Electronica: A/T/O/S – A Taste Of Struggle

Der Philosoph Michel Foucault sprach vor längerer Zeit davon, dass wir gerade den Tod des Autors erleben. Auch wenn dies für die Literatur womöglich nicht eingetroffen ist, so ist die elektronische Musik im Zeitalter der digitalen Globalisierung längst in diesem Stadium angelangt. Remixes, MashUps, das Zirkulieren der digitalen Musikcodes erscheint unendlich und für jeden zugänglich zu sein. Längst treiben die Produzenten elektronischer Musik ihren Identitäts-Schabernack mit diesem freien Spiel der musikalischen Zeichen. Immer öfter erscheinen Alben und Tracks unter nicht mehr zu identifizierenden Namen und Pseudonymen.

atos

A/T/O/S – A Taste Of Struggle
Deep Medi Music, 2014

So auch im vorliegenden Fall A/T/O/S – A Taste Of Struggle. Die Plattenfirma hält sich bedeckt, die Netzgemeinde spekuliert auf ein Projekt von Mala, der einen Hälfte des DJ-Duos Digital Mystikz. Als Produktionsorte werden London oder Brüssel genannt. Aber was zählt das schon? Oder um den alten Fußballspruch zu bringen: Wichtig is aufm Platz. Und auf dem musikalischen Platz kann man dem Spiel sehr viel abgewinnen. Eine eher leise, bisweilen introvertierte und beinahe meditative Stimmung paart sich mit pulsierenden Bässen und pumpenden Synth-Akkorden, gespickt mit eher geräuschhaften Schlagzeug-Samples, während über allem wunderbare Vocals in bester R&B-Tradition schweben. Da blitzen Portishead und The XX am Horizont auf, verschwinden aber immer wieder schnell ins Schattenhafte. Ein wunderbares, weil stellenweise so seltsames Album.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 13 (3/2014)

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
Abonnieren Sie den Newsletter und erhalten Sie Informationen rund um das FIDELITY Magazin, exklusive Spezialangebote, Gewinnspiele, neue Features sowie Angebote unserer Partner.