FIDELITY zu Besuch bei DeVore Fidelity, New York, The Brooklyn Navy Yard

DeVore Fidelity, The Brooklyn Navy Yard, 63 Flushing Ave. and Cumberland Street, Bld. 280, 5th floor, Suite 510, Brooklyn, NY 11205, U.S.A. – so lautet die exakte Adresse von DeVore Fidelity.

Die Firma hat tatsächlich ihren Sitz im Brooklyn Navy Yard, einem alten und stillgelegten Werftgelände mit Militärhistorie. Die Regierung der Vereinigten Staaten baute dort ab 1806 an Kriegsschiffe. Die Bandbreite reichte vom ersten dampfbetriebenen Kriegsschiff, der USS Fulton, über Schlachtschiffe wie der USS Missouri bis hin zu Flugzeugträgern wie der USS Constellation. Zu absoluten Hochzeiten arbeiteten dort knapp 69.000 Menschen. Doch 1966, nach 160 Jahren, wurde die Werft aufgegeben und weitestgehend sich selbst überlassen. Seit den 1970er Jahren verwaltet die Stadt New York das Areal und hat es für zivile Zwecke restrukturiert. Heute sind im Navy Yard rund 5000 Leute beschäftigt, bei vielen kleinen Hightech-Schmieden und Startups – und eben auch bei DeVore Fidelity. Unter den mittlerweile 200 im alten Shipyard ansässigen Firmen finden sich auch einige illustre Kandidaten. So stellt, um nur ein Beispiel zu nennen, ein Unternehmen in der Nachbarschaft von DeVore Fidelity Raumanzüge her! Zudem ist – der Zufall hätte es nicht besser einrichten können – der unmittelbare Nachbar zur Rechten eine Schreinerei, die sich um die Holzarbeiten der DeVore-Lautsprecher kümmert.

DeVore Fidelity ist bekannt für seine gut klingenden, wohnraumfreundlichen und verstärkerfreundlichen Lautsprecher – und für Modellreihen, die nach Affenarten benannt wurden, derzeit Gibbon und Orangutan. John DeVore, Namensgeber und Besitzer ist ein Selfmade-Entwickler, seine Leidenschaft für Musik geht weit zurück bis in frühe Jugendtage. „Die Dinge fingen an, sich um mein 16. Lebensjahr herum zu verdichten“, sagt John DeVore. „Irgendwie hatte ich in meinem Umfeld immer die ‚fanciest’ Anlage, die mit Abstand meisten Patten – und ich habe am laufenden Meter Mixtapes für meine Freunde bespielt“. Selbstbau spielte bis zum College keine Rolle für John. Vielmehr war es zu diesem Zeitpunkt schlichte Neugierde, die ihn unablässig dazu trieb, Dinge auseinanderzunehmen, um sie zu verstehen. „Es war eine aufregende Zeit damals“, betont DeVore, „noch vor Mark Levinson und Conrad Johnson“. Was heute High End Audio genannt wird, war damals noch audiophiler Underground in Reinkultur, betrieben von kleinen verschworenen Gruppen und Grüppchen, immer auf der Suche nach dem besseren, ultimativen Sound. Daraus erwuchs eine wichtige Erkenntnis für DeVores weiteres Schaffen: Die Dinge müssen nicht unnötig kompliziert sein, um zu überzeugen.

DeVore Fidelity New York, Brookly Navy Yard

 

Ein Schlüsselerlebnis in diesem Zusammenhang war für John DeVore ein kleiner Lautsprecher von Wharfedale. 1982 brachte die britische Firma das Modell Diamond auf den Markt, einen Zwei-Wege Zwerg, der für 65 Pfund über die Ladentheke ging – unspektakuläres Aussehen, unspektakuläre Größe, aber spektakulärer Klang. Wharfedale bewies mit der Diamond, dass die Dinge keineswegs kompliziert sein müssen, um zu punkten. Das wiederum führte John DeVore zur Erkenntnis, dass die Kunst, Dinge besser zu machen, nicht im Hinzufügen besteht, sondern vielmehr im Weglassen. Eine Philosophie, die sich tief in den Genen von DeVore Fidelity finden lässt und einen Großteil des Markenkerns ausmacht.

Ganz gradlinig verlief der Weg zu DeVore Fidelity aber dann doch nicht. Nach dem College besuchte John DeVore die Art School. Auf seinem Weg zum Künstler jobbte er häufig und regelmäßig in der „Stereo Exchange“ (627 Broadway/Houston Street, New York), einem zum damaligen Zeitpunkt noch auf Second-Hand-Audio fokussierten HiFi Händler (siehe auch unseren Bericht über HiFi-Händler in New York), spielte in verschiedensten Bands Schlagzeug und tummelte sich in der New Yorker Kunstszene. „In den frühen 1990er Jahren gab es einen echten Engpass an Schlagzeugern in der New Yorker Musikszene. Das taugte mir gut, denn ich konnte in beinahe so vielen Bands mitspielen, wie ich wollte.“ Darunter sollen übrigens auch sehr bekannte Namen gewesen sein, doch um welche Formationen es sich genau handelte, wollte John uns dann doch nicht verraten.

Seinen Job in der „Stereo Exchange“ versteht DeVore als seine Lernphase, um das Geschäft und den Markt zu verstehen; ein wichtiger Zeitabschnitt, wie er sagt. In dieser Zeit reifte auch die Idee heran, eigene Produkte selbst herzustellen. Es sollten Lautsprecher für normale Räume sein, für normale Elektronik und für normale Leute, leicht zu betreiben und dabei hoch musikalisch.

Er lernte schnell: „Lautsprecher dürfen keine quälende Last für den Verstärker sein, denn dann klingt er schlecht. Lautsprecher müssen eine leicht Last sein, nur dann kann der Verstärker seine Stärken ausspielen.“ Unter dieser Maxime führt John DeVore sehr ausführliche Messungen durch und produziert enorm viele Prototypen. Ein typischer Entwicklungszyklus bei DeVore beträgt daher auch stolze vier Jahre! In dieser Zeit wird ein Konzept maximal – also bis aufs Minimum – reduziert: Die Frequenzweiche wird immer weiter vereinfacht, Bauteile gegeneinander gehört, Prototypenchassis werden in ihren Parametern immer weiter dem Zielkonzept angepasst, immer wieder gemessen und natürlich auch gehört, bis schließlich das Optimum gefunden ist. Um all das auch praxisnah auszuprobieren und zu verifizieren, hält John DeVore in seinem Hörraum nicht weniger als rund zwei Dutzend Verstärker bereit – das dürfte einzigartig sein. Die Bandbreite der verfügbaren Verstärker reicht hierbei von filigransten Eintakt-Röhren-Diven bis hin zu Kilowatt-Transistor-Monstern. Jeder Lautsprecher-Prototyp wird an all diesen Verstärkern klanglich beurteilt und immer weiter optimiert, so dass schließlich ein wirklich universell einsetzbarer Lautsprecher mit hoher Verstärkerverträglichkeit entstanden ist.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass DeVore auch kleinsten Details Beachtung schenkt, ist die Innenverkabelung der Lautsprecher. Bei gegebener Länge hat die Anzahl der Verdrillungen einen direkten Einfluss auf die elektrischen Parameter, die sogenannten Leitungsbeläge. Hier kann direkt die Kapazität oder Induktivität einer Leitung beeinflusst werden, die Anzahl der Verdrillungen einer Zuleitung kann also den Hochton- oder den Tieftonzweig optimieren. Und genau das passiert bei DeVore Fidelity.

Neben den erklärten Maximen „reduziertes Konzept“ und „leicht zu betreiben“ gibt es einen dritten Schwerpunkt bei Lautsprechern von DeVore: den Wirkungsgrad. John DeVore will das Konzept eines wirkungsgradstarken Lautsprechers auf Basis dynamischer Treiber ohne Horn und ohne Druckkammer ausgereizt haben. Selbst die Formgebung der Orangutan-Modelle mit ihren breiten Fronten ist dem Wirkungsgrad geschuldet, der bei respektablen 93 respektive 96 dB/W/m liegt.

Unserer Meinung nach kann sich das Ergebnis aus diesen drei Faktoren – reduziertes Konzept, leicht zu betreiben, hoher Wirkungsgrad – nicht nur sehen, sondern vor allem auch hören lassen. Lautsprecher von DeVore zeichnen sich in der Praxis tatsächlich durch eine äußerst angenehme Leichtigkeit aus, die zudem niemals anämisch oder knochig wirkt, sondern immer von einem satten, federnden und schön „schnellen“ Fundament unterfüttert wird. Statt übertriebener Analytik in den Hochtonlagen oder „boomigen“ Bässen gibt es eine fein ausbalancierte Tonalität mit einer schönen Auflösung und glaubwürdiger Räumlichkeit. Lautsprecher von DeVore Fidelity sind stets frei von jeglichen Übertreibungen, transportieren – wenn man auch diese Kriterien einmal auf das Mindestmaß reduzieren möchte – ganz einfach „Musik ohne Wenn und Aber“ und bieten sich dadurch als ideale Kandidaten für die ganz langen Musiknächte an.

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Und da John DeVore mit allen seinen Modellen sein Versprechen einlöst, jedem nur denkbaren Verstärker eine möglichst einfach zu treibende Last anzubieten, laufen die unterschiedlichsten Verstärkerkonzepte an Schallwandlern von DeVore Fidelity praktisch wie von allein zur Höchstform auf. FIDELITY kennt jedenfalls keine anderen Lautsprecher, die es dem jeweiligen Leistungslieferanten so einfach macht, seine klanglichen Schokoladenseiten herauszustellen. Was es im Umkehrschluss zum Kinderspiel macht, einen Verstärker klanglich einzuordnen – und bei Lust, Laune und persönlichem Lagerbestand auch mal kurzerhand den Amp zu wechseln, um die eigene Anlage noch feiner abzustimmen. Ein Lautsprecher von DeVore Fidelity stellt sich seinen „Klangzulieferern“ niemals in den Weg, er sorgt vielmehr dafür, dass deren Charakter optimal und vorteilhaft zur Geltung kommt.

DeVore Fidelity New York, Brookly Navy Yard

 

Wer hätte gedacht, dass auf einem ehemaligen Werftgelände mit militärhistorischem Hintergrund eines Tages so friedliche, ja, geradezu friedensstiftende Produkte wie die vermutlich verstärkerfreundlichsten HiFi-Lautsprecher der Welt entstehen? Die Gibbons und Orangutans, die John „Top Banana“ DeVore (Eigentitel) in der Brooklyn Navy Yard von der Leine lässt, finden wir jedenfalls affengei…, äh, Verzeihung, affenartig gut!

 

www.devorefidelity.com

 

DeVore Fidelity New York, Brookly Navy Yard

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