FIDELITY AWARD 2018

Die Besten der Besten

Viele von Ihnen, liebe Leser, haben lange darauf gewartet, nun ist es so weit: Zum ersten Mal vergeben wir den FIDELITY AWARD, unsere eigene Auszeichnung für herausragende HiFi-Produkte. Und weil wir bis zur Premiere anderthalb Olympiaden gebraucht haben, darf das Blitzlichtgewitter auch etwas größer ausfallen.

Preisträger FIDELITY Award small

 

Prolog: Was ist der FIDELITY AWARD?

In FIDELITY berichten wir über interessante und vielversprechende HiFi-Komponenten, die wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ans Herz legen möchten. Doch keineswegs alle vorab ausgewählten Gerätschaften schaffen es dann tatsächlich auch ins Heft. Nicht wenige scheitern an klanglichen oder technischen Unzulänglichkeiten; diese Komponenten können wir Ihnen nicht guten Gewissens empfehlen. Aus diesem Grund – und weil immer schon die nächsten Kandidaten mit den Füßen scharren – gibt es in FIDELITY auch keine Verrisse. Dazu ist uns schlicht der Platz zu schade, und wir sind sicher, mit einer sorgfältigen Vorabauswahl in Ihrem Sinne zu handeln.
Innerhalb all der feinen Gerätschaften, die sich Jahr für Jahr bei FIDELITY tummeln, ragen immer wieder Komponenten heraus, die sich durch technische Exzellenz, die Genialität des Entwicklers oder/und klangliche Überfliegerqualitäten auszeichnen. Für uns in der Redaktion sind das „die Besten der Besten“ – und genau das möchten wir mit dem neu geschaffenen FIDELITY AWARD zum Ausdruck bringen.

Wer kann den FIDELITY AWARD bekommen?

Zunächst hatten wir geplant, alle Komponenten, die jemals – seit Ausgabe 1 – in FIDELITY vorgestellt wurden, als Kandidaten für den FIDELITY AWARD in Betracht zu ziehen. Das erwies sich jedoch aufgrund der schieren Menge als etwas blauäugig, weil praktisch nicht handhabbar. Zudem ist nach teils mehr als einem halben Jahrzehnt so mancher Kandidat schon gar nicht mehr am Markt verfügbar. Schließlich konzentrierten wir uns auf diejenigen Produkte, die seit 2016 in der FIDELITY erschienen sind. Warum? Erstens erhielt die FIDELITY mit der Nummer 23 (Ausgabe 1/2016) ihr aktuelles Erscheinungsbild, was eine Optimierung von Inhalt, Format und Layout bedeutete. Parallel dazu begannen wir 2016 auch unsere Website mit exklusivem Inhalt auszustatten – ein weiteres großes Spielfeld für die Kandidaten des FIDELITY AWARD.
Hinsichtlich der Kategorien, in denen wir den FIDELITY AWARD vergeben, orientieren wir uns hauptsächlich am RIHPA (Rocky Mountain Audio Fest International HiFi Press Award). Dieser renommierte Award, mittlerweile auch als „Oscar der Audio-Industrie“ bekannt, wird von FIDELITY koproduziert. Der RIHPA genießt international höchstes Ansehen, er soll und wird uns auch weiterhin Ansporn und Inspiration sein. Darüber hinaus wollen wir mit dem FIDELITY AWARD aber auch diejenigen HiFi-Spezialitäten ehren, dank derer sich FIDELITY so erfolgreich am Markt positioniert hat, die aber auf internationalem Parkett womöglich (noch) eine zu geringe Beachtung gefunden haben. Wenn Sie so wollen: Think global, act local.

Welche Kategorien gibt es?

Je nach persönlicher Auffassung und Zählweise (hier zeigt sich bereits die grundsätzliche Nicht-Objektivierbarkeit von Auszeichnungen) gibt es zwischen 12 und 16 Kategorien, die sich (fast immer) in weitere Unterkategorien verzweigen. Und zur besseren Orientierung, in welcher fidelen „Liga“ sich ein Gerät überhaupt bewegt, vergeben wir jeweils ein dynamisch zugeordnetes Award-Prädikat: Smart, Premium oder Superior. Mit diesem virtuellen Gerüst wollen wir den vielfältigen und extrem breit gestreuten Spaß an der High Fidelity widerspiegeln – zumal wir keine der üblichen Preisgrenzen akzeptieren wollten, vielmehr ein gesundes Bauchgefühl walten ließen. Statt beamtischer Millimeter-Schacherei oder starrer, nur vordergründig objektiver Preisschubladen nutzen wir die Prädikate Smart, Premium und Superior für flexible Spielräume. Eine entsprechend kreative Auswahl dürfte bereits in der Auflistung deutlich werden.

… und welche nicht?

Einige der ursprünglich geplanten Kategorien können wir mit dem FIDELITY AWARD 2018 (noch) nicht berücksichtigen. Bei Subwoofern oder mobilen Mediaplayern etwa verspüren wir im Rückblick einen gewissen Nachholbedarf. Hingegen wäre es beispielsweise bei Lautsprechern ohne weiteres möglich gewesen, noch erheblich mehr Unterkategorien einzurichten. Übrigens: Eine ursprünglich geplante Kategorie „Mystery“ verschwand aus mysteriösen Gründen …
Was Sie beim FIDELITY AWARD 2018 ebenfalls nicht finden werden, sind Musik-Auszeichnungen. Ist schon die Auswahl bei der Hardware eine zeit- und ressourcen-raubende Angelegenheit, droht bei musikalischen Favoriten ein nicht enden wollendes Tohuwabohu. Also bleiben wir zur Premiere in puncto Musik weiterhin entspannt, erklären „Erlaubt ist, was gefällt“ für weiterhin gültig und verweisen mit großzügiger Geste auf den stets einzigartigen Musikteil in jeder FIDELITY. Wir wollen aber auch nicht ausschließen, mit dem nächsten FIDELITY AWARD, der dann in zwei Jahren vergeben wird, auch herausragend klingende Software auszuzeichnen.

Gibt es Unverträglichkeiten?

Natürlich freuen wir uns, wenn der FIDELITY AWARD neue Anregungen geben oder bestehende Interessen forcieren kann. Doch auch wenn eine Auszeichnung in jedem Fall die herausragende Stellung eines Geräts innerhalb seiner Kategorie bedeutet, so heißt das im Unkehrschluss keineswegs, dass sämtliche Preisträger automatisch untereinander kompatibel sind! Wer zum Beispiel einen verstärkertechnisch herausfordernden Lautsprecher mit einer zarten Kleinleistungsröhre kombiniert oder gar einen MC-Tonabnehmer an einen Digitalprozessor anzuschließen versucht, der hat nicht nur den FIDELITY AWARD missverstanden, sondern überhaupt einen beachtlichen Nachholbedarf in puncto HiFi-Equipment und dessen geschickter Zusammenstellung. Wir empfehlen das Buch Einführung in die hochwertige Musikwiedergabe oder wenigstens das mit FIDELITY Nr. 19 erschienene Bonusheft Na hören Sie mal (beides erhältlich im FIDELITY Shop) sowie einen Besuch beim kompetenten HiFi-Fachhändler. Und natürlich die regelmäßige Lektüre von FIDELITY.
Die simple Kombination von Geräten, die mit dem FIDELITY AWARD ausgezeichnet sind, ist keine Garantie für „den besten Klang der Welt“. Bitte verstehen Sie die jeweilige Auszeichnung vielmehr als doppelt nachdrückliche Empfehlung, sich mit dieser Audiokomponente lustvoll und kritisch zu beschäftigen.

Gibt es Ausnahmen?

Keine Regel ohne Ausnahme. Auch der FIDELITY AWARD umfasst eine Auszeichnung, die ganz bewusst alle üblichen Regeln bricht: Wir vergeben den Lifetime Achievement Award an eine herausragende Persönlichkeit, die über einen längeren Zeitraum hinweg maßgeblich das Geschehen der Audioszene mitbestimmt und neue Maßstäbe gesetzt hat. Zur Premiere vergeben wir den Lifetime Achievement Award an Peter Suchy, den Gründer und Seniorchef von Clearaudio.

Wie denn, wo denn, was denn?

Preisträger FIDELITY Award small

Nachdem wir in einem lang und heiß diskutierten Prozess unsere Favoriten gefunden und die Preisträger für den FIDELITY AWARD bestimmt hatten, ließen wir kurz den Champagnerkorken knallen (dieser Probelauf musste einfach sein!) und machten uns beschwingt daran, unsere Freude über die Ergebnisse in die fidele Welt hinauszutragen – zunächst zu den Preisträgern und hier nun auch zu Ihnen, liebe Leserinnen und Leser.
Zugegeben, nach schier endlosen Beratungen in der Redaktion ist eine ziemlich lange Liste herausgekommen. Ein sarkastischer Kommentar hierzu lautete, womöglich wäre es gar einfacher gewesen, die komplette Themenliste aller FIDELITY-Ausgaben abzudrucken (auch an diesem Projekt arbeiten wir seit Ausgabe 1), doch „einfach“ hat es sich das FIDELITY-Team grundsätzlich noch nie gemacht.

Geht’s jetzt endlich los?

Ja, es lohnt sich, die Preisträger ein wenig genauer anzuschauen.

FIDELITY Award Winner 2018 Marantz HD-CD1

Wir beginnen, audiohistorisch ein wenig verdreht, mit digitalen Gerätschaften und finden bei den „ganz normalen CD-Playern“ – in der Wahrnehmung von Otto Normalhörer eine bereits ausgestorbene Spezies – neben dem ebenso klangvollen wie preisgünstigen Marantz HD-CD1 zwei Japaner mit ausgesprochen edlem Stammbaum. Denn sowohl Luxman als auch Esoteric halten mit ihren tollen Maschinen das gute, neuere SACD-Erbe in Ehren. Das mag besagten Otto Normalhörer noch viel weniger interessieren, uns Ohren- und Genussmenschen dafür umso mehr.

FIDELITY Award Winner 2018 Mutec MC-3+USB

Bei der digitalen Signalbearbeitung hat es in den vergangenen Jahren erstaunliche Fortschritte gegeben, die allmählich auch in der Musikanlage zu Hause klangliche Früchte tragen. Dass dabei so einige Digital-Delikatessen aus der (fast immer Maßstäbe setzenden) Tonstudioszene ins private High-End-Refugium einfließen (sollten), zeigen Spezialisten wie Mutec mit dem tollen digitalen „Aufräumer“ MC-3+USB oder der Trinnov Amethyst, ein hochentwickelter Leckerbissen, der mit seinem „3D-Mikrofon“ weit mehr ist als nur ein digitaler Vorverstärker-Schmuckstein.

FIDELITY Award Winner 2018 Trinnov Amethyst

Doch auch alte HiFi-Hasen wie T+A oder AVM halten ihre langlebigen Produkte stets „frisch“, womit auch Klang und Komfort stets auf Spitzenniveau bleiben. Insbesondere der kompakte und preisgünstige DAC 8 DSD von T+A hat es wirklich faustdick hinter den schönen Seitenteilen.

Das Überfliegerthema der letzten Jahre heißt Streaming, wobei uns natürlich in erster Linie die audiophile Ausrichtung dieses Megatrends interessiert. Überzeugt hat hier neben dem smarten kleinen ELAC der ultraedle Burmester 150, während der Xo|one von X-odos mit seiner umfangreichen, vor allem auch kinderleicht zu steuernden Ausstattung ein zusätzliches, sehr angenehmes – und vor allem dauerhaft wirkendes – Überraschungsmoment verbuchen konnte.

Selbst die Mainstream-Medien haben mittlerweile gemerkt, dass Plattenspieler und Vinyl wieder voll im Trend sind. Wie gut dieses Old-School-Musikwiedergabesystem tatsächlich sein kann, zeigt der – komplett, schlau und hochwertig – überarbeitete Neoklassiker von Technics, der offenbar nicht mehr in Diskotheken unter Wert verheizt wird. Ganz großes Klangkino mit Vinyl bietet der in wirklich jeder Hinsicht imposante Massimo von Transrotor, der sogar schon im Ruhezustand maximale Autorität zur Schau stellt und als typischer Transrotor vollkommen unkomplizierte analoge Spitzentechnik für die LP-Sammlung anbietet.

Drei Dinge braucht der Plattenspieler: Laufwerk, Tonarm, Tonabnehmer. Und ganz besonders preiswürdige Komplettpakete schnürt regelmäßig Acoustic Solid. Das Modell 113 Wood Bubinga konnte dafür glatt eine Preis-Leistungs-Auszeichnung abräumen. Übrigens: So wie bei den Laufwerken der Riemenantrieb klar dominiert, ist es bei den „Führungskräften“ die klassische kardanische Lagerung eines Drehtonarms. Einen ausgesprochen properen und preisgünstigen Tonarm bietet Thorens an. Die Spezialisten von Clearaudio wiederum präsentierten jüngst mit dem Tracer einen dermaßen wohldurchdachten Instant-Klassiker, dass dieser sogar den durchaus ähnlich bepreisten TT-2 – eine Tangentialkonstruktion – als Favorit für die Premium-Liga in letzter Diskussionsminute verdrängte. Als totaler Nonkonformist hingegen spielt sich der Rigid Float Ha von ViV Laboratory aus technisch abseitsverdächtiger Position direkt ins Zentrum der Klangmacht. Dieser in praktisch jeder Hinsicht außergewöhnliche Tonarm ist einer der schönsten Beweise, wie etwas, das auf den ersten Blick „gar nicht funktionieren“ dürfte, im richtigen Kontext zu einem fulminanten Ergebnis führen kann.

FIDELITY Award Winner 2018 Excalibur Black

Bei den Tonabnehmern spannen wir einen riesigen Preisrahmen auf, der bei einer moderat dreistelligen Summe für das unspektakulär Aufsehen erregende Excalibur Black beginnt. Mit dem rundum superben Abtaster namens Charisma V2 hat Clearaudio die gelegentlich belächelte MM-Liga der Tonabnehmer um ein wahres Weltklassesystem bereichert. Und praktisch jenseits aller Restvernunft (was FIDELITY selbstverständlich gerne unterstützt!) bewegt sich das Tamino, das Spitzenmodell von Transrotor, das sich schon im Rahmen des Massimo-Laufwerks in die Herzen und Anlagepläne aller gespielt hatte, die auch nur entfernt Kontakt mit dem Glanzstück hatten.
Ebenso angesagt wie Plattenspieler und Vinyl ist es unter Audiophilen, die Entzerrung und Vorverstärkung des zarten Tonabnehmersignals ausgesprochenen Spezialisten anzuvertrauen. Hierbei zeigte der kleine, smarte MX VNL (sprich: „Mäx Weinüll“) von Musical Fidelity, dass es auch preisgünstige Überflieger gibt, die selbst den besten integrierten Phonostufen den Schneid und den Klangvorteil abkaufen können. Gäbe es eine Kategorie „Überflieger“, wäre hierfür auch der tiefgründige, ultravariable Röhren-Entzerrer JE Audio HP10 ein erstklassiger Kandidat.

FIDELITY Award Winner 2018 Audiospecials Phonolab

Ein Newcomer aus Deutschland wiederum bietet mit dem „Recompizer“ ein bis dato unbekanntes Feature, das seine superiore Ausgangsposition bei externen Phonoentzerrern zusätzlich unterstützt. Gut, dass der Audiospecials Phonolab auch sonst alle Beteiligten um den Finger wickelte.
In der Ruhe liegt die Kraft – das gilt für einen absolut begeisternden Luftikus von Plattenspieler. Der TechDAS Air Force III kommt in vergleichsweise schlichtem Gewand daher, wenn man das bei einer 35-Kilo-Wuchtbrumme überhaupt so sagen darf. Als absoluten Clou holt der Air Force III mit seiner perfekt funktionierenden Vakuumpumpe und einem hauchdünnen Luftlager für den Plattenteller ganz neue, bisher unbekannte Eindrücke und Einsichten von den stets planebenen Schallplatten. Ein analoger Techniktraum aus Japan.
Ein Vollverstärker ist die platzsparende, bequeme, preisgünstige und längst nicht mehr kompromissbehaftete Alternative zur Vor-/Endverstärker-Kombination.

FIDELITY Award Winner 2018 NAD C368

Schon aus HiFi-historischen Gründen hat NAD in diesem Sektor immer ein paar audiophile Dauerbrenner im Programm, von denen es der smarte C368 sogar dauerhaft in die kleinste Anlage des Chefredakteurs geschafft hat. Mindestens ebenso klassisch und unverwechselbar ist das Design des Accuphase E-270. Das Einstiegsmodell der hausinternen „A“-Liga vereinigt bereits alle Tugenden der traditionsbewussten Firma in sich. Ein in wirklich jeder Hinsicht richtig dickes Ding ist der nahezu „unfassbare“ T+A PA 3100 HV. Und: Die „sichere Bank“, so der Titel unserer Story in FIDELITY 31, lässt sich trotz immenser Kraft, Kontrolle und Klangtalenten sogar noch ein bisschen weiter aufmunitionieren, nämlich durch ein passendes, also riesiges externes Netzteil. Damit stellt sich dann die Frage, ob es nicht vielleicht doch gleich eine getrennte Kombination aus Vorverstärker und Endstufe hätte sein dürfen.
Oder doch lieber eine gläserne Veredelung? AcousticPlan bestückt den Vollverstärker Mantra mit einer Röhrenvorstufe und einer Transistorendstufe und hat damit ins (markentypisch) Blaue getroffen. Audio Note UK gibt mit dem gigantischen Meishu ein berührendes Statement für das Gute, Wahre, Musikalische in der Audiotechnik ab: ein in jeder Hinsicht groß(artig)er Vollverstärker klassischen XL-Zuschnitts, der sich zudem noch individuell konfigurieren lässt.
Der vielleicht radikalste Vorverstärker überhaupt ist optisch und technisch das krasse Gegenteil von Giganto-HiFi: Der winzige iFi Audio iTube 2 gehört zur Micro-Line des Herstellers und ist, je nach persönlicher Konfiguration, entweder eine Art Lautstärkesteller mit zuschaltbarer Mini-Röhre oder ein dezenter, äußerst geschickter Klangregler oder einfach ein Pufferverstärker zur Ertüchtigung des Signals – oder eben ein pfiffiger, prinzipiell sehr gut klingender Hochpegel-Vorverstärker mit exakt einem Eingang und einem Ausgang. Radikal und flexibel zugleich, bespielt der iTube 2 auch das Fach des Mehrfach-Problemlösers auf charmante Art und Weise. Demgegenüber als unbestechlicher Problemaufdecker betätigt sich gerne der Nagra Jazz aus der Schweiz. Völlig einzigartige Detaillösungen sind wir von Einstein ja durchaus gewohnt, doch die verführerische Radikalität, mit der The Preamp aus der Bochumer Manufaktur allein schon die Eingangswahl erledigt, wird kongenial von den passenden Monoendstufen The Silver Bullet aufgegriffen, die ihre Leistungsröhren ohne Ausgangsübertrager direkt an die Lautsprecher „hängt“ und einfach sagenhaft durchsichtig und irrwitzig schnell auf den Punkt kommt. Aufgrund enormer Vielfalt unter den Endverstärkern kommen aber auch noch ganz andere Konzepte zu Ruhm, Ehre und Award. Die hochmoderne Stellar S300 von PS Audio beispielsweise ist flach, preisgünstig und leicht, aber auch unbestechlich und kräftig. Ein Monument des Machbaren aus alter und neuer Technik, aus klassischem Röhrendesign und Hightech in Hülle und Fülle stellt die Bittner TonMeister 500 dar, ein Doppelmono-Powerhaus, wie es die HiFi-Welt zuvor noch nicht gesehen hat. Dagegen wirkt selbst ein hochmoderner Endstufen-Klassiker wie die Soulution 511 – und erst recht die ansteckend erfreuliche Audia Flight FLS4 – wie ein zartes Endstufen-Pflänzchen.

FIDELITY Award Winner 2018 Valvet A4

Zart und zierlich wirkt übrigens auch ein Pärchen der Valvet A4, die wir in feurigem Rot zu Besuch und dabei über die Maßen schätzen gelernt hatten. Sie meistert auch größere Herausforderungen mit Bravour, ein tolles Manufakturprodukt aus Norddeutschland. Noch etwas nördlicher, in Dänemark, ist Gato Audio zu Hause, die mit den Monos PWR-222 außergewöhnlich kräftige und gut klingende Hingucker im Programm haben.
Zu einer ordentlichen Anlage gehören ordentliche Lautsprecher, und das Angebot an talentierten Schallwandlern ist nicht nur riesig, sondern bei näherer Betrachtung auch überraschend vielfältig. Eine der wenigen „Boxen“, die bei FIDELITY bei wirklich allen Beteiligten auf Sympathie stießen, ist die Direkt Einklang von Heco, ausgerechnet ein Breitbänder, ausgerechnet im klassischen Breitwandformat (breiter als tief). Waren es die Rallyestreifen? Die makellose Verarbeitung?

FIDELITY Award Winner 2018 Heco Direkt Einklang

Der überschaubare Preis? Der charmante, runde Klangeindruck? Die knackige, angstlose Performance? Der Auftritt „wie früher“, nur besser? Es war wohl alles zusammen. Ein ähnlich mehrheitsfähiges Gesamtpaket – optisch allerdings deutlich kompakter, moderner und highendiger – hat auch Dynaudio mit dem Jubiläumsmodell Special Forty geschnürt. Ein würdiger Preisträger mit allerbesten Manieren aus Dänemark.

FIDELITY Award Winner 2018 Dynaudio Special Forty

Etwas polarisierender wirkt die Quadral Aurum Montan 9, deren Entwickler Sascha Reckert seine Erfahrungen aus dem harten Studiomonitor-Alltag in einen starken, allürenlosen Standlautsprecher voller durchdachter Details einfließen ließ. In ganz anderen Preis- und zugegebenermaßen auch Klangsphären tummeln sich zwei Schwergewichte des Lautsprecherbaus, deren Hintergründe unterschiedlicher kaum sein können.

FIDELITY Award Winner 2018 Wilson Audio Yvette

Die Wilson Audio Yvette entstammt der vermutlich edelsten und akribischsten aller international renommierten Manufakturen und steckt vom geneigten Tweeter bis zu den Spikes voller Speziallösungen, die es einfach nur bei Wilson Audio gibt und sich im größten der „kleinen“ Modelle (ohne mechanisch justierbare Module) zu einem luxuriösen Gesamtpaket versammeln. Live Act Audio wiederum verdichtet ein eher unverdächtiges – in unserem Fall mit dem Limited-Nature-Furnier in Spaltholzoptik auch herrlich wildes – Äußeres mit einem sagenhaft aufwendigen Sandwichgehäuse voller verfeinerter Edelbauteile und einer kräftigen Portion Profitechnik zu einem extrem standhaften Nobelschallwandler für zu Hause. Und immer ein Koaxialchassis der unzerstörbaren Art als Ausgangspunkt(-Schallquelle)!
Mindestens ebenso breitgefächert ist die Auswahl an aktiven oder teilaktiven Lautsprechern. Während die verblüffende kleine LS50 Wireless von KEF sogar schon die neuesten Generationen an Vernetzungen an Bord hat, versteht sich die geradezu überirdische Backes & Müller BM Line 80 als schallwandlerischer Problemlöser für – nun, für eigentlich alles, sofern man die passenden Reserven in puncto Budget und Räumlichkeiten mitbringt.

FIDELITY Award Winner 2018 Martin Logan Expression ESL 13A

Auf eine ganz andere Art hat sich die sagenhaft homogene MartinLogan Expression ESL 13A in unsere Herzen gespielt: Der Elektrostat kann nicht nur auf reiche und praxiserprobte Erfahrungen des Herstellers beim Bau von Flächenstrahlern zurückblicken, sondern verfügt auch über einen aktiven, per DSP einmessbaren und kontrollierten Tiefbass, der dermaßen geschmeidig mit den hochgradig verführerischen Panels zusammenspielt, dass selbst harte Flächenstrahlerverweigerer in die Knie gehen. Vor Bewunderung, versteht sich.
Ob auf den Knien, auf dem Kopf stehend oder lang ausgestreckt auf dem Sofa liegend: Mit Kopfhörern lassen sich zu relativ günstigen Kursen enorm highendige Klangerlebnisse realisieren. Wobei wir einen unspektakulär guten Auftritt den üblichen populären „Sounds“ jederzeit vorziehen. Der AudioQuest NightOwl ist dafür ein erstklassiges Beispiel, das mit der Zeit immer noch besser wird. Wer in den allerhöchsten Sphären weilen möchte, darf vom Sennheiser Orpheus träumen – und wird sich eventuell den Focal Utopia kaufen, der in der gelebten High-End-Praxis extrem weit vorn (oder besser: oben) mitspielt. Das Meisterstück aus Frankreich, groß und fein, ist genau das Richtige für lange Hörsessions auf dem Sofa. Für unterwegs darf es vielleicht ein kleinerer Beyerdynamic T 5 p oder ein LCDi4 sein? Letzterer ginge auch locker als extravaganter Ohrschmuck durch, klingt aber viel besser.

FIDELITY Award Winner 2018 Lehmannaudio Drachenfels
Ja, selbst ein Kopfhörerverstärker wie der Lehmannaudio Drachenfels profitiert hörbar von guten Netzaufbereitern. Ein günstiger und wirksamer passiver Filter ist der kleinste aus der Niagara-Serie von AudioQuest, das Modell 1000. Dessen großer Bruder Niagara 7000 kommt im ganz großen Ausgeh-Anzug und wirkt dermaßen überzeugend, dass er in entsprechend ambitionierten Audiosystemen spätestens nach ein paar Wochen als unverzichtbares Element betrachtet wird. Wer die Stromversorgung für eine große High-End-Anlage noch ein bisschen radikaler auf Kurs bringen will, sorgt für eine aktive Stromaufbereitung, wie sie der EVO3 Mosaic Genesis von IsoTek erzeugt. Die audiophile Wirkung des „Big Blocks“ aus England ist verblüffend und bringt selbst notorische Zweifler zum Staunen – zum entsprechend sportlichen Kurs eine Investition, die wahre Klang-Kulinariker garantiert nicht bereuen werden. Übrigens haben die Stromspezialisten aus Winchester, England, auch feine Netzkabel im Programm: Das IsoTek EVO3 Initium degradiert für überraschend kleine Münze jede Beipacknetzstrippe umgehend zu einer hüftsteifen Angelegenheit. Mehr Klanggewinn zum günstigen Kurs ist uns in Sachen Netzversorgung jedenfalls noch nicht untergekommen. Für audiophile Feinschmecker bietet HMS praktisch unbegrenzte Möglichkeiten der Verbesserung, wobei das Spezialunternehmen um den Physiker Hans M. Strassner auch technisch bis ins kleinste Detail fit ist und mit seinem Know-how nicht hinterm Berg hält. Bei den Netzkabeln haben wir uns auf Anhieb in das Spitzenmodell HMS Energia Suprema verliebt, während es bei den Signalverbindern schon in der neuen Serie Armonia gefunkt hat. Oder besser: eben nicht gefunkt, denn technische Unsauberkeiten sind bei HMS natürlich ganz grundsätzlich undenkbar.
Neben dem Clear Sky von Cardas und dem genialischen Referenz Air 2404 von in-akustik haben es gleich drei Linien aus dem unglaublich vielfältigen Kabelprogramm von AudioQuest geschafft, einen FIDELITY AWARD nach Haus zu holen, darunter die sehr günstige Golden-Gate-Serie, das moderat bepreiste Star-Quad-Lautsprecherkabel, aber auch das geniale Blue Wild Yonder, das uns immer eine Sünde wert zu sein scheint.
Interessanterweise hat der Kabelspezialist HMS auch auf einem ganz anderen Feld ein ausgezeichnetes Produkt im Portfolio: Die Silenzio Base löst mechanische und störstrahlungsbedingte Aufstellungsprobleme auf besonders elegante, weil flach bauende Art. Reinhold Schäffer, Chef von bFly-audio, pflegt dagegen eine optisch offensivere Herangehensweise, störenden Resonanzen mit geeignetem Equipment auf den Leib zu rücken. Seine Powerbase stellt eine probate Entkopplung dar, die zusätzlich geerdet werden kann und fast immer zu einer erstaunlichen Verbesserung der Performance führt. Darüber hinaus bietet bFly-audio auch ein kleines Helferlein für die vielen manuellen Plattenspieler da draußen an: Der „Little Fwend“ hilft hilflos in der Auslaufrille drömelnden Tonarmen dezent und effektiv auf die Beine.
Die schönsten Beine bzw. Seitenteile überhaupt sind bei Subbase Audio im Programm zu finden. Insbesondere das sagenhaft gut verarbeitete Shambala TSS hat’s uns nachhaltig angetan. Das in verschiedenen Größen und etlichen tollen Oberflächen lieferbare High-End-Möbel holt aus jedem ihm anvertrauten Gerät das Maximum an Klangqualität heraus, indem es die Komponente mechanisch „umsorgt“ und vor Unbill schützt. Glauben Sie nicht? Hätten wir vorher auch nicht, ist aber so.
Kaum zu glauben ist auch, was ein Tonabnehmer mit integrierter „Beschattungsfunktion“ aus der Schallplattenrille holt, wenn er nur richtig konstruiert ist. DS Audio hat diesbezüglich das Feld mit Fernlicht quasi überrollt, weswegen wir für den Master One gerne einen Innovations-Award herausrücken.

FIDELITY Award Winner 2018 Lyravox SM3-150

Master? Lyravox hat sogar den einen oder anderen Stereomaster im Programm. Und schon das kleinste Modell namens Stereomaster SM-150 3 macht dem Anspruch der Hamburger Manufaktur, die gute alte Musiktruhe mit Glanz, Gloria und High-End-Performance in die digitale Neuzeit zu überführen, alle Ehre. Wer noch mehr von einer All-in-one-Anlage will, der muss zur deutlich kostspieligeren und raumgreifenden Burmester Phase 3 greifen, die eine ganz neue Facette der Berliner zeigt.

FIDELITY Award Winner 2018 Block CVR 10

Wer hingegen eine in jeder Hinsicht kleine, gleichwohl feine HiFi-Lösung für den Schreibtisch, den Nachwuchs, das Wochenendhäuschen oder auch eine anständige Zweitanlage sucht, der ist beim dienstbaren und bequemen CVR-10 von Block genau richtig. Ein wirklich smartes All-in-one-System für den schmalen Geldbeutel und unbedingt AWARD-würdig. Einen AWARD für Innovation vergeben wir auch an die Phono Box DS2 USB von Pro-Ject, mit der man nicht nur sehr gut den Plattenspieler zum Klingen bringen, sondern das Gehörte auch gleich bequem und sehr, sehr anständig in die digitale Welt überführen kann. Echt innovativ, der kleine Racker!
Völlig anders motivierte, eigentlich nie vollends aufzuklärende Auftritte legt regelmäßig Harmonix aufs Parkett. Beziehungsweise unter die Spikes. Beziehungsweise zwischen Komponentenboden und Stellfläche. Unter die Gerätefüße. Auf den Deckel. Unters Rack. Wohin Sie wollen. Wie der Name schon nahelegt, sind die Harmonix-Tuningprodukte der Million-Serie eher als Wertanlage zu sehen, die sich vielleicht nie pekuniär rentieren wird. Aber man erhält dafür eine ungleich kostbarere Rendite: Ausnahmslos alles, vom CD-Player bis zu Lautsprechern, was man auf die Zubehörfüße oder -pucks stellt, klingt eine oder sogar zwei Klassen besser. Erlesenes Tuning aus dem Grenzbereich zwischen Magie, Empirie und Wissenschaft. Und ein großer Spaß unter fidelen Freunden: Boah-Effekte sind definitiv nicht auszuschließen!
Ebenfalls beeindruckend ist immer wieder eine Begegnung mit der TIDAL Audio La Assoluta. Allein die Physis dieser über 2,30 Meter großen und beinahe eine halbe Tonne schweren Megalautsprecher sorgt für reichlich Kommentare. Auch der Paarpreis im Gegenwert eines voll ausgestatteten Rolls-Royce ist bestens geeignet, um am nächsten HiFi-Stammtisch ordentlich zu punkten – die Verarbeitungsqualität ist entsprechend überirdisch. Den FIDELITY AWARD jedoch vergeben wir für eine echte Innovation: Nicht nur die Hochtöner, sondern auch die Mitteltöner der TIDAL Audio La Assolute besitzen Membranen aus Diamant. Und die insgesamt verbauten 54 Karat gibt es bei Ihrem Lieblingsjuwelier nicht zu diesem Preis.
Das Kandidatenfeld von einer ganz anderen Richtung aufgerollt hat die Saxx CoolSound CX30. Sie ist überaus preisgünstig, gleichwohl mit einem AMT-Hochtöner gut bestückt, vor allem aber ist sie derart gut gestaltet, dass sie uns schon direkt nach dem Auspacken den Kopf verdreht hat. Einen Design-Award haben wir auch sehr gern an die Hornlautsprecher-Legende Trio von Avantgarde Acoustic vergeben, die uns in der aktuellen XD-Ausführung auch klanglich restlos überzeugt hat.

Bowers & Wilkins 702 S2 Titel

Auf Englisch heißt so etwas „best buy“, man darf also ordentlich „value for money“ erwarten. Und tatsächlich bietet die aktuelle Bowers & Wilkins 702 S2, die ganz erheblich vom Technologietransfer aus der noblen 800er-Serie profitiert hat, einen dermaßen guten Gegenwert fürs Geld, dass wir gar nicht anders konnten, als ihr ein überragendes Preis-Leistungs-Verhältnis zu bescheinigen.
Niemand bietet so viele Individualisierungsmöglichkeiten eines Lautsprechers wie die Hamburger Lautsprechermanufaktur Inklang. Auch beim Modell Advanced Line 13.4 kann jeder Interessent bei Farbauswahl, Frequenzweichen und audiophilem Zubehör aus dem Vollen schöpfen. Auf Wunsch darf er seine Traumlautsprecher sogar selbst im Werk montieren. Und wenn er fertig ist, gibt es ein Gläschen Champagner als erste Belohnung. Die zweite, wertvollere Belohnung gibt es, sobald der Traumlautsprecher aus Hamburg bei ihm zu Hause für Musik sorgt.

 


FIDELITY Lifetime Achievement Award 2018 Peter Suchy

Lifetime Achievement Award
Peter Suchy
Clearaudio

Während Clearaudio in diesem Jahr sein 40. Firmenjubiläum feiert, ehren wir den Clearaudio-Gründer und -Seniorchef Peter Suchy mit dem FIDELITY LiIFETIME ACHIEVEMENT AWARD.

Herzlichen Glückwunsch, Peter Suchy.


Preisträger FIDELITY Award small

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
Abonnieren Sie den Newsletter und erhalten Sie Informationen rund um das FIDELITY Magazin, exklusive Spezialangebote, Gewinnspiele, neue Features sowie Angebote unserer Partner.