Electronica: Aphex Twin – Syro

Was haben wir gewartet. 13 lange Jahre waren es, bis sich der Abgott des elektronischen Frickelsounds herabgelassen hat, seine Jünger mit einem neuen Album zu beglücken. Und nun, mit viel viralem Marketing angekündigt, liegt es vor uns: Syro. Das Cover ganz in Weiß gehalten und nur mit einer Auflistung des Instrumentariums versehen – so werden geradezu messianische Erwartungen geweckt, dass Richard D. James aus Cornwall uns nach seinem letzten Meisterwerk Drukqs erneut an seiner ganz eigenen musikalischen Grammatik, an der eigensinnigen Syntax seiner Sounds teilhaben lässt. Verwirrend schöne Tracktitel wie „fz pseudotimestretch+e+3“ oder „s950tx16wasr10 (earth portal mix)“ steigern noch die Erwartungshaltung auf die neuen Gaben des Meisters.

Aphex Twin

Aphex Twin – Syro
Warp, 2014

Aber wie alle Gralshüter, weiß auch Mr. James, sich komplett enigmatisch zu verhalten. Da klingt plötzlich alles komplett analog, da spielt ein großes Kind Eisenbahn mit seinen schönen elektronischen Instrumenten, da werden mal eben sämtliche Erwartungen unterlaufen und die Jünger staunen. Es ist ein großes Retroalbum, das uns hier erwartet: Ambient, Techno, Deephouse, TripHop – mal eben ganz lässig in Szene gesetzt. Mit einem Augenzwinkern zeigt uns Aphex Twin, was er so alles kann und beherrscht. Nicht, dass man ein solches Album unbedingt gebraucht hätte, aber es ist doch schön zu wissen, dass da draußen jemand ist, der mit einem Fingerschnipsen in der Lage ist, dem grassierenden musikalischen Dilettantismus eine lange Nase zu zeigen. Dankbar drückt man am CD-Player die Repeat-Taste.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 17 (1/2015)

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