Jazzidelity: Ron Miles – Circuit Rider

Schon die Wahl seines Instruments schlägt Brücken zwischen den Epochen. Das Kornett nämlich war die Stimme der frühen Jazztrompeter, das Instrument King Olivers, Freddie Keppards und des jungen Louis Armstrong. Es war aber auch das Instrument, das die Freigeister der Jazz-Avantgarde wiederbelebt haben, Musiker wie Don Cherry, Butch Morris, Olu Dara. Der 51-jährige Ron Miles bewegt sich irgendwo zwischen diesen gegensätzlichen Polen, unbeirrbar, vogelfrei.

Ron Miles

Ron Miles – Circuit Rider
Yellowbird, 2014

Im Ellington-Orchester war er genauso zu Hause wie beim Turntable-Spezialisten DJ Logic. Traumwandlerisch sicher manövriert Ron Miles durch die Welten des Jazz, ein stiller Gigant der Trompete, ein sachlicher Melancholiker, dessen nüchterne Selbstverständlichkeit an den kürzlich verstorbenen Kenny Wheeler denken lässt. Traumhaft unwahrscheinlich ist auch Ron Miles’ Band: nur ein Trio mit Bill Frisell und Brian Blade. Diese beiden allerdings – an Gitarre und Schlagzeug – können zusammen ein kleines Orchester sein, eine Pop- oder Tanzkapelle, eine Swing- oder Bluesgruppe, eine Soundlandschaft, eine Klangvision. Essentiell und federleicht zugleich, verdichtet und leise in einem, vergleichbar allenfalls dem einstigen Paul-Motian-Trio mit Frisell und Joe Lovano: So cruisen Ron Miles & Co. durch schräge Metren und imaginäre Tänze, kitzeln am Balladen-Swing oder zaubern einen Pop-Flow, adaptieren Mingus-Melodien und einen Blues des Cool-Jazz-Avantgardisten Jimmy Giuffre. Ein Album, das lange vorhält.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 17 (1/2015)

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