Rockidelity: Swans – To Be Kind

Das neue Swans-Doppelalbum in 1500 Zeichen beschreiben zu wollen – das ist in etwa so, als wollte man ein Gemälde von Hieronymus Bosch auf ein Icon mit 16 x 16 Pixeln reduzieren: vollkommen aussichtlos. Wieder einmal lotet eine illustre Gemeinschaft um Michael Gira die Schmerzgrenzen des Hörers neu aus. Es geht hier jedoch bei diesem Schmerz weder um Lautstärke oder Geschwindigkeit, sondern um das Zelebrieren einer Repetition grausamen Ausmaßes. Track 4 auf dem ersten Album ist lockere 34 Minuten lang – und bereits nach der dreizehnten Minute sitzt der Hörer schweißgebadet vor den Lautsprechern und fragt sich anhand der von Minute zu Minute höher und windschiefer aufgeschichteten Themenfolgen, ob es denn nun wirklich noch schlimmer werden kann und wie die Swans wohl die verbleibenden 21 Minuten zu füllen gedenken, denn so könne das ja nun wirklich nicht weitergehen.

Swans – To Be Kind

Swans – To Be Kind
Young God / Mute, 2014

Das Swans-Rezept: Wiederhole ein Motiv so lange, bis der Hörer winselt, wiederhole es dann noch weitere fünf Minuten und mache dann etwas ganz anderes, zum Beispiel einen weiten Hallraum, in dem du Holz zersägst und Pferde wiehern lässt. Und untermale all dies mit kurzen, stoisch wiederholten Lyricsfetzen wie „We fuck, we come, we love, we work“. Ähnlich wie das vorherige Doppelalbum The Seer ist auch To Be Kind ein Trumm, ein Monolith, ein bitterböses Ding, allerdings für meinen Geschmack etwas durchhörbarer und spannender, weil: noch irrsinniger. Scary Shit.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 14 (4/2014)

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