Electronica: Tricky – Adrian Thaws

Auch wenn Tricky in den letzten 15 Jahren nie verschollen war, so beiläufig und nichtig erschienen viele seiner Alben, dass viele Fans ihn eigentlich schon abgeschrieben hatten. Dabei war Tricky doch das ganz große Ding der späten 90er Jahre. Tricky, bürgerlich Adrian Thaws, war zunächst als Gastmusiker auf den ersten Alben von Massive Attack tätig und veröffentlichte mit Maxinquaye eines der ganz wichtigen Alben des Trip-Hop und des bedeutungsschweren Bristol-Sounds. Wie bei so vielen Künstlern im Popbusiness lastete der frühe Erfolg schwer auf seinen Schultern und es folgte der beinahe schon klischeehafte Abstieg mit nur mittelmäßigen Alben, erhöhtem Drogenkonsum, Krankheiten und Depressionen.

Tricky

Tricky – Adrian Thaws
False Idols, 2014

Es scheint, als hätte es tatsächlich einer über zehnjährigen Findungsphase bedurft, bis nun das schlicht nach seinem Geburtsnamen benannte Album an alte Soundqualitäten anknüpft und Tricky/Thaws wieder bei sich selbst angekommen ist. Neben Trickys Dauerbegleitung Francesca Belamonte sind es die Reggaesängerin Nneka und der Rapper und Performancekünstler Mykki Blanco, die mit ihren individuellen Skills das Album auf kongeniale Weise pimpen. Adrian Thaws ist eine prinzipiell sehr fassbare Platte geworden, was an der Kürze der jeweiligen Nummern liegt, die nie den typischen Tricky-Sound vermissen zu lassen. Schnitte, Brüche, sphärische Melodiefetzen, verzerrte Gitarren und brachiale Gangsta-Raps – Tricky baut hier ein perfektes Panoptikum des alten Bristol-Sounds im Gewand des 21. Jahrhunderts auf. Welcome back, Mr. Thaws.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 17 (1/2015)

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