AudioQuest Niagara 1000 Netzfilterleiste

 

Audioquest Niagara 1000

Die berufliche Beschäftigung mit Geräten, bei denen die Bezeichnung „ultimativ“ nicht nur eine hohle Werbefloskel darstellt, ist ein zweischneidiges Schwert. Denn so schön es ist, für eine Weile Elektronik genießen zu dürfen, für die nicht nur ein hoher Preis aufgerufen wird, sondern die auch so klingt – die Rückkehr in die Normalität kann umso schmerzhafter sein. So ging es mir mit einem Zubehörteil, das ich nach dem Test nicht mehr missen mochte: dem AudioQuest Niagara 7000. „Nur“ ein hochentwickelter Netzfilter, dem es gleichwohl gelang, die stromtechnischen Unzulänglichkeiten meiner betagten Mietwohnung so elegant wegzubügeln, dass er zu einer von mir bald gar nicht mehr bewusst wahrgenommenen Selbstverständlichkeit wurde.

Bis ich ihn zurückgeben musste. Und mich wieder mit all den Kleinigkeiten quälte, die durch die fulminante Wunderkiste im Endstufenformat für ein paar Monate in die Nichtexistenz verbannt worden waren, etwa verzischelte Vokale bei Frauenstimmen oder leicht schärfelnde Höhen.

Audioquest Niagara 1000

Ehe mich die Depression vollends übermannte – eine Maschine wie der Niagara 7000 ist definitiv jenseits meiner finanziellen Reichweite – fiel mir zum Glück ein, dass der 9000-Euro-Bolide noch ein paar kleinere Geschwister hat. Zum Beispiel den Niagara 1000, der statt zwölf lediglich sechs Netzsteckdosen mitbringt (und überhaupt etwas bescheidener auftritt), aber fraglos über die Gene seines großen Bruders verfügt. Und das für kaum ein Siebtel von dessen Preis. Im Kontext der Wiedergabeelektronik, die ich mein Eigen nenne, ist der „Kleine“ genau richtig dimensioniert. Und interessanterweise profitieren von ihm (wie auch von den anderen Niagaras im AudioQuest-Portfolio) ausnahmslos alle angeschlossenen Geräte.

Zunächst durfte meine Brot-und-Butter-Schreibtisch-Kombi mit Marantz HD-CD1 und HD-AMP1 aus den stabilen Niagara-Steckdosen Strom saugen: Das Klangbild des Class-D-Verstärkers und des via Digitalstrippe als reines Laufwerk angeleinten CD-Players wirkte ruhiger, besser durchgezeichnet und insgesamt aufgeräumter, mit einem um das entscheidende Quäntchen stabileren Bassbereich. Zischeln tat auch zu „kritischen“ Tageszeiten nichts mehr.

Eine Charakteristik, die sich noch deutlich verstärkte, als ich mich durch mein Transistor-Equipment testete. Der Niagara 1000 gibt meiner Vor-/Endstufenkombi AX1/BX1 von Advance Acoustic einen ebenso deutlichen Qualitätsschub wie meinen betagten MusicLink-Geräten von Marantz. Und selbst der kleine MyAmp von Micromega macht dank des Wasser-, pardon, Stromfalls in Form einer etwas dickeren Netzleiste einen deutlichen Sprung nach vorne. Gleiches gilt für diverse Quellgeräte vom SACD-Player bis zum Plattenspieler. Und das alles nur, weil sie an sauberem, akribisch aufbereitetem Strom nuckeln dürfen? So ist es.

Spannender Nebeneffekt, als ich auch die verschiedensten Lautsprecher aus meiner Sammlung in den abenteuerlichsten Kombinationen ausprobierte: Die Anlagen legten nicht nur klanglich zu, und zwar immer, nein, es wurde auch zumindest ansatzweise kompatibel, was vorher ein klassisches „Mismatch“ schien. Und weil es mit dem Niagara 1000 möglich ist, den Lautstärkepegel zu reduzieren, ohne an gefühlter Kraft und struktureller Klarheit einzubüßen, wird genussvolles Leisehören erleichtert, auch und gerade mit kammermusikalisch besetzter Klassik, bei der es sowieso mehr auf Durchhörbarkeit und unverfärbte Klangfarben als auf schiere Durchschlagskraft ankommt. Und wenn eine kleine Endstufe mit sagen wir 50 Watt nicht am Anschlag arbeiten muss, kann sie sogar einmal einen Stromfresser-Schallwandler antreiben, der für sie eigentlich viel zu gierig ist. Ihr Besitzer freut sich an filigranen Hochton-Details und einem vollmundigen Mittenbereich. Dass mein Espresso besser schmeckt, seitdem ich die Kaffeemaschine in die freie High-Current-Steckdose des Niagara 1000 gestöpselt habe, dürfte dagegen reine Einbildung sein.

 

Netzfilterleiste
AudioQuest Niagara 1000
Preis: 1200 €

 

www.AudioQuest.de

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