Electronica: Ben Watt – Hendra

Was soll das denn? Wo sind denn da die pumpenden Beats? Warum steht diese Rezension unter „Electronica“? Diese Fragen sind sicherlich berechtigt, wenn Sie die Musik zum ersten Mal hören und nicht wissen sollten, wer denn Ben Watt ist. Dieser nette, freundliche Herr ist/war neben seiner Ehefrau Tracey Thorn eine Hälfte des Duos Everything But The Girl, das in den 80er Jahren zunächst mit semiakustischer Musik Erfolge feierte und in den späten 90ern diese Musik dann erfolgreich mit Dancefloor und Drum’n’Bass koppelte – unvergessen das legendäre „Walking Wounded“ in Zusammenarbeit mit Produzent Todd Terry.

Ben Watt – Hendra

Ben Watt – Hendra
Unmade Road, 2014

Lange hat man von dem Duo nichts mehr gehört, Tracey Thorn veröffentlichte danach zwei Soloalben, Watt arbeitete als DJ. Und nun das. Ein komplett akustisch aufgenommenes Album. Und doch: Bei vielen Nummern hört man das typische Songwriting des aufgelösten Duos und addiert im Kopf die wunderbaren Beats der späten 90er hinzu. Viele elektronische Künstler können ihre akustischen Wurzeln, etwa im britischen Folk, nicht verleugnen, man denke etwa an Lou Rhodes oder Goldfrapp. Bei Watt ist dies ebenso, aber zunächst schwieriger zu identifizieren und nach mehrmaligem Hören mag man es kaum glauben: Da hört man doch tatsächlich den jungen Jackson Browne und dessen frühes Meisterwerk Late For The Sky. Ja, auch von dort können ehemalige Meister der Elektronik musikalisch beeinflusst werden, es muss nicht immer Folk sein. Watt gelingt ein Album, das einerseits komplett retro und doch ganz aktuell ist. Spannend und vor allem ganz wunderbar.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 15 (5/2014)

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