Musiklexikon: J wie Janitscharenmusik

Vom 14. bis ins 19. Jahrhundert bildeten die Janitscharen die Elitetruppe im Heer des Osmanischen Reiches. Ihre Mitglieder stammten grundsätzlich nur aus eroberten Gebieten (Balkan, Naher Osten, Nordafrika) und wurden meist schon als Kinder zwangsrekrutiert und einer soldatischen und islamischen Erziehung unterzogen.

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Mehterhâne – osmanische Militärkapellen mit nach 1435 einheitlicher Besetzung

Wenn das osmanische Heer paradierte und präsentierte, wurden die Janitscharen natürlich am meisten bestaunt. Daher erhielt die türkische Parademusik in Europa fälschlicherweise den Namen „Janitscharenmusik“. Ihre Klänge machten immer großen Eindruck, denn die Musiker der osmanischen Militärkapelle, der „Mehterhâne“, waren bunt gekleidet und spielten extrem laut. Mehr noch als die Kegeloboen (Zurnas), Naturtrompeten und Flöten waren es dabei die Perkussions-Instrumente, die für Aufsehen sorgten: große und kleine Trommeln, Triangeln, Zimbeln, Becken, Pauken und Schellenbaum. Dieser Sound war in der Tat geeignet, die Furcht der eigenen Soldaten zu betäuben und die Feinde mit Lärm zu erschrecken.

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“Janitscharenmusik” betäubt die Furcht der eigenen Soldaten und erschreckt die Feinde mit martialischem Lärm

Der türkische Kaffee und die türkische Militärmusik sorgten auch in Wien für einige Aufregung. Haydn, Mozart und Beethoven haben wiederholt versucht, Elemente der „Janitscharenmusik“ in ihren Werken zu verwenden. Der Musikkritiker C.D.F. Schubart hielt solche Bemühungen allerdings nur für belächelnswerte „Nachäffungen“ einer Spielkunst, die er als die „kostbarste“ unter allen Militärmusiken schätzte. Die europäischen Heerführer waren ganz seiner Meinung und von der Wirkungskraft der Mehterhâne tief beeindruckt. Im 18. Jahrhundert führten deshalb sowohl das polnische wie das österreichische Militär „türkische“ Kapellen ein, die Besetzung der Klarinetten und Perkussions-Instrumente wurde überall drastisch erhöht. Bald prägte der osmanische Einfluss so sehr den Charakter der europäischen Heereskapellen, dass Militärkonzerte im Volksmund „türkische Musik“ hießen. Lange nannte man in Preußen die Militärmusiker „Janitscharen“. Selbst heute noch tragen unsere Militärkapellen den Schellenbaum mit sich herum.

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Traditionell die Militärkapelle des Sultans: Mehterhâne

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 12 (2/2014)

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