Electronica: Mr. Scruff – Friendly Bacteria

Andy Carthy alias Mr. Scruff hat wieder zugeschlagen. Der Altmeister des NuJazz und der gebrochenen Beats, einer der frühen Heroen und stilbildenden Musiker des Ninja-Tune-Labels, der immer mit lustigen großmäuligen Fischen auf seinen Covern hausieren ging, ist mit Friendly Bacteria der Tierwelt im weitesten Sinn und auch seinem Label treu geblieben. Und auch seinem Augenzwinkern, das sich darin auszeichnet, dass vieles einem ein wenig oversized vorkommt: die Beats ein wenig zu fett, die analogen Synthies zu kreischend, die Brüche zu abrupt, immer mit der Attitüde „It’s just music, it’s just fun“ versehen.

Mr. Scruff – Friendly Bacteria

Mr. Scruff – Friendly Bacteria
ZEN/Ninja Tune, 2014

Was aber bietet das freundliche Bakterium Neues für den geneigten Electronica-Freund? Carthy geht einen sicheren Weg, der momentan en vogue ist, den Weg des Songs: Auffallend viele Vocals sind vertreten, kongenial mit Robert Owens und dem soulig-schmutzigen Denis Jones besetzt, auffallend viele Titel orientieren sich an klassischen Songstrukturen. Aber keine Angst, dies ist kein Singer-Songwriter-Album geworden. Da plustern sich die Sounds im niedrigstelligen Hertzbereich auf, da jazzt es fröhlich eklektizistisch im Hintergrund und das sechsminütige „We Are Coming“ zeigt die ganze Palette von Rap über Breakbeats und wahnwitzigen Sound- und Groove-Wechseln hin zu smoothen Jazzpartikeln und damit das ganze Können des Mr. Scruff. Er hat es nicht nötig, sich neu zu erfinden, verweilt aber auch nicht in lauwarmen Aufgüssen, sondern verfolgt eine stringente musikalische Linie über nunmehr beinahe 20 Jahre. Chapeau.

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 15 (5/2014)

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
Abonnieren Sie den Newsletter und erhalten Sie Informationen rund um das FIDELITY Magazin, exklusive Spezialangebote, Gewinnspiele, neue Features sowie Angebote unserer Partner.