Jazzidelity: Christoph Grab – Raw Vision

Christoph Grab – ein Meister der Collage von Klischees? Mit seiner Band Science Fiction Theater verwirbelt der Schweizer Saxofonist regelmäßig Anklänge an Agentenfilm- und Science-Fiction-Soundtracks zu einer Art klingendem B-Movie-Kaleidoskop. Im Vergleich dazu klingt Grabs Sextett abstrakter, ernsthafter, komplexer, virtuoser – aber es macht mindestens ebenso viel Spaß. Jazzballade, Punk-Gewitter, Bebop, Rock-Feeling, Ellington und Easy-Listening-Hymne, viel Sechziger- und Siebzigerjahre-Flair: Die stilistischen Anmutungen scheinen hier schneller vorüberzuziehen, als man sie benennen kann. „Die Handbremse der Erinnerung gelöst, nonstop auf dem Highway der Imagination“ – so beschreiben die Liner Notes Grabs atemlose Wanderung über die Klangkulturhalden.

Christoph Grab

Christoph Grab – Raw Vision
Unit, 2014

Dabei bleibt das Abschöpfen historischer Stilmittel und bekannter Stimmungen immer prickelnd intensiv und originell, denn für Parodie oder Klamauk ist diese Band viel zu profund, viel zu selbstbewusst. Allen voran: Christoph Grab an seinem souverän tönenden Tenorsax. Dann auch: die zwei Gitarren-Freigeister Frank Möbus und Ronny Graupe, dazu ein allmächtiges Bass/Schlagzeug-Gespann sowie gewitzte und atmosphärisch bereichernde Akteure an Posaune/Tuba und Akkordeon. Eine Musik, gleichzeitig emotional schwelgerisch und technisch unberechenbar! „Mein Drummer spinnt“ nennt Grab eines seiner Stücke. Ohne die Verdienste des Drummers Maxime Paratte schmälern zu wollen: Nein, die ganze Band spinnt! Und das auf beste, inspirierendste, gesündeste Weise.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 14 (4/2014)

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