Electronica: Flying Lotus – You’re Dead

Was für ein Trip. Was für eine Achterbahnfahrt. Da überschlagen sich in den ersten knapp sechs Minuten mal eben 50 Jahre Geschichte der Black Music in ihrer komplexesten Art und Weise. Ein atemloser Genremix von Herbie Hancock (der persönlich einige Soli für dieses Album eingespielt hat) über Sun Ra bis Snoop Dog übermannt uns, um dann in sphärischen Stillstand zu münden. Wer hat sich diesen Irrsinn ausgedacht? Flying Lotus ist der Künstlername des 31-jährigen Produzenten, DJs und Musikers Steven Ellison, dessen Großtante immerhin Alice Coltrane ist, ein Erbe, das unüberhörbar in den Ohren hängenbleibt.

Flying Lotus

Flying Lotus – You’re Dead
Warp, 2014

Seit 2003 veröffentlicht Ellison mehr oder minder komplizierte und bisweilen abstrakte elektronische Scheiben bei Warp Records und legt nun die Krönung seines zehnjährigen Schaffens vor. Das einzige Problem des aktuellen Albums sind seine phänomenalen ersten Minuten, die eigentlich schon alleine für eine Veröffentlichung gereicht hätten. Danach stellt sich unweigerlich eine gewisse Leere ein, die das Album aber sicherlich auch zum Luftholen braucht. Klugerweise rettet es sich aber nicht in die vermeintliche Sicherheit einer ABA-Form, um die rasante Anfangsfahrt wieder aufzunehmen, vielmehr mäandert es nun zwischen verschiedenen ineinandergeschobenen Ausformungen musikalischer Blackness von Jazz, Rap, Gospel bis R’n’B umher und zeigt, wie kürzeste musikalische Kleinodien sich zu einem perfekten Ganzen verbinden können, auch wenn das ganze Vergnügen nur 39 Minuten dauert. Schade eigentlich.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 17 (1/2015)

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