose, gab mit 35 Jahren das Konzertieren auf, um sich ganz der Komposition zu widmen. Opern, Sinfonien, Solistenkonzerte hat er geschrieben, am bekanntesten wurde sein Musical Ludwig II. (2000). Und nun also dieses „Sakrileg“: Trotz Beethoven hat Hummel nämlich seine eigenen Diabelli-Variationen komponiert, ausgerechnet ebenfalls 33 Stück, und das, wie Hummel selbstironisch schreibt, „frei von Geschmack, ohne Stil, künstlerisch absolut gewissenlos“. Genau diese Hemdsärmeligkeit ist seine Stärke. Hochvirtuos, stilistisch vielfältig, pianistisch ernsthaft, enorm unterhaltsam und weitgehend tonal: So verblüffen Hummels Variationen durch Originalität, Unverschämtheit und eine kräftige Portion Genie. Mit Kraft und Entschlossenheit meistert die russische Pianistin Angela Cholakian das „Beethoven-Sakrileg“ des Franz Hummel.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 17 (1/2015)

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