Classidelity: Hérold/Lanchbery – La fille mal gardée

Das 1962 veröffentlichte Original findet sich seit Jahrzehnten in Top-Platzierung in zahlreichen Bestenlisten, Kategorie: Audiophilste Klassik-LP. Kein Wunder, dass gut erhaltene Exemplare von Decca SXL 2131 bzw. dem US-Pendant London CS 6252 mittlerweile dreistellige Preise erzielen. Das Reissue auf dem ORG-Label von Mastering-Guru Bernie Grundman schont den Geldbeutel auf den ersten Blick nur wenig. Andererseits stecken im Klappcover zwei makellos gefertigte Vinyl-Scheiben, auf deren mit 45 U/min drehenden vier Seiten sich die fetzige Ballettmusik aus der Feder von Ferdinand Hérold (Ur-Fassung vom Beginn des 19. Jahrhunderts) und John Lanchbery (Bearbeitung und Erweiterung 1959/60) deutlich wohler fühlt als auf einem 33,3 U/min-Original mit jeweils rund 25-minütiger Spieldauer pro Seite.

Hérold/Lanchbery – La fille mal gardé

Hérold/Lanchbery – La fille mal gardée
ORG, 2012

Die Musik entspricht haargenau dem, was man sich unter „Klassik für Menschen, die keine Klassik mögen“ vorstellt: Pittoreske Naturbeschreibung (Vogelstimmen! Gewitter!), treffende Charakterdarstellung (Tubasolo für den Dorftrottel!), Tanz der Dorfbewohner (Tschingderassa BUMM!). Macht Spaß, nicht mehr und nicht weniger. Die Aufnahmequalität ist allerdings wirklich vom Feinsten, insbesondere wenn man die Gelegenheit hat, ein Original mit dem Reissue zu vergleichen. Die 45er-Scheiben spannen das Stereopanorama nochmals eindrucksvoller auf, vor allem aber bieten sie eine Reinheit und Pracht der Klangfarben, die einen die Arbeit der wahrlich ausreichend gelobten Decca-Tonmeister nochmals mit anderen Augen sehen lässt. Perfekte Arbeit.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 16 (6/2014)

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