Record Collection: Außer Rand und Band

Die schönsten und schrägsten Rekorde aus der erstaunlichen Welt der Musik

Laut, lauter, Metal

Klar, laut können sie alle. Manche wetteifern sogar, wer am lautesten kann. Weil Hörschäden schon ab 90 Dezibel entstehen, sind sie eigentlich alle zu laut, und vernünftige Menschen wedeln spätestens hier mit dem Hörgerät in Richtung Zukunft.

Manowar

Mit knapp 130 gemessenen Dezibel haben es Manowar einst sogar in “Guinnessbuch” geschafft

Die Rede ist natürlich von Rockbands. Die allerlauteste der gesamten Galaxie ist selbstredend Desaster Area, Eingeweihte wissen das. Alle anderen können im zweiten Band von Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams nachlesen, warum man ein Konzert von Desaster Area am besten in 37 Meilen entfernten Betonbunkern besucht. Für die lauteste irdische Band, Manowar, können ein paar Meilen Entfernung auch nicht schaden, denn deren offiziell gemessener und im Guinness-Buch eingetragener Lärm-Rekord liegt bei 129,5 Dezibel. Ein paar Jahre später wurden sogar 139 Dezibel gemessen, nur ohne Eintrag, weil die Kategorie da schon wieder abgeschafft worden war. Aber zehn Dezibel hin oder her? Ist das nicht auch schon egal?

Manowar

Von wegen! Für die Nicht-Physiker unter den Lesern hier ein kleiner Ausflug in die Akustik: Schall wird logarithmisch gemessen. Zehn Dezibel mehr bedeuten eine Verzehnfachung der Schallenergie – oder auch schlicht: die doppelte Lautstärke! Der Mann am Mischpult des Konzerts stellte hinterher fest, dass „die Lautsprechersysteme überhaupt keine Beschädigungen erlitten hatten. Auf die Ohren der Zuhörer dürfte dies vermutlich nicht zutreffen.

Gemüsemusik

Gemüsemusik

Ob das wohl die Lieblingsband der Weltgesundheitsorganisation ist? Die WHO empfiehlt nämlich fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag. Das schaffen die Musiker des Vienna Vegetable Orchestras (auch bekannt als Das erste Wiener Gemüseorchester) auf der Bühne locker, wenn sie ihren Karottenflöten, Kürbistrommeln und Selleriegitarren vegetarische Töne entlocken. Das Publikum kriegt auch ein paar Vitamine ab, denn der noch verwertbare Teil der Instrumente wird hinterher verkocht und als Suppe kredenzt. Die Frage nach ihren Essgewohnheiten können die Musiker allerdings schon lange nicht mehr hören, zu oft schon mussten sie darauf antworten. Daher hier einmal für alle: Nein, nicht alle Orchestermitglieder sind Vegetarier.

The Golden Earring

Als sich The Golden Earring 1961 gründeten waren die Bandmitglieder nicht älter als 15

Je oller, je doller

Was genau die älteste Band der Welt ist, hängt von der Definition ab. Nach Jahren oder Gründungsdatum? Muss der Bandname immer der Gleiche gewesen sein oder gilt allein die Gesamtanzahl miteinander verbrachter Jahre? Mit oder ohne zwischenzeitliche Auflösungen? Und was ist mit dem Genre? Schließlich altern wüste Rockmusiker bestimmt schneller als gesittete Jazzer. Schauen wir mal: Die älteste bis heute bestehende Band der Welt ist Golden Earring. Die Musiker, zum Zeitpunkt der Gründung im September 1961 im zarten Alter von gerade mal 13 und 15 Jahren, rocken bis heute, wenngleich etwas zahmer. Moment, was ist noch mal von denen? Zum Beispiel „Radar Love“, zu dem jeder über vierzig schon mal in der Diskothek getanzt hat. Geht es darum, wer die älteste Band nach Jahren ist, können weder die Jungs von Golden Earring noch die Rolling Stones mithalten. Junge Hupfer allesamt! Jedenfalls im Vergleich mit der britischen Band The Zimmers. Die müssten nun wirklich jeden noch so spätberufenen musikalischen Nachwuchs hoffnungsvoll stimmen, dass selbst im hohen Alter noch alles möglich ist: 2007 für die BBC gegründet, wird seitdem aufgetreten, live und im TV, und sogar getourt. 68 Jahre alt ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht das älteste, sondern das jüngste Bandmitglied. Der älteste ist über 100. Den Titel „Älteste Band der Welt“ macht ihnen allerdings die Peace Old Jazzband aus Shanghai streitig, deren Musiker fast alle in ihren Siebzigern sind. Der Drummer ist sogar schon 93 Jahre alt. Schlagzeugspielen hält eben jung.

The Zimmers

Das älteste Bandmitglied von The Zimmers ist über 100 Jahre alt

One Foot In The Grave, durchschnittlich nur in ihren späten Sechzigern, schaffen das nicht. Immerhin sind sie aber die älteste Punkband der Welt. Sie stammen aus Sun City, der Rentnerstadt im US-amerikanischen Bundesstaat Arizona. Bevor sie Punkbandrentnerin wurde, war die Sängerin von One Foot In The Grave übrigens Leichenbestatterin.

Beatles

Erfolgreichste Band der Welt

Also, das ist jetzt einfach: erfolgreichste Band? Die Beatles! Immer, auf jeder Liste. Egal wo die Verfasserin nachgeschaut hat. Sie sind Rekordhalter in den zwei wichtigsten Disziplinen „Meiste verkaufte Tonträger der Welt“ (unfassbare 1300 Millionen!) und „Meiste Nummer-eins-Hits der Welt“ (20!), außerdem sind sie vermutlich führend in der Disziplin „Meiste Ohnmachtsanfälle jugendlicher weiblicher Fans“. Natürlich lässt sich das nicht so genau sagen. Aber selbst wenn bei den Konzerten von Tokio Hotel oder der einen oder anderen Boygroup der 90er Jahre ein paar Ohnmachtsanfälle mehr dabei gewesen sind: Die Beatlesfans waren die Ersten im Kollabieren! Vorher gab’s das noch nicht. Und welche Band kann schon von sich behaupten, populärer als Jesus zu sein? Diese Bemerkung von John Lennon aus dem Jahr 1966 verzieh der Vatikan ihm offiziell im Jahr 2008. Und noch ein letzter Superlativ: Keine Band ist weiter gereist als die Beatles. Damit sind nicht die Trips nach Indien gemeint. Sondern der Song „Across The Universe“. Anlässlich des 50. Geburtstags der NASA im Jahr 2008 schickte die Weltraumbehörde diesen Titel ins All – mit 300 000 Kilometern pro Sekunde, 431 Lichtjahre weit in Richtung Polarstern. Vielleicht gibt es jetzt irgendwo da draußen eine extraterrestrische Coverversion. Das wäre dann ein neuer Superlativ.

 

Rekord-Schwergewicht

Der Elefant spielt seit jeher eine wichtige Rolle in der thailändischen Kunst und Kultur. Normalerweise sind die Dickhäuter allerdings eher Objekt der künstlerischen Darstellung und nicht deren Erschaffer. Im Thai Elephant Conservation Centre in Lampang ist das anders. Begonnen hat das künstlerische Auftreten der Elefanten zunächst mit Malen. Das ist als Zirkusnummer zwar schon 100 Jahre alt, aber immer reine Dressur gewesen. In Lampang bekommt die Elefantenmalerei eine ganz neue Dimension. Wenn man den Tieren freien Lauf lässt, kommt abstrakte Kunst heraus, die durchaus sehenswert ist – und reißenden Absatz findet. Und den Elefanten macht das Hantieren mit dem Pinsel sichtlich Spaß. Warum es also nicht auch mal mit Musik probieren, dachten sich Richard Lair, einer der Elefantenspezialisten des Conservation Centre, und der Komponist und Musiker Dave Soldier. Letzterer hatte die Aufgabe, elefantengerecht dickhäutige Instrumente herbeizuschaffen oder auch selbst zu bauen. Das Ganze sollte kein Dressurakt sein; wichtig war, dass es den Tieren Spaß macht. Sie erhalten nur wenige Kommandos, etwa dazu, wann sie anfangen und aufhören sollen zu spielen. Was 1997 als Experiment mit fünf Elefanten begann, entwickelte sich zur größten Tierband der Welt, dem Thai Elefant Orchestra mit bis zu 16 Tieren. Deren Musik ist auf drei CDs zu hören – teilweise mit menschlicher Begleitung, teilweise in ausschließlich tierischer Besetzung.

Pink Floyd

Neben den Ärzten gelten vielen Pink Floyd als beste Band der Welt

Die Beste Band der Welt

Jetzt hatten wir sie alle. Die lauteste, die älteste, die gesündeste, die erfolgreichste, und sogar die tierischste. Wer aber ist eigentlich die beste Band der Welt? Die Ärzte? Na, meinetwegen. Aber welches ist die nicht nur sich selbst ironisch so bezeichnende, sondern die wirklich und wahrhaftig beste Band der Welt? Ich höre schon die Einwände: Das ist doch Geschmackssache! Klar. Aber wir sind uns alle einig, dass es zumindest die Ärzte nicht sind, Modern Talking nicht war und Tokio Hotel niemals sein wird. Fragen wir doch mal Google. Klick, klick, Treffer. Das große britische Musikmagazin Q Magazine hat im Jahr 2004 eine Liste der 50 besten Bands der Welt erstellt. Die ist zwar schon zehn Jahre alt, aber das ist schon okay, denn in den vergangenen zehn Jahren ist garantiert nichts Würdigeres nachgewachsen. Außerdem gibt es auch so schon genug Zoff: die Beatles nur auf Platz 8? Hinter Bruce Springsteen? Die spinnen doch! Wer U2 hasst, und da soll es ja welche geben, springt auch gleich im Quadrat: Platz 4! Wenigstens sind die Rolling Stones eins davor auf Platz 3. Aber sind die wirklich so viel besser als Genesis? Also, ich weiß nicht. Und warum zum Kuckuck ist ABBA nur auf Platz 27 und Metallica überhaupt dabei? Naja, die sind immer noch besser als die nudeligen Edel-Popper Bon Jovi, die mit Platz 14 gleich doppelt so weit vorn sind wie Santana. Sauerei! Wer, bitteschön, spielt da die besseren Soli? Na? Na? Und wer sind eigentlich Hootie & The Blowfish? Egal, die sind eh nur auf Platz 40. Überhaupt wird die ganze Liste vollkommen unglaubwürdig, wirft man einen Blick auf Platz 33. Die Spice Girls! Geht’s noch? Was nehmen die, die solche Listen machen, eigentlich für Drogen? Aber apropos: Mit Platz 1 sind wir alle einverstanden. Wetten? Doch, doch. Platz Eins geht völlig in Ordnung, auch zehn Jahre später noch. Auf Platz Eins der Q-Liste der 50 besten Bands der Welt steht – jetzt bitte Grummelsynthies und psychedelische Geigen anschalten und schnell noch einen Trip einwerfen, Pink Floyd!

Pink FloydUnd wem das jetzt nicht passt, der schaut einfach das Ranking der am meisten überschätzen Bands der Welt an, zu finden auf der Website listverse.com. Da ist dann auch wieder U2 zu finden. Und Bon Jovi. Nur Modern Talking und Tokio Hotel sind wieder nicht dabei. Pink Floyd aber auch nicht.

 

Weitere Teile der Serie finden Sie HIER und HIER

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 17 (1/2015)

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