Sieveking Sound Quantum Noise Resonator

Daumendicke Frontplatte, schraubenloses Massivgehäuse, unter dem Schwarzglasdeckel ein geheimnisvoll pulsierender LED-Ring. Ja, der puristische Quantum Noise Resonator (QNR) von Sieveking Sound hat große Handschmeichlerqualitäten und einen noch größeren Must-have-Effekt.

Doch was ist der QNR eigentlich? Was macht er? Ich habe keine Ahnung. Das Faszinierende: Alle anderen (Kollegen, Experten, Vertriebsleute) wissen das „auch nicht so genau“. Sehr gut. Ich werde das mysteriöse Ding völlig unvorbelastet ausprobieren.

Nur so viel vorab: Der Quantum Noise Resonator soll „mit der Reduzierung von Quantenrauschen“, das zum Beispiel bei der Verstärkung von Lichtsignalen und Radiowellen entsteht, zu tun haben. Ein gewisser William Stierhout aus Kalifornien habe die dazugehörige „Skalarfeld“-Schaltung in den frühen 1990ern für HiFi-Anwendungen optimiert und lizenziert, die Firma Telos ist mit einer schicken Variante des QNR seit 2015 am Start, als „klanglich beste Version“ gilt jedoch der Zwillingsbruder von Sieveking Sound für den 220–240-Volt-Sprachraum. Zumindest ist es mit kurzschlussfestem Sicherheitstrafo im Inneren und großer Netzbuchse die audiophilste Variante. Ein ideales Spielzeug für den ambitionierten und solventen HiFi-Enthusiasten.
Im Kompaktformat eines dicken Taschenbuchs ginge der QNR auch locker als DAC oder Kopfhörerverstärker, als Phonoentzerrer oder neumodische Endstufe durch. Doch das Gerät besitzt keinerlei Signalbuchsen, keinen drahtlosen Empfänger, weder App noch Akku. Der QNR verlangt für sein ordnungsgemäßes Funktionieren einzig und allein nach einem Netzkabel. „Eher kürzer als lang, und eher besser als billig“, sagt Jan Sieveking vom deutschen Vertrieb. Der klangliche Unterschied sei durchaus vernehmlich, sofern das mit dem QNR beglückte Audiosystem nur eine ausreichend hohe Qualität besäße. (Selbstredend kann Sieveking aus dem hauseigenen Portfolio ein paar sehr schöne Netzkabel von Cardas empfehlen, aber auch andere Fabrikate seien absolut geeignet …)

Wie groß sind die Unterschiede „mit“ und „ohne“ in der Praxis wirklich? Nun, praktisch alle HiFi-Dinge muss man in Ruhe ausprobieren, um ihre klangliche Wirkung zu erfahren, das gilt insbesondere für audiophiles Zubehör. Und der QNR ist definitiv Zubehör, also nicht zwingend fürs Musikhören notwendig, aber möglicherweise spielentscheidend, luststeigernd, das letzte Stück zum Glück. Man bringe also idealerweise seine Lieblingsmusik und genügend Zeit mit, denn auch beim QNR läuft ein (vor)schneller erster Eindruck mit einem unbekannten Musiktitel auf die nüchterne Erkenntnis hinaus, die klangliche Wirkung sei gering. Einige unverschuldet zum Mithören verpflichtete Besucher behaupten gar, überhaupt keinen Unterschied zu hören. Man kann es wirklich nicht oft genug betonen: Mit der Lieblingsmusik und in aller Ruhe lichtet sich das (Klang-)Bild.

Über mein HiFi-System im Wohnzimmer (derzeit Ayon CD-3SX, Musical Fidelity M8 500s, Stereofone Dura, Audio-Note-Verkabelung) spiele ich „Dub In A Time Of Cholera“ (von Dub Colossus: Dub Me Tender, 2012) und erlebe mit dem QNR definiertere Drumschläge, einen insgesamt klarer umrissenen Gesamteindruck mit leicht gesteigerter Feindynamik (typisch für wirksame Netzkonditionierung), irgendwie „schwebendere“ Gitarrensounds und einen minimal entschlackten Tiefbass. Insgesamt aber eine mehr gefühlte als handfeste Verbesserung. Immerhin ist definitiv keinerlei Verschlechterung wahrnehmbar, vielmehr eine in jeder Hinsicht subtile Steigerung des Hörvergnügens.

Danach mein E-Bass-Held Jaco Pastorius im Doppelpack: Auf der 1983er Live-Scheibe Invitation bewundere ich bei „Soul Intro/The Chicken“ die nochmals feiner und luftiger transportierte Cymbal-Arbeit von Drummer Peter Erskine, die Bigband erscheint – überspitzt ausgedrückt – weniger als hochtalentierter Haufen von Jazzvirtuosen, sondern mehr als homogene Einheit, als Spitzenensemble, das auch mit dem (allzu prominent abgemischten) Bassspiel des Chefs hervorragend harmoniert.

Deutlicher wird die Wirkung des QNR übrigens, wenn man das Gerät nach einiger Zeit mal wieder „abnabelt“. Der klangliche Unterschied wird „ohne“, wie so oft, klarer. So notiere ich zum Beispiel beim Solodebüt von 1976 (Jaco Pastorius) bei „Come On, Come Over“, dass die Bassdrum ohne den QNR-Einsatz plötzlich eine Art „Klang-Korona“ trägt, also etwas verschmierter klingt. Die ganze Studiocrew wirkt eine Spur weniger auf Zack, die Bläser intonieren breiter, schnelle Wirbel auf der Snare kommen weniger präzise definiert. Feinheiten, logisch, die aber vom Autor plötzlich durchaus vermisst werden. Also QNR flugs wieder aktiviert.

Im Redaktionshörraum stecke ich den Sieveking Sound QNR direkt neben einer Audia-Flight-Kombi ein, später müssen sich noch Topprodukte von Tidal, Einstein, Soulution und Primare mit der dezenten Begleitung arrangieren. Doch die audiophile Elite scheint sich tatsächlich hörbar zu freuen, dass hier das Netzsignal entquantisiert wird (oder wie das nun genau heißt). Der Flügel von Maurizio Pollini bei Chopin Nocturnes (DG, 2005) wirkt beispielsweise im H-Dur-Nocturne op. 32,1 klarer umrissen, der „Raum“ echter und gleichmäßiger durchleuchtet, das Instrument dadurch weniger distanziert; es tritt deutlicher heraus und bietet einen definierteren Anschlag.

Kurzum, die klanglichen Unterschiede mit dem QNR bleiben über Monate hinweg subtil, sind aber immer auf der positiven Seite zu verorten. Weitere Differenzierungen zwischen unterschiedlich „guten“ Netzkabeln habe ich allerdings, ganz ehrlich, nicht wahrgenommen. Schlussendlich gilt auch für den Quantum Noise Resonator die Maxime: Niemand muss irgendetwas kaufen. Aber wer ansonsten hifimäßig rundum versorgt ist, ein originelles Geschenk für sich selbst oder einen High-End-Buddy sucht oder überhaupt nach fideler Perfektion strebt, der sollte einen Quantum Noise Resonator von Sieveking Sound in aller Ruhe ausprobieren. Mir persönlich geht es „mit“ besser!

 

Sieveking Sound Quantum Noise Resonator
Netzkonditionierer
Preis: 1200 €

 

www.sieveking-sound.de

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