Jazzidelity: Zur Schönen Aussicht – Willkommen

Wie klingt wohl eine Musik, deren Titel von Hasen und Waldlöwen handeln, von Gartenstühlen und Würfeln, vom Wandern und Tangotanzen? Das Trio Zur Schönen Aussicht kokettiert mit seiner Herkunft aus ländlichen Gegenden und seiner unangepassten und innovativen Sicht aufs Moderne und Urbane. Wie „ein Fahrradkurier in der Rush Hour“, so sagt ihr Kollege Frank Möbus, schlängeln und mogeln sich die drei zwischen den städtischen Fassaden von Neuer Musik, Jazz und Rock hindurch. Und zwar mit schlankem Pfadfinder-Sound – nur Sax, Gitarre, Drums –, kammermusikalischer Feingliedrigkeit, wendigen, sprunghaften Themen, raffiniert anpassungsfähigen Klangfarben.

Aussicht

Zur Schönen Aussicht – Willkommen
JazzHausMusik, 2014

Aber dann, wenn Straße und Sicht frei sind, kommt auch einmal die dramatische Geste, der große Groove, die spielerische Freiheit! Der Gitarrist Joachim Wespel hat alle zehn Stücke des Albums geschrieben. Da gibt es dynamische Abenteuer, kleinteilige Motivkettungen, rhythmische Zwischenspurts, melancholische Stimmungen, verschränkte Minimalismen, wandernde Patterns, wütende Höhepunkte – eine überraschend vielfältige Klangwelt im konzentrierten Trioformat! Sie seien „Forscher auf der Suche nach neuen musikalischen Mustern“, sagen die drei. „Wir fordern Dissonanzen heraus und jonglieren bewusst mit unserem eigenen Empfinden und dem Geist der Zeit. Klangfluss trifft auf Tonarchitektur.“ Selten hat sich ein Trio mit so erfrischenden Ideen zwischen den urbanen Soundbauten herumgetrieben. Raffiniert und schlau wie ein Tango tanzender Hase.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 14 (4/2014)

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