Jazzidelity: Pierrick Pédron – Kubic’s Cure

Nils Landgren spielt ABBA, Jens Thomas: AC/DC, Three Fall: die Red Hot Chili Peppers, Nguyên Lê: Jimi Hendrix, Carsten Daerr: Ralph Maria Siegel – und Michael Schiefel singt die alte Neue Deutsche Welle. Das Münchner Label ACT Music überrascht immer wieder mit abgefahrenen Crossover-Tributes. Das ist eigentlich kein Wunder, denn ACT-Gründer Siggi Loch weiß nicht nur den Jazz zu schätzen, sondern hat früher auch Amon Düül, Can, die Rattles oder Katja Ebstein produziert. Auch Klaus Doldinger, diese Inkarnation des Crossover-Gedankens, war einst Lochs Entdeckung.

Pierrick Pédron – Kubic’s Cure

Pierrick Pédron – Kubic’s Cure
ACT, 2014

Dennoch ist auch Kubic’s Cure wieder eine kräftige Überraschung: Pierrick Pédron, preisüberhäufter Altsaxofonist aus Frankreich, covert, nein: adaptiert, nein: übersetzt Songs von The Cure, der legendären Gothic-Wave-Band aus England. Keine Ahnung, wie viele Fans The Cure noch haben und wer diese Musik überhaupt kennt. Aber die gute Nachricht ist: Man muss The Cure nicht mögen, um Pédrons Trio-Album (plus Gäste) klasse zu finden. Die Grooves sind heftig, die Melodien oft zurückhaltend, die atmosphärische Mischung ist anrührend, hypnotisierend, definitiv anders – besonders in balladenhaften Stücken wie „In Your House“, „In Between Days“ und „Lullaby“. Zeitweise klingt es auch arabisch getönt („A Reflection“, „Killing An Arab“) oder sogar bizarr-virtuos („Just Like Heaven/Close To Me“, „Boys Don’t Cry“). Sicherlich kein Jazzalbum in einem konventionellen Sinn, dafür in einem universellen: mit Folklore, Rhythm’n’Blues, metrischen Brüchen und großartigen Bläsersoli.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 14 (04/2014)

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